Hütchenspiele, Teil 5: Arbeitsversion

mandygrafikDr. Andreas Schubert, der zweifelhaft promovierte Caritas-Chef an der Leine, ist ab sofort glänzend rehabilitiert: Die Zweifel sind ausgeräumt, die Promotion ist es dagegen nicht, wie die Caritas Hannover erklärt. Die Vorwürfe haben sich nicht bestätigt. Vielmehr hat die Comenius-Universität in Bratislava bestätigt,

dass die Dissertation und das Dissertationsverfahren mit allen 2009 zur Verfügung stehenden persönlichen und elektronischen Mitteln überprüft worden sind. [1]

So sagt es die Caritas, der es Dr. Schubert gesagt hat. Der Einsatz aller persönlichen und elektronischen Mittel, die 2009 zur Verfügung standen, hat 2016 auch zu der Erkenntnis geführt: Die Version stimmte nicht. Es hat sich nämlich unter Einsatz aller Mittel feststellen lassen,

dass es sich bei der im Internet rezensierten und kritisierten Arbeit von Schubert nicht um seine elektronisch bei der Universität eingereichten Dissertationsschrift handelt, sondern um eine frühere Arbeitsversion. [1]

Und nun ist Dr. Andreas Schubert aber wirklich sauer und lässt die Sperrung der Online-Ressource bei der Deutschen Nationalbibliothek „aufgrund der damit verbundenen Vorkommnisse in den vergangenen Monaten“ nicht wieder aufheben. Einst hatte er diese Sperrung damit begründet, dass seine Doktorarbeit „sensible Daten über Krankenhausfinanzierung“ enthielt, also quasi der Geheimhaltung unterlag. [2] Aber jetzt ist er selbst sensibel, und das ist eigentlich ein noch viel überzeugenderer Grund.

Doch wird Dr. Schubert nun, zum Beweis der Plagiatsfreiheit seiner von ihm selbst geschriebenen Doktorarbeit, diese gesperrte Falschfassung in der DNB durch seine echte, elektronisch bei der Universität eingereichte Dissertationsschrift ersetzen lassen? Auf dass eine staunende Mitwelt sich davon überzeugen kann, dass der Kandidat Schubert sich nur einen Spass daraus machte und lediglich eine sportliche Herausforderung darin sah, innerhalb kürzester Zeit zwei völlig unterschiedliche Arbeiten im Umfang von jeweils mehr als 200 Seiten zu schreiben, beide gespickt mit sensiblen Krankenhausdaten, aber die eine grotesk zusammengekupfert und die andere die Frucht ureigenster Forschung?

Er wird offenbar nicht.

Denn das Schöne an einer Promotion in Bratislava ist ja, dass man die Doktorarbeit gar nicht veröffentlichen muss: Nicht in Bratislava, und schon gar nicht sonstwo. Es ist auch völlig gleichgültig, ob nun doch noch ein Exemplar der Dissertation irgendwo in der Bibliothek der Comenius-Universität teuer gebunden herumliegt. Wie wir uns erinnern wollen, hatte Dr. Schubert behauptet, dass diese Bibliotheksversion „seine korrekte Arbeit“ sei. [2] Aber nachdem diese „korrekte Arbeit“ sich als genau so unkorrekt erwiesen hat wie die gesperrte Online-Version der DNB, kann man auch von dieser Bibliotheksversion jetzt behaupten, es sei nur eine Arbeitsfassung gewesen, nur aus Jux dort hinterlassen. Maßgeblich ist allein die elektronisch eingereichte Dissertationsschrift, und wie die aussah, werden wir nie erfahren.

Aber rekonstruieren können wir es. Denn diese Dissertation muss jedenfalls völlig anders ausgesehen haben als die gelöschte DNB-Version. Und auch völlig anders als die gebundene Bibliotheksversion in Bratislava, die inzwischen ebenfalls aus dem Verkehr gezogen zu sein scheint. Denn die sah zwar anders aus als die DNB-Version, aber die Plagiate waren doch dieselben. Die Bratislava-Version unterschied sich von der DNB-Version so ziemlich allein dadurch, dass der Text etwas großzügiger über die Seiten verteilt war. Derselbe Text. Mit denselben grotesken Plagiaten. Das kann man mit allen persönlichen und elektronischen Mitteln überprüfen, die 2016 zur Verfügung standen. [3]

Wo viel gearbeitet wird, entstehen auch viele Arbeitsversionen. Und wenn es gelingt, den Text einer früheren Arbeitsversion, bei der es sich um eine reine Fingerübung gehandelt hat, über etwas mehr Seiten zu verteilen, dann lässt man so eine neue Arbeitsversion, bei der es sich um eine weitere reine Fingerübung handelt, gerne auch schon mal teuer binden und hinterlegt sie in der Bibliothek der Comenius-Universität in Bratislava. Natürlich nicht ohne ein Titelblatt, das diese Spielfassung genau wie eine Dissertation aussehen lässt, die in Bratislava an der Fakultät für Management im Studienfach Corporate Management unter der Betreuung des ehrenwerten Doc. RNDr. Ing. Ľudomír Šlahor PhD eingereicht worden ist. Denn es wäre ja kein Spiel, wenn es nicht echt aussähe.

Die letzte Arbeitsversion des Dr. Andreas Schubert aber lautet, dass er jetzt rehabilitiert ist. Glänzend. Aber auf gar keinen Fall irgendwie schillernd.

Advertisements

7 Antworten zu “Hütchenspiele, Teil 5: Arbeitsversion

  1. Spannend könnte aus Sicht der Caritas die Langzeitprognose für Herrn Sch. sein. Vielleicht stellt sich, nachdem etwas Bodengrün über die Causa gewachsen ist, der Arbeitsvertrag mit Herrn Sch. auch als frühe Arbeitsversion heraus? Nachdem sich schon mit „kleinen Doktoren“ kein Staat machen ließ (obwohl es sich hierbei um eine eindeutige Diskriminierung aufgrund geometrischer Gegebenheiten handelt), bleibt abzuwarten, ob sich ein Dr. brat. wirklich noch gut macht, außer als subtile Zielscheibe für den Spott böser Neider und noch böserer Konkurrenten und Aufsichtsratvorsitzenden.

  2. Mandys Bruder

    Jetzt legt mal endlich diese fiese arbeitsrechtliche Auseinandersetzung bei. Meine kleine Schwester ist nur noch am Heulen. Das nervt.

  3. Prof. Prof. Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. (mult. brat.) P. Liehnn von Eh

    Hoch verehrter Herr Bruder,

    gerne möchte ich Ihrer teuren Frau Schwester neue Perspektiven ausmalen! Der richtige Name, und dazu gehört unauflöslich der richtige akademische Titel, öffnet so viele Türen im Leben, Ihre werte Frau Schwester muss nur zugreifen. Es ist ein kleiner Schritt weg aus der trüb-selbstsüchtigen Umarmung eines übellaunig und schlecht schreibenden Keller-Blogs in der Schmuddelecke des Internetzes hin in das Licht der Eliten unserer Gesellschaft. Werte Frau Schwester, schauen Sir doch, was wäre es für ein großer Aufstieg für Sie, nun Frau Professor Mendy v. d. Grafik zu heißen!

    Über die nachrangigen Details wie Anfangs-, Zwischen- und Anschlussfinanzierungen können wir gerne in der gehoben entspannten Atmosphäre der berühmten altehrwürdigen Promotorenstadt Bratislava plaudern. Als Zeichen der besonderen Wertschätzung kann ich Ihnen auch bei der elitären Kürzung Ihres Namens behilflich sein: v. d. Grafik, was für ein entzückend hochanständiger Name!

    Höchstachtungsvoll,

    • Dr. Bernd Dammann

      Lockvogelangebot eines Trittbrettfahrers – höchste Vorsicht scheint geboten !!!
      Der Europäische Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg hat nämlich am 2. Juni 2016 entschieden: Deutsche Behörden sind nicht verpflichtet, Namensbestandteile nachträglich anzuerkennen, die den Anschein einer adeligen Herkunft erwecken.

    • Also erstens bin ich sehr sauer, dass das mit Hein-Schmöke und mir hier einfach so rumposaunt wird. Und er erstmal! Aber zweitens wird da sowieso wohl nichts draus, weil er hat mir schon klar gemacht dass ich dann auch seinen Namen annehmen muss, wenn ich erst mal Frau Professor bin. Er ist ja eher so etwas traditionell.
      Aber „Pufogel“ – na, ich weiß nicht.

  4. Wenn Herr Schubert Ende Mai 2016 ein Schreiben von der Comenius-Universität vorlegen kann, in dem bescheinigt wird, „dass die Dissertation und das Dissertationsverfahren mit allen 2009 zur Verfügung stehenden persönlichen und elektronischen Mitteln überprüft worden sind“, dann heißt das doch im Klartext:

    Als Andreas Schubert 2009 in Bratislava zur Entgegennahme eines Doktorhuts antrat, ist „überprüft“ worden. Eine erneute Prüfung im Licht der Vroniplag-Dokumentation hat demnach in Bratislava NICHT stattgefunden. Herr Schubert hat also aus Bratislava das dürftigste Attest nach Hause bringen können, das man sich nur denken kann: Damals kam der Universität alles in Ordnung vor.

    „Darüber hinaus“, behauptet die Caritas Hannover in ihrer Pressemitteilung, „hat sich herausgestellt, dass es sich bei der im Internet rezensierten und kritisierten Arbeit von Schubert nicht um seine elektronisch bei der Universität eingereichten Dissertationsschrift handelt, sondern um eine frühere Arbeitsversion.“ Sie behauptet nicht, dass dies nun auch von der Comenius-Universität bescheinigt worden wäre, sondern „darüber hinaus hat sich herausgestellt“. Die Caritas wiederholt also offenbar nur eine frühere, mehrfach abgewandelte Behauptung ihres Chefs.

    Andreas Schubert versucht es einfach weiterhin mit Winkelzügen.

  5. Pingback: Hütchenspiele | Erbloggtes

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s