Bericht von einer Akademie, Teil 1: Ausgangspunkte

Es ist vollbracht: Die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Zitat und Paraphrase“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften hat die Früchte ihrer akademischen Bemühungen in einem Band versammelt, gedruckt und ans Licht der wissenschaftlichen Welt gegeben, auf dass diese Welt besser werde. „Zitat, Paraphrase, Plagiat. Wissenschaft zwischen guter Praxis und Fehlverhalten“ heißt das Werk, und herausgegeben wurde es von Christiane Lahusen und Christoph Markschies. Denn aus alphabetischen Gründen steht auf dem Titelblatt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Lahusen an erster Stelle. Das Alphabet kann manchmal sehr rücksichtslos sein.

Vertretungsfragen

Es handelt sich um eine bedeutende Publikation. So zeigen sich schon beim ersten Durchblättern bedeutende Lücken: Es fehlt ein Beitrag des alten Schavan-Intimus Ludger Honnefelder, obwohl uns ein solcher Beitrag in der Vorankündigung des Campus-Verlags noch fest versprochen war. [1] Dabei hatten wir uns gerade von ihm wertvolle Anregungen erhofft. Versprochen war uns vom Verlag auch ein Beitrag von Regina Ogorek, in der wir die Antipodin Honnefelders gewittert hatten. Doch auch sie fehlt. Die Herausgeber äußern sich zu diesen Lücken nicht. Zu einem weiteren Ausfall merken sie an:

Der Beitrag über Plagiatserkennungssoftware von Debora Weber-Wulff und die anschließende Diskussion auf der Sitzung [der IAG] im Winter 2014 konnten leider nicht in diesem Band vertreten sein.
Zitat, Paraphrase, Plagiat, S. 14

Ferner vermissen wir unter den Autoren das IAG-Mitglied Georg Braungart. Immerhin spielte er bei der Einrichtung der IAG eine wichtige Rolle, saß er doch im Frühjahr 2013 gemeinsam mit Markschies im wissenschaftlichen Beirat der Fritz-Thyssen-Stiftung, wo über die Bereitstellung der erforderlichen Gelder zu entscheiden war. Sehr zu bedauern ist es, dass der Text eines Vortrags, den Braungart im Juni 2013 in Tübingen hielt, und die anschließende Diskussion leider nicht in diesem Band vertreten sein konnten. Denn der Titel verhieß wichtige Aufschlüsse:

Denk ich an Düsseldorf in der Nacht … Der Umgang mit Annette Schavan und die Folgen für die Geisteswissenschaften [2]

Dass dieser Vortrag unveröffentlicht geblieben ist, berührt umso schmerzlicher, als nun mit Honnefelder und Braungart auch die in der IAG recht kräftig repräsentierte Gattung der ehemaligen und heutigen Leiter des Cusanuswerks leider nicht in diesem Band vertreten sein kann.

Es hat sich offenbar allerhand angesammelt bei der IAG „Zitat und Paraphrase“, was am Ende in diesem Band dann doch nicht zu vertreten war. Die befremdliche Vorstellung, die Rainer Maria Kiesow im Mai 2015 mit seiner futurologischen Akademievorlesung geboten hatte, [3] gehört erwartungsgemäß zu diesem Ausschuss. Und, welche Überraschung: Auch der Vortrag, mit dem Philipp Theisohn im Juli 2013 auf einer Tagung des Wissenschaftsrats bahnbrechende Erkenntnisse aus der Arbeit der IAG vorstellte und für Begeisterung sorgte, dieses so fabelhaft tiefgründige Referat zu all den Kernproblemen, mit welchen sich die IAG in den Zeiten des Kampfes der Annette Schavan um ihren Doktorgrad zu befassen hatte, [4] kommt hier nicht zum Abdruck. Stattdessen nudelt Theisohn erkennbar lustlos etwas zur Frage des Selbstplagiats herunter. Sein Desinteresse an diesem Nebenschauplatz kann man durchaus nachvollziehen.

Öffentlichkeitsarbeit I

Christoph Markschies und seine IAG haben ein Imageproblem: Sie gelten als Schavanistentruppe. Das ist natürlich nur üble Nachrede. Im Vorwort der Herausgeber werden wir belehrt, dass die in den letzten Jahren öffentlich diskutierten Plagiatsfälle von Politikerinnen und Politikern „der Ausgangspunkt, nicht der Anlass der Arbeitsgruppe“ waren (S. 9). Diese feine Unterscheidung erscheint noch sehr viel feiner, wenn man weiß, wie Markschies und seine Mitstreiter seinerzeit agiert und argumentiert haben. Tatsächlich ist eine angemessene Würdigung des vorliegenden Bandes nicht möglich, ohne dies in Erinnerung zu rufen.

Im Januar 2013 erklärte Markschies, die Doktorarbeit der Ministerin Schavan „gelesen und viele der Vorwürfe geprüft“ zu haben: Er sehe „keine Täuschungsabsicht“. Die offensichtlichen „Fehler“ der Arbeit seien „nicht drastisch genug, um den Doktorgrad abzuerkennen.“ [5] Nachdem der Doktorgrad dann doch aberkannt worden war, äußerte sich Markschies ausführlicher: Er hatte die Doktorarbeit nun sogar mehrfach gelesen und konnte versichern, dass die Düsseldorfer Entscheidung „definitiv nicht“ gerechtfertigt war. Denn anders als der dortige Fakultätsrat wusste Markschies,

dass es Zeiten und Fachgebiete gab und gibt, die es exakt so halten, wie es Frau Schavan 1980 hielt. [6]

Mit anderen Worten: Schavan hatte 1980 exakt so gearbeitet, wie es damals richtig war und in manchem Fachgebiet auch heute noch für richtig gilt. Nebenher verriet Markschies auch, welche textkritische Methode und welches analytische Instrumentarium ihm die sichere Unterscheidung zwischen vorsätzlicher Täuschung und bloßen Flüchtigkeitsfehlern erlaubte:

Im Laufe eines akademischen Lebens entwickelt man dafür ein Gefühl. Ich bin mir sicher, dass Frau Schavan in ihrer Dissertation keinen bewussten Täuschungsversuch unternommen hat. [6]

Dieses Interview erschien am 7. Februar 2013 auf dem Internetportal evangelisch.de und wurde noch am selben Tag in wesentlichen Passagen in einen FAZ-Beitrag von Heike Schmoll übernommen. [7]

Am 22. Februar gab Markschies dann dem mit Schavan ebenfalls eng verbundenen Journalisten Joachim Frank Auskunft über die geplante IAG „Zitat und Paraphrase“ und legte ihm auch gleich den Forschungsantrag vor. [8, 9] „Wissenschaft braucht eigene Standards“, lautete die Überschrift in der Frankfurter Rundschau, „Standards statt Politikerjagd“ im Kölner Stadt-Anzeiger, und weder Frank noch Markschies ließen einen Zweifel daran, dass die Einrichtung der IAG als Reaktion auf das Verhängnis der Annette Schavan zu sehen war: Um der Politikerjagd ein Ende setzen zu können, mussten erst einmal die wissenschaftlichen Standards geklärt werden. Das war nun die vordringliche Aufgabe der IAG.

Nichtöffentlichkeitsarbeit

Auf zweieinhalb Jahre war die Arbeit der IAG angelegt. Für Annette Schavan würden ihre Ergebnisse also wohl zu spät kommen, stellte Joachim Frank zum Schluss des Interviews fest. So sei das bei Langzeit-Projekten, antwortete Markschies:

Sie können nicht am Wohl und Wehe von Individuen ausgerichtet sein, sondern am Erkenntnisgewinn für das große Ganze. [8, 9]

Doch ganz so ausschließlich war das Interesse dieses Langzeit-Projekts dann doch nicht auf den Erkenntnisgewinn für das große Ganze ausgerichtet. Man interessierte sich durchaus auch für das Wohl und Wehe und den Prozessgewinn des Individuums Schavan. Schließlich gab es einen höchst brauchbaren IAG-Antrag, der nicht zu spät gekommen war. Wie es sich fügte, ließ er zentrale Voraussetzungen der Düsseldorfer Entscheidung zweifelhaft erscheinen. Der Antrag wurde der ehemaligen Ministerin zur Verfügung gestellt. Schavan reichte ihn an ihre Anwälte weiter. Ihre Anwälte legten ihn dem Verwaltungsgericht Düsseldorf vor. Denn es schien dieser Antrag ganz und gar geeignet, ihrer Mandantin im Kampf um den Doktorgrad gute Dienste zu leisten. [10]

Und auch der Theisohn-Vortrag vom Juli 2013, der uns in diesem Band vorenthalten wird, war in diesem Kampf unmittelbar nützlich. Denn wie es sich fügte, ließ er die Dissertation der Annette Schavan als mustergültiges Beispiel pädagogischer Doktorarbeiten der Zeit um 1980 erscheinen. Auch er fand seinen Weg zu Annette Schavan, und von Schavan zu ihren Anwälten, und von den Anwälten wurde er dem Verwaltungsgericht vorgelegt. Dabei ergab es sich auch, dass dem Gericht jene Fundstellen und Autorennamen, die Theisohn in seinem Vortrag nur anonymisiert vorgestellt hatte, unverschlüsselt mitgeteilt werden konnten. [10]

Öffentlichkeitsarbeit II

In einer Fußnote erklären die Herausgeber von „Zitat, Paraphrase, Plagiat“,

dass für dieses Vorwort auf Formulierungen desjenigen (unveröffentlichten) Antrags zurückgegriffen wurde, der dem Rat der BBAW im Frühjahr 2013 zur Beschlussfassung über die Einrichtung einer IAG vorlag.
Zitat, Paraphrase, Plagiat, S. 12-13

Das ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Erstens wegen der Datierung, die das damalige medienwirksame Auftreten von Christoph Markschies um so denkwürdiger erscheinen lässt. Denn im ausnehmend kalten Februar 2013 gab es für den Rat der BBAW noch längst keinen Frühling; die öffentliche Sache der Annette Schavan dagegen vertrug keinerlei Aufschub mehr.

Zweitens ist diese Fußnote bemerkenswert, weil zwar tatsächlich Formulierungen aus dem (bislang) unveröffentlichten Antrag in nennenswertem Umfang in das Vorwort übernommen wurden, sich die beiden Texte aber dennoch erstaunlich unähnlich sind. Der auffallend lieblos hingeschlurte und hochgradig redundante Antrag ist vor allem auf den ersten Seiten geprägt von einem alarmistischen Ton, der dem Vorwort völlig fehlt. Und er postuliert haufenweise Probleme, dringende Notwendigkeiten und anzupackende Forschungsaufgaben von höchster theoretischer, methodischer und sonstiger Kompliziertheit, von denen sich im Vorwort verblüffend wenig wiederfindet. Zum Anlass, der laut Vorwort nur ein Ausgangspunkt und für die IAG in keiner Weise wichtig gewesen sein soll, heißt es im Antrag:

Es besteht insofern dringender Handlungsbedarf, als durch die erkennbar auch parteipolitisch grundierte Debatte über mögliche Plagiatsfälle in akademischen Qualifikationsarbeiten von gegenwärtig politisch handelnden Personen bereits jetzt Verschiebungen in der öffentlichen Wahrnehmung von Wissenschaft stattfinden („die schreiben ja ohnehin alle voneinander ab“).
IAG-Antrag, S. 1

In der Debatte um den möglichen Plagiatsfall der damals politisch handelnden Person Schavan wurden von Markschies, Honnefelder, Theisohn die angeblich völlig ungeklärten Begrifflichkeiten zum Kernproblem erhoben: Hier sei überhaupt erst noch Grundlagenforschung zu betreiben. Im Antrag heißt es, in der bildhaft schönen Prosa, die diesen Text auszeichnet:

In der gegenwärtigen Debatte wird eine Fülle nicht oder in unterschiedlichen disziplinären Zusammenhängen unterschiedlich verwendeter Begriffe verwendet. […] Augenblicklich wird der Begriff „Paraphrase“ nahezu denunziatorisch verwendet […]. Die Unterscheidung der erkenntnisfördernden von den erkenntnishemmenden Funktionen der wissenschaftlichen Paraphrase ist noch zu leisten.
IAG-Antrag, S. 5-6

Fast drei Jahre später ist das Vorwort der Herausgeber um den übelsten sprachlichen Rohrkrepierer bereinigt, im Ton wesentlich herabgedämpft und, was den Erkenntnisgewinn für das große Ganze angeht, von umstandsloser Genügsamkeit:

Bei den beiden Begriffen Zitat und Paraphrase […] handelt es sich um in den aktuellen Debatten häufig verwendete, aber sehr unterschiedlich gebrauchte und verstandene Termini. […] Der Begriff „Paraphrase“ wird […] gern mit kritischer Absicht verwendet. […] Eine präzise Unterscheidung der erkenntnisfördernden von den erkenntnishemmenden Funktionen der wissenschaftlichen Paraphrase bleibt ein Desiderat, das die Arbeitsgruppe nicht beheben konnte.
Zitat, Paraphrase, Plagiat, S. 12

Unter allen Umständen zu beheben war dagegen der Schaden, der durch die Zweckentfremdung der Wissenschaft durch jene Mitglieder der IAG entstanden war, die sich für den Abwehrkampf der früheren Ministerin zur Verfügung gestellt hatten – allen voran Markschies, und neben ihm Theisohn und andere, die sich jedoch an der regulären Arbeit in der IAG kaum noch beteiligt hatten. Und dieser Schaden war möglichst so zu beheben, dass er öffentlich gar nicht erst bemerkt werden konnte. Denn im Antragstext und in allerlei sonstigen Texten hatte man sich ja zu Positionen verstiegen, die inzwischen keinesfalls noch zu vertreten waren.

Verschiedenes war hier zu retuschieren. Auch musste manch steile Schroffheit aus Zeiten des Hauens und Stechens nun bis auf die sanften Hügel solider Wissenschaftlichkeit abgetragen werden. Das Vorwort der Herausgeber zeigt deutliche Spuren editorischer Mühsal. So kann, wer die Fußnoten mitliest, dort etwa unvermutet über den anderen, nicht schlichten Kiesow stolpern. Zur ständig anwachsenden Publikationsflut bemerken die Herausgeber:

Mögliche Gründe hierfür, die vielfach in der scientific community diskutiert werden, wurden auch im Hinblick auf unterschiedliche Wissenschaftskulturen in Europa analysiert, ohne dabei in schlichte Gegenwartskritik zu verfallen.
Zitat, Paraphrase, Plagiat, S. 14

Es folgt eine Fußnote:

Anders, nicht schlicht: Kiesow, Wir haben abgeschrieben, S. 48-51 sowie ders., Abschreibekunst, S. 73-76.

Das erscheint erklärungsbedürftig. Denn wenn analysiert wurde, ohne in schlichte Gegenwartskritik zu verfallen, dann ist Kiesow entweder schlicht oder nicht anders. Im IAG-Antrag lautet die Passage allerdings noch:

Mögliche Gründe hierfür werden zwar vielfach in der scientific community diskutiert […], aber kaum präzise analysiert und mögliche Gegensteuerungsmechanismen bedacht. Stattdessen dominieren oft Fatalismus oder larmoyante Gegenwartskritik.
IAG-Antrag, S. 8-9

Es folgt die Fußnote:

Anders: R.M. Kiesow, Wir haben abgeschrieben! […]

Das ist vergleichsweise harmlos, der Stolperstein im Vorwort die Nebenfolge des löblichen Bemühens um Versachlichung. Eher ärgert man sich über das willkürliche Mitschleppen einer Fußnote, die im Antragstext noch „vorzügliche Recherchemöglichkeiten“ an der BBAW illustrieren sollte. Im Vorwort der Herausgeber ist dieser Kontext entfallen, der Verweis auf die Ausführungen von Dieter Simon zur Begriffsgeschichte des Ausdrucks „Selbstplagiat“ jedoch geblieben. Er soll nun Weiterführendes zur Paraphrase enthalten. Und zwar „beispielsweise“ (S. 12). Das darf bezweifelt werden. Sonstige Beispiele einer Auseinandersetzung mit der Paraphrase, immerhin in den zurückliegenden Jahren angeblich ein Hauptanliegen von Markschies, Theisohn und Konsorten, werden übrigens nicht genannt.

Keinesfalls eine Bagatelle ist es schließlich, wenn auf dem Wege der Umarbeitung des IAG-Antrags in das Vorwort der Herausgeber prominenten Mitgliedern der IAG Meinungen und Einsichten zugeschrieben werden, deren Gegenteil sie in Wahrheit stets vertreten haben – und zwar recht aggressiv. Im Antragstext von 2013 wird noch mächtig angerannt gegen die „Idee einer mathematisierten Messbarkeit wissenschaftlicher Qualität und Originalität“, die „insbesondere durch sogenannte Plagiatsjäger […] popularisiert und angewendet“ werde:

Emblematisch für dieses Verfahren steht der sogenannte (animierte) Barcode […]. Dabei werden bestimmte, von den Betreibern der Webseite oder (meist anonym bleibenden) Beiträgerinnen und Beiträgern einer solchen „kollaborativen Plagiatsdokumentation“ bestimmte Textteile kategorisiert und die Ergebnisse dieser Kategorisierungen in Form eines Barcodes oder von Prozentangaben oder anderen Visualisierungsmöglichkeiten dargestellt. Die Frage, ob und wie wissenschaftliche Qualität messbar im Sinne solcher mathematischer, mathematisierbarer oder pseudomathematischer Verfahren ist, wird nicht diskutiert.
IAG-Antrag, S. 6

Eine Fußnote gibt den weiterführenden Hinweis:

Vgl. zu diesem Problem P. Theisohn, Literarisches Eigentum. Zur Ethik geistiger Arbeit im digitalen Zeitalter, Stuttgart 2012, insbes. 13-33. […]

Tatsächlich hat ja Theisohn die Mär von der mathematisierten Vermessung der Texte mit einer Hingabe zu Gehör gebracht wie wenige sonst. Noch im Juli 2013 hatte er vor dem Wissenschaftsrat vom „Prozentbalken“ erzählt, mit dem die „Quantifizierbarkeit der Eigenständigkeit wissenschaftlicher Arbeiten“ suggeriert werden solle:

Das, was wir wissenschaftliche Normen nennen, hat zur Zeit ebendieses Gesicht: Wir vermessen Wörtlichkeit. [11]

Doch 2015 weiß man auch in der IAG, dass das Unsinn ist. Gegenstandslos selbst dort, wo Plagiatserkennungssoftware zum Einsatz kommt:

Mit dieser Software ist keinesfalls die Idee einer mathematisierten Messbarkeit wissenschaftlicher Qualität und Originalität verbunden, wie gelegentlich angenommen wird.
Zitat, Paraphrase, Plagiat, S. 14

Die Fußnote lautet unverändert:

Vgl. zu diesem Problem Theisohn, Literarisches Eigentum, insbes. S. 13-33. […]

Es ist gut, dass man Theisohn zu diesem Problem vergleichen kann.

Und auch die offizielle Selbstdarstellung der IAG „Zitat und Paraphrase“ kann man zu diesem Problem vergleichen. Die IAG „problematisiert die Idee einer mathematischen Messbarkeit wissenschaftlicher Originalität“, heißt es da. [12] Was davon zu halten ist, dürfen wir nun dem Vorwort der Herausgeber von „Zitat, Paraphrase, Plagiat“ entnehmen: Die „häufig diskutierte Problematisierung der quantitativen Messbarkeit von Textüberschneidungen“, lesen wir hier, erscheine „fast wie eine Nebelkerze“ (S. 15).

Was Nebelkerzen angeht, so ist Markschies und seinen Mitstreitern in der IAG hier abermals ein großer Wurf gelungen.

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7 Antworten zu “Bericht von einer Akademie, Teil 1: Ausgangspunkte

  1. Über den windigen IAG-Antrag und noch stärker über die Winkelzüge habe ich mich von Anfang an geärgert. Zum Ablauf sei präzisierend gesagt, dass über den Antrag vom Rat der BBAW im Februar 2013 beschlossen worden ist. Kollege Markschies ist damit dann sofort zur Presse gegangen und hat genau den Eindruck einer Aktion pro Schavan hervorgerufen, der eigentlich nach innen und außen vermieden werden sollte.

    Den ersten Impulsvortrag auf der konstituierenden Sitzung hielt Theisohn (Zürich) über die „Geschichtlichkeit der wissenschaftlichen Eigentumsregeln“. Nach diesem Vortrag konnte niemand mehr darüber im Unklaren sein, wohin die Reise ging. Weitere Vorträge gab es auf dieser ersten Sitzung von Honnefelder (Bonn) und Kleiner (ex-DFG). Inhaltlich waren sie unverdächtig, aber die Namen waren Programm und die Verständigungsrituale am Rand der Veranstaltung sprachen für sich. Das war auch bei der Tagung vom Juli 2013 zu beobachten, auf der Theisohn sein Impulsreferat in stark erweiterter Fassung noch einmal vorgetragen hat. Besonders empörend ist aber die Weitergabe von Unterlagen und Informationen aus der IAG an Frau Schavan und ihre Anwälte. Wer dafür verantwortlich gewesen ist, hat die Akademie aufs Schwerste beschädigt.

    • Und diese schwerste Beschädigung wird durch Herrn „aesthetics“ fortgesetzt, der hier anonym Internes ausplaudert.
      In der Sache hat Christoph Markschies in seiner Akademievorlesung das Nötige gesagt.

      • Anders rum wird ein Schuh daraus: Der eigentlich ungeheuerliche Vorgang wird in der Akademie bis heute nicht offen behandelt, und je länger er beschwiegen wird, desto größer der Schade. Das muss aufgearbeitet werden. Kollege Markschies hat in seiner Vorlesung nur versucht, vor versammeltem Publikum seine Spuren zu verwischen. Es war keine Sternstunde.

  2. Dr. Bernd Dammann

    Nebelkerzen allenthalben

    Dass ich nicht lache. Zwei vermummte Mitglieder/Angehörige der BBAW geraten sich auf offener Bühne darüber in die Haare, wer dieser altehrwürdigen Einrichtung durch seinen Umgang mit vermeintlichen Interna aus der IAG ‚Zitat und Paraphrase‘ den größeren Schaden zugefügt hat und wie deren beschädigter Ruf nun wieder hergestellt werden könnte.

    Ein Stück absurdes Theater. – Das kleine Szenario hat nämlich einen gravierenden Webfehler. Denn wirklich umstürzend Neues wird in diesen kontroversen Statements nicht ausgeplaudert. Mit einem Blick in die Organisationsstatuten der Akademie ist diesen nämlich zu entnehmen, wie stark auch die sie in Leitungsfunktionen führenden Personen in die jeweils laufenden Projekte und Unternehmungen im Haus mitverantwortlich eingebunden sind. Deswegen eint die beiden Streithähne bei genauerem Hinsehen in Wirklichkeit mehr als sie trennt. Sie entpuppen sich nämlich mit ihren Einlassungen als notorische Ignoranten der Beiträge von Simone G. auf diesem blog.

    Leser, die die Beiträge von Simone G.: „Grundlagen der Plagiatsphrasenforschung“ (Teil 1, 2 und 3 vom 8.8., 16.8.2013 und 30.4.2015) sowie „Klopfzeichen aus Düsseldorf: Hintergründiges zum Fall Schavan“ vom 23.8.2013, aufmerksam gelesen haben, können da nur noch mitleidig lächeln. Über die Umstände der Entstehung, die Strategie zur Begründung und Rechtfertigung und schließlich die beabsichtigte Verwendung der Ergebnisse aus der IAG ‚Zitat und Paraphrase‘ in der BBAW findet sich in diesen Beiträgen das Notwendige sachlich detailliert und treffend dargestellt. Zur Aufarbeitung dieses offenkundigen Nachholbedarfs unter den Mitgliedern der BBAW empfehle ich ihnen deswegen dringend deren sorgfältige Lektüre!

  3. Sprachlich witzig-wundervoller Wurf, vielen Dank. Ein Einspruch geht allerdings gegen @ aesthetics:

    „bis heute nicht offen behandelt“.

    Stichwort Transparenz: Sie könnten mit gutem Vorbild vorangehen und Ihren Namen offenbaren. Denn Sie gehören offenbar zum inner circle der Akademie, wenn Sie Herrn Markschies, wie unter Professoren üblich, mit „Kollege“ anreden und offenbar über Insiderinformationen verfügen. Oder handelt es sich um eine weitere Nebelkerze? Vielleicht steckt hinter dem schönen Namen „aesthetics“ ja die Mandy von der Grafik?!

    Falls nicht (verzeih mir, Mandy) wäre es Ihre Pflicht, nicht nur durch gezielte Indiskretionen in anonymen Foren, sondern durch eine öffentliche Stellungnahme gegen die Missstände einzuschreiten.

  4. Pingback: Longreads: Phantasie und Plagiat | Erbloggtes

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