Hütchenspiele, Teil 5: Arbeitsversion

mandygrafikDr. Andreas Schubert, der zweifelhaft promovierte Caritas-Chef an der Leine, ist ab sofort glänzend rehabilitiert: Die Zweifel sind ausgeräumt, die Promotion ist es dagegen nicht, wie die Caritas Hannover erklärt. Die Vorwürfe haben sich nicht bestätigt. Vielmehr hat die Comenius-Universität in Bratislava bestätigt,

dass die Dissertation und das Dissertationsverfahren mit allen 2009 zur Verfügung stehenden persönlichen und elektronischen Mitteln überprüft worden sind. [1]

So sagt es die Caritas, der es Dr. Schubert gesagt hat. Der Einsatz aller persönlichen und elektronischen Mittel, die 2009 zur Verfügung standen, hat 2016 auch zu der Erkenntnis geführt: Die Version stimmte nicht. Es hat sich nämlich unter Einsatz aller Mittel feststellen lassen,

dass es sich bei der im Internet rezensierten und kritisierten Arbeit von Schubert nicht um seine elektronisch bei der Universität eingereichten Dissertationsschrift handelt, sondern um eine frühere Arbeitsversion. [1]

Und nun ist Dr. Andreas Schubert aber wirklich sauer und lässt die Sperrung der Online-Ressource bei der Deutschen Nationalbibliothek „aufgrund der damit verbundenen Vorkommnisse in den vergangenen Monaten“ nicht wieder aufheben. Einst hatte er diese Sperrung damit begründet, dass seine Doktorarbeit „sensible Daten über Krankenhausfinanzierung“ enthielt, also quasi der Geheimhaltung unterlag. [2] Aber jetzt ist er selbst sensibel, und das ist eigentlich ein noch viel überzeugenderer Grund.

Doch wird Dr. Schubert nun, zum Beweis der Plagiatsfreiheit seiner von ihm selbst geschriebenen Doktorarbeit, diese gesperrte Falschfassung in der DNB durch seine echte, elektronisch bei der Universität eingereichte Dissertationsschrift ersetzen lassen? Auf dass eine staunende Mitwelt sich davon überzeugen kann, dass der Kandidat Schubert sich nur einen Spass daraus machte und lediglich eine sportliche Herausforderung darin sah, innerhalb kürzester Zeit zwei völlig unterschiedliche Arbeiten im Umfang von jeweils mehr als 200 Seiten zu schreiben, beide gespickt mit sensiblen Krankenhausdaten, aber die eine grotesk zusammengekupfert und die andere die Frucht ureigenster Forschung?

Er wird offenbar nicht.

Denn das Schöne an einer Promotion in Bratislava ist ja, dass man die Doktorarbeit gar nicht veröffentlichen muss: Nicht in Bratislava, und schon gar nicht sonstwo. Es ist auch völlig gleichgültig, ob nun doch noch ein Exemplar der Dissertation irgendwo in der Bibliothek der Comenius-Universität teuer gebunden herumliegt. Wie wir uns erinnern wollen, hatte Dr. Schubert behauptet, dass diese Bibliotheksversion „seine korrekte Arbeit“ sei. [2] Aber nachdem diese „korrekte Arbeit“ sich als genau so unkorrekt erwiesen hat wie die gesperrte Online-Version der DNB, kann man auch von dieser Bibliotheksversion jetzt behaupten, es sei nur eine Arbeitsfassung gewesen, nur aus Jux dort hinterlassen. Maßgeblich ist allein die elektronisch eingereichte Dissertationsschrift, und wie die aussah, werden wir nie erfahren.

Aber rekonstruieren können wir es. Denn diese Dissertation muss jedenfalls völlig anders ausgesehen haben als die gelöschte DNB-Version. Und auch völlig anders als die gebundene Bibliotheksversion in Bratislava, die inzwischen ebenfalls aus dem Verkehr gezogen zu sein scheint. Denn die sah zwar anders aus als die DNB-Version, aber die Plagiate waren doch dieselben. Die Bratislava-Version unterschied sich von der DNB-Version so ziemlich allein dadurch, dass der Text etwas großzügiger über die Seiten verteilt war. Derselbe Text. Mit denselben grotesken Plagiaten. Das kann man mit allen persönlichen und elektronischen Mitteln überprüfen, die 2016 zur Verfügung standen. [3]

Wo viel gearbeitet wird, entstehen auch viele Arbeitsversionen. Und wenn es gelingt, den Text einer früheren Arbeitsversion, bei der es sich um eine reine Fingerübung gehandelt hat, über etwas mehr Seiten zu verteilen, dann lässt man so eine neue Arbeitsversion, bei der es sich um eine weitere reine Fingerübung handelt, gerne auch schon mal teuer binden und hinterlegt sie in der Bibliothek der Comenius-Universität in Bratislava. Natürlich nicht ohne ein Titelblatt, das diese Spielfassung genau wie eine Dissertation aussehen lässt, die in Bratislava an der Fakultät für Management im Studienfach Corporate Management unter der Betreuung des ehrenwerten Doc. RNDr. Ing. Ľudomír Šlahor PhD eingereicht worden ist. Denn es wäre ja kein Spiel, wenn es nicht echt aussähe.

Die letzte Arbeitsversion des Dr. Andreas Schubert aber lautet, dass er jetzt rehabilitiert ist. Glänzend. Aber auf gar keinen Fall irgendwie schillernd.

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16 Antworten zu “Hütchenspiele, Teil 5: Arbeitsversion

  1. Spannend könnte aus Sicht der Caritas die Langzeitprognose für Herrn Sch. sein. Vielleicht stellt sich, nachdem etwas Bodengrün über die Causa gewachsen ist, der Arbeitsvertrag mit Herrn Sch. auch als frühe Arbeitsversion heraus? Nachdem sich schon mit „kleinen Doktoren“ kein Staat machen ließ (obwohl es sich hierbei um eine eindeutige Diskriminierung aufgrund geometrischer Gegebenheiten handelt), bleibt abzuwarten, ob sich ein Dr. brat. wirklich noch gut macht, außer als subtile Zielscheibe für den Spott böser Neider und noch böserer Konkurrenten und Aufsichtsratvorsitzenden.

  2. Mandys Bruder

    Jetzt legt mal endlich diese fiese arbeitsrechtliche Auseinandersetzung bei. Meine kleine Schwester ist nur noch am Heulen. Das nervt.

  3. Prof. Prof. Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. (mult. brat.) P. Liehnn von Eh

    Hoch verehrter Herr Bruder,

    gerne möchte ich Ihrer teuren Frau Schwester neue Perspektiven ausmalen! Der richtige Name, und dazu gehört unauflöslich der richtige akademische Titel, öffnet so viele Türen im Leben, Ihre werte Frau Schwester muss nur zugreifen. Es ist ein kleiner Schritt weg aus der trüb-selbstsüchtigen Umarmung eines übellaunig und schlecht schreibenden Keller-Blogs in der Schmuddelecke des Internetzes hin in das Licht der Eliten unserer Gesellschaft. Werte Frau Schwester, schauen Sir doch, was wäre es für ein großer Aufstieg für Sie, nun Frau Professor Mendy v. d. Grafik zu heißen!

    Über die nachrangigen Details wie Anfangs-, Zwischen- und Anschlussfinanzierungen können wir gerne in der gehoben entspannten Atmosphäre der berühmten altehrwürdigen Promotorenstadt Bratislava plaudern. Als Zeichen der besonderen Wertschätzung kann ich Ihnen auch bei der elitären Kürzung Ihres Namens behilflich sein: v. d. Grafik, was für ein entzückend hochanständiger Name!

    Höchstachtungsvoll,

    • Dr. Bernd Dammann

      Lockvogelangebot eines Trittbrettfahrers – höchste Vorsicht scheint geboten !!!
      Der Europäische Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg hat nämlich am 2. Juni 2016 entschieden: Deutsche Behörden sind nicht verpflichtet, Namensbestandteile nachträglich anzuerkennen, die den Anschein einer adeligen Herkunft erwecken.

    • Also erstens bin ich sehr sauer, dass das mit Hein-Schmöke und mir hier einfach so rumposaunt wird. Und er erstmal! Aber zweitens wird da sowieso wohl nichts draus, weil er hat mir schon klar gemacht dass ich dann auch seinen Namen annehmen muss, wenn ich erst mal Frau Professor bin. Er ist ja eher so etwas traditionell.
      Aber „Pufogel“ – na, ich weiß nicht.

  4. Wenn Herr Schubert Ende Mai 2016 ein Schreiben von der Comenius-Universität vorlegen kann, in dem bescheinigt wird, „dass die Dissertation und das Dissertationsverfahren mit allen 2009 zur Verfügung stehenden persönlichen und elektronischen Mitteln überprüft worden sind“, dann heißt das doch im Klartext:

    Als Andreas Schubert 2009 in Bratislava zur Entgegennahme eines Doktorhuts antrat, ist „überprüft“ worden. Eine erneute Prüfung im Licht der Vroniplag-Dokumentation hat demnach in Bratislava NICHT stattgefunden. Herr Schubert hat also aus Bratislava das dürftigste Attest nach Hause bringen können, das man sich nur denken kann: Damals kam der Universität alles in Ordnung vor.

    „Darüber hinaus“, behauptet die Caritas Hannover in ihrer Pressemitteilung, „hat sich herausgestellt, dass es sich bei der im Internet rezensierten und kritisierten Arbeit von Schubert nicht um seine elektronisch bei der Universität eingereichten Dissertationsschrift handelt, sondern um eine frühere Arbeitsversion.“ Sie behauptet nicht, dass dies nun auch von der Comenius-Universität bescheinigt worden wäre, sondern „darüber hinaus hat sich herausgestellt“. Die Caritas wiederholt also offenbar nur eine frühere, mehrfach abgewandelte Behauptung ihres Chefs.

    Andreas Schubert versucht es einfach weiterhin mit Winkelzügen.

  5. Pingback: Hütchenspiele | Erbloggtes

  6. Die Texte haben hier aber eine besondere „Würze“. Wenn oben im Artikel ausgeführt wird : „Aber nachdem diese „korrekte Arbeit“ sich als genau so unkorrekt erwiesen hat wie die gesperrte Online-Version der DNB“ , erwarte ich als Leserin an einer beliebigen Stelle im www einen Beweis und Gegenüberstellungen. Ich muss jedoch feststellen, dass bis auf die Danksagung keine weiteren Textparallelen bisher rezensiert worden sind.

    Respekt, von einer abgekupferten Danksagung auf eine ganze Arbeit (die ohne Standortangabe referenziert wird) zu schließen finde ich schon ziemlich mutig. Offenbar ist vroniplag sich auch nicht so sicher mit welcher Fassung Sie sich so lange beschäftigt haben.

    Mutig finde ich auch die Schlussfolgerung des vorangestellten Kommetars von Herrn „Hupe“. Mein Kommentar: Ich glaube die Uni interssiert sich einfach nicht dafür welche Fassungen in D so rumgeistern. Die haben das Werk 2009 auf Plagiate überprüft, eine Prüfung abgenommen, ein teuer gebundenes Exemplar in den Keller gestellt, die Kohle kassiert – und fertig.

    Das die Arbeiten in Bratislava elektronisch eingereicht und überprüft werden ergibt sich aus der Promotionsordnung der Universität. Und das es auch in unserem geliebten Heimatland bei Drucklegungen zu Problemen kommen kann hat ein bekannter Journalist in einem Hamburger Fall schon sehr ausführlich beschrieben. Die Universität Hamburg musste in diesem Fall konsequent zurück rudern und den Titel wieder zusprechen. Allerdings berichtete Herr Horstkotte hier weniger „bissig“ und intensiv wie im aktuellen Fall. Aus “ Schubert sperrt Doktorarbeit“ wird „Bibliothek sperrt Doktorarbeit“. Respekt, wenn das der amerikanische Präsi hört, Wasser auf seine Mühlen. Im Prinzip ist es ja richtig, aber die Methode finde ich fragwürdig. Das ist nach meinem Empfinden unterste Schublade und journalistisch unredlich wenn man sich als „Experte“ verkaufen möchte.

    Dieser Aspekt in dem Fall wurde ja auch hier im Blog bereits im ersten Teil der Serie erwähnt. Das ein Beschuldigter vor dem Hintergrund solcher „Schlagzeilen“ sich nicht weiter positioniert und mauert ist doch logisch. Besonders wenn ihm das akademische „Gemaule“ beruflich nicht tangieren muss.

    Man hörte sogar das Herr Horstkotte versucht haben soll die Geschädigten zu einer Anzeige zu überreden und fleißig die Namen der Danksagung abtelefoniert haben soll um an Informationen zu kommen Scheint ein hartes Geschäftsfeld zu sein um seine Botschaften ins rechte Licht rücken zu können.

    Ich vermute mal die Geschichte ist deswegen so aufgeblasen worden weil „die Person des Interesses“ ihrem Job wohl zu ernst genommen hat und ein paar Leuten mächtig auf die Füße getreten hat. Das geht in der katholischen Kirche ziemlich schnell, wenn man dann noch eine Leiche in der D-NB hat steht man halt hier im Blog und bei vroniplag. Einen noch zum Schluss: Die Arbeit soll über Herrn Heidingsfelder bei vroniplag eingespielt worden sein (sagt die HAZ in Hannover in der ersten Berichterstattung), ich dachte die reden nicht mehr miteinander und finden sich blöd. Das vroniplag die „Drecksarbeit“ erledigt und die Steigbügel hält wenn den Mandanten von Heidingsfelder die Kohle ausgeht und er keine Lust mehr an einem Fall hat weil es ihm zu heiß wird (weil er ja öffentlich identifizierbar ist wenn er jemanden beschuldigt), finde ich schon interessant. Ist die öffentliche dokumentierte gegenseitige Abneigung vielleicht nur vorgetäuscht. Kompletiert Herr Horstkoste diese Dreiecksbeziehung nur und übernimmt die PR eines Falles? Stehen dahinter vielleicht „nur “ ein paar Katholiken die sich einen günstigen Ausgang ihrer fristlosen Kündigung erhoffen weil Sie nicht so nett mit Frauen und „Schutzbefohlenen“ umgegangen sein sollen (Steht auf der MAV Seite der Caritas Hannover)? Man weiss es nicht…

    Aber die Erde dreht sich vermutlich weiter und wer interessiert sich überhaut dafür was ich hier so schreibe. Passt vermutlich hier nicht ins Bild und wird vermutlich auch nicht zum nachdenken anregen. ich würde die Fortsetzung „Sandkastenspiele“ nennen.

    Bevor sich jemand wundert und nach Quellen und Beweisen fragt und einen roten Kopf bekommt. Ich gehe davon aus das es ist hier zum guten Ton gehört die „Fakten“ zu posten und die Quellen und Beweise hinten an zu stellen. So ganz habe ich mich aber nicht daran gehalten, sehen sie es mir nach.

    Mal sehen ob möglicherweise die Staatsanwaltschaften das auch so sehen. (Den Satz habe ich ich mir von den anderen Kommentaren hier im Blog abgeschaut. Ich finde der Teil passte gerade an dieser Stelle ziemlich gut).

    Meine Damen und Herren, jetzt dürfen Sie mich nach Herzenslust sezieren und auseinander nehmen, ich bin dann mal wieder im virtuellen off und werde mit Ihnen bestimmt nicht diskutieren. Mal sehen wie lage sich meine Zeilen hier so halten. Es grüßte Sie herzlichst Ihre (sehen Sie oben)!

    • Ihre Begriffe von Fakten, Beweisen, Quellen, Rezensionen, Drucklegungen usw. sind ebenso schief wie Ihre Rechtschreibung. Aber in der Promotionsordnung von Bratislava kennen Sie sich offenbar wirklich aus.

    • Ja, das ist vermutlich schon wahrscheinlich so, dass die gegenseitige Abneigung zwischen der Vroniplag Vicki und dem Heidingsfelder Martin nur vorgetäuscht ist und dass die auch mit dem Herrn Horstkotte heimlich verbandelt sind. Und dass die ganze G’schicht mit dera Causa Schavan die ganze Zeit bloß deshalb so dermaßen aufblasen worden ist, weil das eine Ablenkung ist von dem eigentlichen Sinn, dass die in der katholischen Kirche den Schubert Andi derbaatzen können. Ja, Hundling san’s scho!

    • Netter Versuch von FAKE, aber fail. Auf Vroniplag sind die angebl. Unterschiede zwischen den Versionen genau beschrieben. Auch in der HAZ waren die beiden Versionen mal verglichen worden. Ergebnis: Schubert schummelt auch hier. Auch alles andere was hier vorgebracht wird ist Käse.

  7. Wenn man sich zum Beispiel die Berichterstattung zum Fall anschaut (siehe vroniplag. wiki, Pressespiegel Ast) ist schon auffällig, dass ein Journalist überwiegend vertreten ist und die Berichterstattung zu diesem Fall maßgeblich geprägt hat. Selbst die Berichterstattungen in der Lokalpresse wirkt fremdgesteuert und die NP rollt den Fall auf nach dem die HAZ ihre Berichterstattung eingestellt hat. Auch in diesen Berichterstattungen wird der genannte Journalist häufig als Co. Autor aufgeführt. Offensichtlich sollte hier eine offene Rechnung auf diesem Weg ausgeglichen werden und die Lokalpresse extern motiviert werden eine Person zu beschädigen. Das zu vermuten liegt auf der Hand. Ist aber auch nur eine Vermutung.

    Auf vroniplag.wiki wird korrekt darauf hingewiesen das Gegenstand der Auseinandersetzung die DNB Fassung ist . Es werden dort Formatierungsunterschiede zur Bratislava Fassung genannt. Es wird auch darauf hingewiesen, dass bisher nur geringfügige Abweichungen der beiden Fassungen festgestellt worden sind. Als Beispiel wird dann – lediglich- die Danksagung angeführt. Weitere Parallelen werden nicht genannt. Hier stimme ich FAKE zu. Auf den Seiten der HAZ und NP finden sich nur die bekannten Informationen von vroniplag.wiki. Nicht weniger, aber auch nicht mehr….

    @ Deep holz, wo finde ich denn die Seiten aus der Bratislava Fassung in der Befundung von vronipkag.wiki?

    [Herr Horstkotte ist Wissenschaftsjournalist und berichtet schon seit Jahren regelmäßig engagiert über Plagiatsfälle an deutschen und sonstigen Universitäten. Teil eines Komplotts vor Ort ist er sicher nicht. Die Möglichkeit, dass es ein solches Komplott vor Ort gab, ist allerdings nicht ganz von der Hand zu weisen – sie wird in einem HAZ-Artikel, an dem Herr Horstkotte beteiligt war, angesprochen wie folgt: „Nach HAZ-Informationen kam der Tipp von ehemaligen Mitarbeitern, die im Konflikt mit Schubert den Caritasverband verlassen haben.“ Für die Sachfrage, ob die Arbeit Plagiate enthält, ist aber nicht ausschlaggebend, ob der Hinweis vielleicht aus niedrigen Motiven erfolgt ist. -red.]

  8. DEEP HOLZ: Das ist so nicht richtig! Vroniplag bezieht sich nur auf die Fassung der D-NB. Der Querverweis wird ausschließlich über die Danksagung hergestellt, weitere Seiten aus Bratislava sind nicht Bestandteil der Analyse und des Berichts. http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Ast/Bericht.

    [Das ist so nun auch nicht ganz richtig. Vroniplag analysiert auf der Grundlage des DNB-Exemplars, gibt – wohl als besonders bizarren Fall eines Plagiats – einen Ausschnitt aus der Danksagung in beiden Versionen wörtlich wieder, und stellt weiter fest: „Zeilen- und Seitenumbruch der beiden Fassungen stimmen nicht überein; die DNB-Fassung nimmt für identischen {!} Text mehr Raum in Anspruch“ … „Die bisher vorliegenden Teile der Bratislava-Fassung weisen keine inhaltlichen Unterschiede zur DNB-Fassung auf …“ Nur auf einen Abgleich der Danksagung bezieht sich eine solche Aussage zweifellos nicht. -red.]

  9. Ich danke der Redaktion für die gegebenen weiterführenden Informationen und Ihre Einschätzung zum Fall. Mich stimmt jedoch folgender Satz im Bericht von vroniplag.wikia skeptisch: “ Die bisher vorliegenden Teile der Bratislava-Fassung weisen keine inhaltlichen Unterschiede zur DNB-Fassung auf “ Die Aussage: „Die bisher vorliegenden Teile (….)“ deutet für mich darauf hin, dass die Bratislava Fassung nicht umfänglich analysiert wurde. Selbst wenn das so geschehen ist, bleibt es weiterhin zu klären aus welchen Gründen die Plagiatserkennung der Universität ein grünes Licht für die weiterführenden Schritte im Verfahren gegeben hat. Neben der betrügerischen Absicht die man unterstellen kann (ich aber ausdrücklich nicht will), sollten für mich auch menschliche Gründe (Fehler) in der Beurteilung des Falles in Erwägung gezogen werden. Das ist mein abschließendes Statement dazu, da ich weitere Anknüpfungspunkte derzeit nicht erkennen kann. Der Fall ist mir zu emotional aufgeladen und in einigen Punkten sicher überzeichnet. Das ist ein grundsätzliches Problem im Umgang mit Plagiatoren und ihren Schriften, aus diesem Grund bin ich auch bei vronipplag.wiki ausgestiegen. Sätze wie „Schubert schummelt auch hier“ deuten für mich auf diese emotional aufgeladene und wenig reflektierende Grundstimmung hin. Das Plagiatsproblem ist ein ernstes Thema, wir werden es nicht lösen, wenn wir nur „draufhauen“ und „Fälle“ namentlich in die Öffentlichkeit ziehen. Aus menschlichen Gründen heraus würde ich mir wünschen das mit ertappte Plagiatoren, fairer umgegangen wird, unabhängig von ihrer persönlichen und beruflichen Stellung. Ich bin davon überzeugt, dass die wenigsten Plagiatoren kriminell, bösartig und gesellschaftliche Versager sind wie es so oft – auch hier- dargestellt wird. Häufig sind Dr. Arbeiten das Ergebnis einer miesen Betreuungs- und Lebenssituation und der „Pfusch“ am Bau ist i.d.R. das Ergebnis vieler Gewerke. Nur den Architekten zu „steinigen“ wird das Problem nicht lösen. Das ist aber ein anderes Thema und ich vermute mal hier ist auch nicht der richtige Ort um das weiter konstruktiv diskutieren zu können. Ade.

    [Die Bratislava-Fassung wurde auch nach unserem Eindruck nicht umfänglich analysiert, aber in den Teilen, die vorlagen – sie lag offenbar nicht vollständig vor – abgeglichen, ohne dass inhaltliche Abweichungen festgestellt werden konnten. Die wechselnden Behauptungen von Andreas Schubert über die verschiedenen Fassungen und deren Bedeutung sind unglaubhaft. Das gilt auch für wiederholte Hinweise auf mögliche „Probleme bei der Drucklegung“, während allein die „elektronisch eingereichte“ Fassung relevant sein soll. Die „Veröffentlichung“ sei dagegen in Bratislava nicht Bestandteil des Promotionsverfahrens, weshalb der Doktortitel auch nicht wegen Mängeln in der Druckfassung entzogen werden könne. – Das ist in mehreren Punkten irreführend. Es gab weder eine „Drucklegung“ noch eine „Veröffentlichung“ und auch keine „Druckfassung“, sondern nur ein von Schubert selbst bereitgestelltes gebundenes Exemplar. Diese Papierfassung war Grundlage des Promotionsverfahrens. Die „elektronisch eingereichte Dissertation“ ist die der Papierfassung beigefügte CD mit der Textdatei. Sie darf von der Papierfassung schon deshalb nicht abweichen, weil sie der Überprüfung auf Plagiate dient. Die Papierfassung wiederum unterscheidet sich, soweit dies festzustellen war, inhaltlich nicht von der Fassung, die Vroniplag auf Plagiate überprüft hat.

    Im übrigen sprechen Sie da wichtige Fragen an. Nur ist gerade der Fall Schubert ungeeignet, um die beklagenswerte Situation von Doktoranden anschaulich zu machen, die in einer miesen Betreuungs- und Lebenssituation Fehler machen: Die gibt es, aber bei Schubert liegt der Fall doch anders. Sein Arbeitgeber bezahlt ihm die teure Teilnahme am EIPOS-Seminar in Dresden, eine Kleinigkeit von 24.000 Euro, damit er in Bratislava promoviert wird. Er verdankt dieser Promotion dann auch gleich einen Karriereschub. Für seinen Doktortitel schreibt er alles mögliche aus anderen Arbeiten zusammen und gibt es für seine eigene Leistung aus. Schon die ersten anderthalb Seiten der Einleitung sind fast vollständig abgekupfert, die dritte Seite auch … und die Seite 8, einschließlich der umfangreichen Fußnoten … und so weiter und so weiter. Du lieber Himmel, diese Seite 8: Sehen so etwa „Fehler“ aus??

    Natürlich ist er nicht vernünftig betreut worden. Vernünftige Betreuung ist aber auch gar nicht Gegenstand dieses Geschäftsmodells, bei dem pauschal 10.000 Euro an eine Universität in der Slowakei fließen, damit diese Universität irgendwelchen Leuten eine Urkunde druckt und einen Papierhut aufsetzt. Das Geschäftsmodell kann man natürlich nicht Schubert anlasten. Aber dass die Seite 8 in erster Linie ein Betreuungsproblem abbildet, muss man bezweifeln.

    Der „Pranger“ ist ein Problem. Wenn es tatsächlich hausinterne Querelen sind, die ihn dahin gebracht haben, ist das noch ein Problem. {Diese Querelen haben wir uns mal ein wenig angesehen: Ohgottogott. Glücklicherweise nicht unser Thema.} Aber soll man nicht auf das verzweigte System der Titelschieberei zeigen, weil das auch die Kunden und Profiteure dieses Systems bloßstellt? Der Schaden, den die Titelmühlen mit ihrer Produktion von lauter schönem Schein anrichten, besteht ja auch in der Vervielfältigung von unredlicher Scheinwissenschaft. Und Schubert macht es wie die meisten, nur besonders ungeschickt: Seine immer neuen Winkelzüge {sind es etwa keine?} lassen ihn nicht redlicher erscheinen als seine plumpe Abschreiberei. Kriminell macht ihn das nicht, bösartig auch nicht. Und ein gesellschaftlicher Versager ist der Leiter der Caritas Hannover nun schon gar nicht. In diesem Punkt war ihm ja auch sein Doktortitel aus Bratislava sehr hilfreich, und der bleibt ihm ja auch erhalten. -red.]

  10. Sehr geehrte Readaktion, Sie haben sehr ausführlich geantwortet, Ihre Argumentation leuchtet mir in vielen Punkten ein. In einigen Punkten teile ich Ihre Einschätzung und sehe auch die Notwendigkeit die Öffentlichkeit geeignet zu informieren. Nicht aufgelöst haben Sie jedoch die Fragestellung wie diese Fehler und plumpe Abschreiberei in diesem Fall bei der Plagiatsprüfung durchgegangen sind. Das eine Plagiatsprüfung in der Slowakei zwingend durchgeführt werden musste beschreibt u.a ein Kommentar auf Vroniplag aus dem Jahr 2013. Das Verfahren ist in der Slowakei per Gesetz geregelt. Nicht wenige Quellen und Fragmente der Dokumentation sind online und Großflächig, hätten also problemlos identifiziert werden können.

    Dieser Aspekt wird völlig vernachlässigt und wird nach meiner Auffassung nicht hinreichend gewürdigt. Ich füge mal den Ausschnitt aus der Diskussion an:
    ——-
    „Einen Aspekt möchte ich noch nennen: Vroniplag ist ja die Antwort von Wissenschaftlern auf Qualitätsdefizite bei wissenschaftlichen Arbeiten. Interessant ist, dass an meiner slowakischen Uni bereits vor über 10 Jahren im Vorfeld des RNDr.-Rigorosum eine Plagiatsprüfung stattfand. Die Durchführung erfolgte nicht vom Lehrstuhl, sondern von einer separaten Abteilung an der Uni. So etwas gibt es bis heute an meiner deutschen Uni nicht. Vroniplag finde ich sehr gut, aber ist eine solche Qualitätssicherung nicht Aufgabe der Universitäten?
    Noch eine Bitte: Die Diskussion um ausländische Grade driftet etwas ab. Der Ruf des deutschen Doktorgrads ist m.E. bereits beschädigt. Dies wird nicht besser, wenn nun ein Bashing ausländischer Grade erfolgt, zumal die das Qualitätsniveau dort oft höher ist wie hier (siehe z.B. Qualitätssicherung). 217.84.3.112 10:40, 19. Jul. 2013 (UTC)“—-Ende.
    ——-

    Auch wissen wir nicht wer das Studium wirklich bezahlt hat. Nicht wenige Kunden von Eipos waren Selbstzahler. Gibt es einen Beleg das der Arbeigeber wirklich die Gebühren übernommen hat und Herr Schubert sich auf Kosten seines Arbeigebers und völlig sorgenfrei seiner “ Abschreiberei „widmen konnte. Unabhängig davon, uns fehlt die Tradition berufsbegleitender Promotionsprogramme für Praktiker (akademische Wiedereinsteiger) an den staatlichen Unis. Wenn es hier ein Angebot gäbe hätten die Titelmacher schlechtere Karten.

    Persönlich wurde mir a.a.O berichtet das Herr Dr. Schubert ein sehr freundlicher Mensch sein soll, der menschlich und fachlich sehr fair aber konsequent aufgestellt sein soll und einen maroden Verband gut aufgestellt haben soll, ohne Entlassungen und Gehaltseinbussen bei den MA. Bei den MA und dem Aufsichtsrat soll er aus diesem Grund wohl einen sehr guten Ruf geniessen und in H ist er nach wie vor sehr gut positioniert. Na ja, die er rausgeschmissen hat -aus den a.a.O dargestellten Gründen- sehen das wohl anders und haben sich mit Herrn Heidingsfelder unterhalten, der dann wiederum Vroniplag.wiki ins Spiel gebracht hat usw. (Quelle ein HAZ Redakteur, s.a Artikel HAZ). Ich bleibe dabei – die Zweifel überwiegen und sind es Wert in den Blick genommen zu werden. Der Fall ist komplexer und nicht so eindeutig wie es sich vielleicht aufdrängen könnte. GuteN8.

    [Zu den Hauptpunkten: Wir wissen natürlich nicht, warum die Plagiatsprüfung in diesem Fall versagt hat, vermuten aber: Aus genau denselben Gründen, aus denen sie anderswo auch versagt. Nehmen wir treuherzig an, dass eine vorgeschriebene Prüfung auch durchgeführt wird, weil sie ja nun mal vorgeschrieben ist: Wenn Sie bei Vroniplag beteiligt waren, wissen Sie ja, dass sich eine Plagiatsprüfung nicht von selbst erledigt und nur so gut ist wie die Leute, die sie durchführen. – Um „Bashing ausländischer Grade“ geht es hier eigentlich nicht, sondern um ein grenzüberschreitend funktionierendes Geschäftsmodell. – Sicher gab es unter den EIPOS-Kunden auch Selbstzahler, aber Schubert gehörte nicht dazu. Dass sein Doktorgrad (Kostenpunkt: 24.000 Euro) vom damaligen Arbeitgeber finanziert wurde, ist unstreitig. – Zu Ihren Informationen aus dem Umfeld der Hannover Caritas: „Der Fall ist komplexer und nicht so eindeutig wie es sich vielleicht aufdrängen könnte“, das ist wohl wahr und gilt besonders für den Fall des Mitarbeiters K., um den es hier wohl geht. Er ging damals vor’s Arbeitsgericht und durch die Presse, weshalb man den „a.a.O. dargestellten Gründen“ nicht blind vertrauen muss und sich sein eigenes buntes Bild von den damaligen Verhältnissen bei der Caritas Hannover machen kann. Mit dem Plagiatsfall Schubert hat das allerdings nicht direkt zu tun, weshalb wir es hier dabei belassen können. -red.]

  11. Nachtrag: Im Artikel von Frau Schwerdtfeger bei Vroniplag.wiki führt der Promotionsberater zur beruflichen Stellung und späteren Karriere im Jahr 2010 aus, zumindest wird er zitiert. Nach meinen Recherchen decken sich diese Angaben nicht mit dem Lebenslauf und den im Netz dokumentierten beruflichen Stationen.

    [Die offizielle Verlautbarung der Caritas zum Vorstandswechsel Anfang 2012 ist sicher eine bessere Quelle als die Eigenwerbung des Promotionsberaters Dr. Beithe. Das Geschäftsmodell von Leuten wie Beithe und Einrichtungen wie AES/EIPOS funktioniert allerdings genau so: Mitarbeiter, die sich einen größeren Bonus verdient haben und/oder mit denen man noch etwas vorhat, bekommen als karrierefördernde Maßnahme den Doktor spendiert. Der Arbeitgeber {im Fall Schubert war das damals noch nicht die Caritas} übernimmt solche Kosten, weil er sie als Betriebskosten steuermindernd geltend machen kann. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Arbeitnehmer anschließend in der Firma besser eingesetzt werden kann. Nur dann bleibt die vom Arbeitgeber spendierte Karriereförderung auch für den Arbeitnehmer steuerfrei. Damit ist die Höhergruppierung aber praktisch schon vorprogrammiert. Auch im Fall Schubert hat dieses Programm zur steuermindernden Karriereförderung für alle Beteiligten wunschgemäß funktioniert. Indirekt lassen sich Beithe und ihresgleichen ihren lukrativen Geschäftszweig also von der Allgemeinheit mitfinanzieren. -red.]

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