Adenauer-Stiftung: Kein roter Teppich für Schavan

Annette Schavan vor der Konrad-Adenauer-StiftungEs sollte ein Selbstläufer werden, eingefädelt in bewährter Manier: „Unter Berufung auf Parteikreise“ war vor einem Monat in den Medien berichtet worden, dass Annette Schavan im kommenden Frühjahr die Leitung der Konrad-Adenauer-Stiftung übernehmen solle. Das Angebot sei ihr „aus Reihen der CDU“ gemacht worden. Es war Dieter Wonka, der diese frohe Botschaft verbreiten durfte, RND-Chefkorrespondent und zu diesem Zeitpunkt zufällig gerade in Rom in der Residenz der frohen Botschafterin aufhältig. Nachdem die Nachricht erst einmal in der Welt war, würde in Reihen der CDU wohl kaum etwas anderes übrig bleiben, als die erstrebte Stiftungsleitung auch zur Tatsache werden zu lassen.

Doch diesmal scheint die Sache nicht so glatt zu gehen wie gewohnt. In der Konrad-Adenauer-Stiftung regt sich erheblicher Widerstand. Und es sind nicht nur Stipendiaten, die daran erinnern, dass Schavan den Doktorgrad wegen Plagiaten in ihrer Dissertation verloren hat und daher als oberste Verantwortliche einer Einrichtung zur Promotionsförderung nicht in Betracht kommen kann. Es ist auch nicht nur Norbert Lammert, der nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag sich selbst erklärtermaßen für den besseren künftigen Stiftungsvorsitzenden hält. Auch der bisherige Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung, Hans-Gert Pöttering, hat sich überraschend deutlich positioniert: Ehe Schavan seinen Stuhl übernehme, stehe er zur Kandidatur für eine weitere Amtszeit bereit. Einem Nachfolger Lammert würde Pöttering den Weg dagegen gerne freigeben.

Im Fall einer Kampfabstimmung hätte Pöttering als Amtsinhaber sicherlich eine starke Ausgangsposition, und auch Lammert könnte immerhin als bereits amtierendes Vorstandsmitglied antreten. Für Schavan könnte sich allerdings die große, in den letzten Jahren ständig weiter gewachsene Zahl von Unterstützern im Hause auszahlen. Zu ihnen zählt im engeren KAS-Vorstand zweifellos Michael Thielen, Ehemann der langjährigen Schavan-Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen, als Generalsekretär der Stiftung allerdings ohne Stimmrecht in der Mitgliederversammlung. Hier fände eine Kandidatur von Schavan sicher Fürsprecher in Angela Merkel, in Schavans Neusser Weggefährten Hermann Gröhe, in Tanja Gönner, deren besondere Verbundenheit mit Schavan in der Ära des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus eine unselige Rolle spielte, wohl auch in Volker Kauder, und ganz gewiss in der mehr oder weniger amtierenden Wissenschaftsministerin Johanna Wanka.

Sollte sich Schavan Anfang Dezember zur Wahl stellen – und gegenwärtig scheint sie dieser Peinlichkeit und der daraus resultierenden Dauerpeinlichkeit kommender Jahre noch nicht ausweichen zu wollen -, dann wäre eine Diskussion über die künftige Rolle der Begabtenförderung im Hause Konrad Adenauer vorprogrammiert. Gerade diese Abteilung der Stiftung dürfte gegen eine Kandidatin Schavan freilich wenig einzuwenden haben: Leiterin der Begabtenförderung ist Susanna Schmidt, die einst schon im Cusanuswerk unter dessen damaliger Leiterin Schavan als Referentin tätig war, 2006 von der inzwischen zur Bundesministerin Aufgestiegenen als Leiterin der Strategieplanung ins Wissenschaftsministerium geholt wurde und diese Position bis 2014 bekleidet hat.

Doch auch Norbert Lammert scheint gegenwärtig nicht gesonnen, von seinen Plänen abzulassen. Den Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung ist bislang noch nicht aufgefallen, dass auch seine Doktorarbeit Anlass zu ernsten Fragen gibt. Und wir wären nicht in der Bildungsrepublik Deutschland, wenn eine Kampfkandidatur zwischen Schavan und Lammert um die Leitung einer Stiftung, die sich die Förderung begabter Promovenden auf die Fahnen geschrieben hat, irgendwo Gelächter hervorrufen würde.

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36 Antworten zu “Adenauer-Stiftung: Kein roter Teppich für Schavan

  1. Dr. Bernd Dammann

    Zu der Bemerkung unserer sehr geschätzten Simone G., Prof. Dr. Norbert Lammert sei „bereits amtierendes Vorstandsmitglied“ der KAS, ist ergänzend, genauer und nicht ganz unwichtig hinzuzufügen, dass er in eben diesem Vorstand schon „seit März 2001 stellvertretender Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung“ ist.

  2. Conrad Ad Nauer

    Persönlich sehe ich der erfolgreichen Wahl einer Dr. A. Schavan oder eines Dr. N. Lammert mit großer Freude entgegen. Wird damit endlich auf der Verpackung der Stiftung korrekt der Inhalt dargestellt, ganz im Sinne des Verbraucherschutzes. Solche ewig gestrige Stipendiaten, die glauben, dass für eine Promotion mehr als nur ein durcheinander geratener Satz von Disketten (oder der Höhe der Zeit entsprechend die in der Cloud in Unordnung geratenen Dateien) erforderlich ist, werden sich entweder anpassen oder gefälligst eine andere Institution suchen müssen. Damit kann die Stiftung endlich so arbeiten, wie es politisch nötig ist: als Promotions-Durchlauferhitzer.

  3. Hier fehlt mir jetzt aber etwas der Hintergrund. Simone G. nicht mehr in „Littauen“? Hatte sich die Redaktion nicht gerade erst noch scharf von ihr distanziert? Zweifel an ihrem Geisteszustand geäußert? Und jetzt schreibt sie hier einfach wieder? Darf die das?
    Die Causa-Schavan-Gemeinde erwartet Aufklärung über jüngste Vorgänge in diesem Blog, die diese überraschende Wendung erklären könnten!

  4. Dr. Bernd Dammann

    Kleiner Hinweis: spannender und weiterführender Artikel im ‚Tagesspiegel‘ vom 8. November 2017: „Annette Schavan will Vorsitz trotz Promotionsbetrug. Gerangel bei der Konrad-Adenauer-Stiftung“

    [In der Tat eine spannende Weiterführung, mit interessanten Einblicken, wie zuverlässig diese Kandidatin von ihrer allseits gepriesenen Zurückhaltung und Bescheidenheit gesteuert wird: „Ihr Job als deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl läuft demnächst aus. Und die 62-Jährige setzt, wie man hört, seit Monaten alle Hebel in Bewegung, um bei der CDU-nahen Stiftung das Sagen zu bekommen. Sie bedrängt Parteifreunde und vor allem -freundinnen mit Anrufen, bearbeitet sie mit dem Argument, dass bei dem Verein endlich mal eine Frau an die Spitze müsse – und streut angeblich auch das Gerücht, bereits eine Zusage der Kanzlerin zu haben.“]

  5. Gerade noch rechtzeitig vor der Entscheidung in der Konrad-Adenauer-Stiftung erhält Annette Schavan die ultimative Bestätigung ihrer hohen Qualifikation: Am 12. November wird sie in Bodnegg mit dem goldenen Schwarzwurstorden ausgezeichnet.

    • Dr. Bernd Dammann

      Ein CDU-Selbstbelobigungskartell

      Als Laudatorin zur Verleihung des goldenen Schwarzwurstordens an Frau Annette Schavan wird die CDU-Berufspolitikerin Annette (sic) Widmann-Mauz (Jg. 1966) angekündigt. „Nach dem Abitur am Gymnasium Balingen studierte Annette Widmann-Mauz acht Jahre lang Politik- und Rechtswissenschaften an der Eberhard Karls Universität Tübingen, machte aber keinen Abschluss.“ 2015 wurde sie zur Bundesvorsitzenden der CDU-Frauen Union gewählt. (siehe: Wikipedia-Eintrag) – Aha: „Wir kennen uns, wir helfen uns!“

      [In der Tat zeigt die Liste der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger und ihrer Laudatorinnen und Laudatoren, dass es bei diesem Orden stets um die Wurst ging. -red.]

  6. KAS-Stipendiat Zenthöfer: „Zum anderen wird im politischen Raum der christdemokratischen Bewegung seit jeher top-down entschieden, was ich grundsätzlich für richtig halte.“
    Bewegung, ehrlich? Die Christdemokratie ist eine Bewegung?
    Aber vielleicht soll das nur ablenken vom „top-down“. Er meint wahrscheinlich eine „top-down-Bewegung“. So wie Verdauung.

  7. „Zum Kern einer christlichen Existenz gehört der Widerspruch gegenüber jeder Verurteilung des Menschen zum endgültigen Scheitern.
    Es ist nicht schon diese und jene Aktivität, die uns auszeichnet und die das Proprium eines christlichen Ethos ausmacht. Es ist die Botschaft von Karfreitag bis Ostern, die Christen und Christinnen in ihrem Verhältnis zu Gott und dem Menschen prägt. […] Der Grund christlicher Hoffnung ist die Befreiung zu einem Leben gegen reine Selbstbehauptung. Leben und Lebenserfüllung sind dann nicht mehr das Resultat von Konkurrenz und Eigennützigkeit.“
    Annette Schavan, Der Geist weht, wo er will. 2002, S.7.

  8. Vorschlag: Schavan wird jedes Jahr von Karfreitag bis Ostern KAS-Chefin. Lammert leitet die Stiftung immer vom 11.11. bis Aschermittwoch, und Pöttering nennt ist den Rest des Jahres Vorsitzender. Leben und Wunscherfüllung sind dann nicht mehr das Resultat von Konkurrenz und Eigennützigkeit.

    In other news:
    Der „CDU-Mahtkampf“ um den Vorsitz der KAS wird jetzt vom Welt-„Reporter aus dem Inneren der Macht“ Robin Alexander zur Schicksalsfrage der Kanzlerin erklärt. Auch wenn ich daran nicht glaube, hätte es doch eine gewisse Ironie, wenn Merkel Schavan in der KAS durchboxt („nicht als wissenschaftliche Assistentin, sondern als Vorsitzende“) und sich daraufhin die empörten Altstipendiaten der innerparteilichen Opposition gegen Merkel anschließen. Das führt dann über kurz oder lang zu ihrem Sturz. Es übernimmt – natürlich – Uschi von der Leyen, lupenreine Doktorin der Frauenheilkunde, die ja auch nicht als wissenschaftliche Assistentin, sondern als Kanzlerin antreten möchte.
    Was lernen wir daraus: Am Doktortitel erkennt man weniger die Befähigung zu selbständigem Denken, sondern eher den Ehrgeiz, den jemand mitbringt, und seine persönliche Überzeugung, zu Höherem berufen zu sein.

  9. RP: „Aus Schavans Umfeld heißt es aber [und da kennt sich die RP aus], sie sei in Rom zufrieden und habe eine Vertragsverlängerung bis Sommer 2018 als Botschafterin im Vatikan bekommen.“

  10. Pingback: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ | Erbloggtes

  11. „Annette Schavan, Der Geist weht, wo er will. 2002.“ Das ist eben nicht nur ein christliches Problem, dass der Geist nicht immer so weht, wo/wie er soll.

  12. Dr. Bernd Dammann

    „Schavan will Vorsitz der Adenauer-Stiftung nicht“ – meldet die ‚Schwäbische Zeitung‘ am 11. November 2017

    „Berlin: Annette Schavan will nicht Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung werden. „Für den Vorsitz der Konrad-Adenauer-Stiftung stehe ich nicht zur Verfügung“, sagte Schavan der Schwäbischen Zeitung.

    http://www.schwaebische.de/politik/inland_artikel,-Schavan-will-Vorsitz-der-Adenauer-Stiftung-nicht-_arid,10768032.html

    „Meine Aufgaben als Botschafterin beim Heiligen Stuhl nehme ich gerne und mit Freude wahr. Deshalb bin ich auch nicht auf der Suche nach anderen Tätigkeiten.“ (beteuert die Rheinländerin Schavan, für die seit heute, also am 11.11. ab 11.11 Uhr, die närrische Zeit begonnen hat).

    „Annette Schavan will den Machtkampf um die Spitze der Adenauer-Stiftung nicht weiter kommentieren“, heißt es dazu in dieser Eilmeldung lapidar weiter.
    Dann war das also alles nur ein riesengroßes Missverständnis eines sensationsgeilen Journalisten auf der Jagd nach einer schlagzeilenträchtigen Neuigkeit, der diese närrischen Enten in die Welt gesetzt hat?

  13. Spiegel Online erklärt den Machtkampf ebenfalls nun für beendet und erklärt den Weg für Lammert frei: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schavan-will-nicht-vorsitzende-der-adenauer-stiftung-werden-a-1177600.html

    • Aber es gab doch gar keinen Machtkampf. Und Schavan hatte doch auch gar kein Interesse an diesem Vorsitz. Und all diese Telefonate in den letzten Monaten, das waren nur Verbindungsfehler, die ihr aber nicht peinlich sind. Und in ihrem ganzen Leben hat sie auch jetzt wieder noch niemals getäuscht.

  14. Dr. Bernd Dammann

    Bei ‚Jamaika‘ treffen wir Sie wieder !

    Die Messe scheint gelesen. Der öffentlich artikulierte Widerstand aus allen Ecken und Lagern gegen die zunächst nur heimlich favorisierte Kandidatin Schavan als neue Vorsitzende der KAS war wohl doch wider Erwarten viel zu groß und drohte, sich zu einem Sturm der Entrüstung auszuweiten, der schließlich auch ‚Mutti‘ hätte – schneller als vorauszusehen – aus dem Amt fegen können. Der sich innerparteilich nur sehr schwerfällig formierende Widerstand gegen die eigene Frontfrau im Kanzleramt hatte ganz plötzlich ein völlig unerwartetes Ventil, um den seit langem aufgestauten Frust und Unmut gegenüber dem Merkel-Clan und dessen ‚Vetternwirtschaft‘ (Ämterpatronage) zu artikulieren.

    Versaubeutelt hat der Parteivorsitzenden diesen handstreichartig geplanten Coup, Frau Schavan ‚top down‘ zur Vorsitzenden der KAS küren zu lassen, allerdings wohl zuerst und vor allem die begünstigte ’schwarze Witwe‘ selbst. Deren von ungezügeltem Geltungsdrang gespeiste Geschwätzigkeit, ihre weitere Karriereplanung, und zwar als Rückkehr in die deutsche Tagespolitik durch die Hintertür, zur Unzeit hinauszuposaunen (was sie jetzt in Abrede stellt). hat diese Absicht erst einmal gründlich vermasselt.

    Unsere Verfassung macht Vorgaben und setzt Maßstäbe für die zivilgesellschaftlichen Gepflogenheiten und Praktiken im Rahmen demokratischer Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse ebenso wie für den politischen Umgang mit dem gemeinen Wahlvolk in Deutschland. Ob die beiden Damen aus diesem Debakel eingedenk ihrer gestörten Ausdeutung und Anwendung dieser Vorgaben noch etwas lernen, erscheint mir leider höchst zweifelhaft. Bei ‚Jamaika‘ treffen wir sie wieder. Oder?

  15. Dr. Bernd Dammann

    Abschied von Illusionen und Träumen – Plan B
    Frau Schavan muss nun zunächst einmal kleinere Brötchen backen. Denn inzwischen steht fest: die CDU-Parteivorsitzende unterstützt unter dem Eindruck der Palastrevolte zahlreicher KAS-Stipendiaten gegen ihre Ambitionen jetzt die Kandidatur des Ex-Bundestagspräsidenten Norbert Lammert.
    Aber damit nicht genug. Nun ist vorerst auch noch ihre Luftbuchung als blinder Passagier auf der Reise nach Jamaika bis auf weiteres gecancelt. Das zwingt zur (vorläufigen) Neuausrichtung auch der eigenen Lebensplanung.
    Und so wird das dann der interessierten Öffentlichkeit präsentiert: „Seit Juli 2014 ist Annette Schavan deutsche Botschafterin beim Vatikan. ….. was sie nach ihrer Zeit in Rom macht, erläutert sie im Interview.“ – domradio.de: 21. November 2017:
    https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2017-11-21/schavan-ueber-ihre-zukunft-rom-und-die-paepste
    „KNA(Katholische Nachrichten-Agentur Bonn): Sie bleiben länger in Rom? Schavan: Ich werde bis zum Sommer nächsten Jahres hier sein, dann sind vier Jahre rum.
    KNA: Was machen Sie dann? Schavan: Wie sagt der Italiener: Vediamo – schauen wir mal …
    KNA: Es gab in den vergangenen Wochen die Debatte um Ihren möglichen Vorsitz bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ist dieses Kapitel für Sie abgeschlossen? Schavan: Das ist für mich definitiv abgeschlossen. Ja.
    KNA: Bis zum Sommer überlegen Sie, was Sie stattdessen machen? Schavan: Ich habe schon jetzt viele ehrenamtliche Aufgaben, etwa in verschiedenen Stiftungen wie der Ökumenischen Stiftung «Bibel und Kultur, die ich wieder wahrnehmen kann, wenn ich nach Deutschland zurückkehre. Daneben bin ich Gastprofessorin an einer Universität in Shanghai. Ich freue mich darauf, wieder mehr Zeit für diese Aufgaben in Deutschland und China zu haben.“

  16. Dr. Bernd Dammann

    „Kein roter Teppich für Schavan“

    überschrieb Simone G. am 5. November 2017 vorausschauend und hellsichtig ihren für Außenstehende verstörenden Beitrag, der über den drohenden Bruch von gängigen Konventionen im Partei-Establishment der CDU berichtete. – Nun ist es Fakt.

    „Mitgliederversammlung wählt Norbert Lammert zum Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung. Hermann Gröhe wird neuer stellvertretender Vorsitzender“ wird der interessierten Öffentlichkeit in einer Pressemitteilung der KASS vom 1. Dezember 2012 vermeldet: http://www.kas.de/wf/de/33.50896/

    Sichtlich verschnupft über diese Entwicklung bemerkt Christoph Scholz von der KNA Bonn: „Doch hatte sich auch die deutsche Vatikanbotschafterin Annette Schavan Hoffnung auf die Nachfolge von Hans-Gert Pöttering gemacht.“ – Entsprechend distanziert und spürbar missgelaunt fällt dann auch seine Würdigung des neu ins Amt gewählten KAS-Vorsitzenden aus:
    https://www.domradio.de/themen/kirche-und-politik/2017-12-02/lammert-uebernimmt-vorsitz-der-konrad-adenauer-stiftung

    Der römisch-katholische Haussegen des Hl.Stuhls, den Frau Schavan der CDU/CSU auf Dauer versprach, hängt nun sichtlich schief in der innerparteilich erfolgsverwöhnten Welt des christdemokratischen Merkel-Clans.

  17. Emil von Bimshausen

    Ich selber bin ehemaliger Stipendiat von KAS und später Cusanuswerk (Promotionsförderung). Seit der Schavan-Affäre um ihre Dr.-Arbeit haben sich meine Zweifel an dem herrschenden Elitebegriff nur noch verstärkt. Wer und was sind diese selbsternannten „Eliten“ denn? Dass Frau Schavan, nun formal ohne jeglichen Hochschulabschluiss, auf die Botschafter-Stelle im Vatikan wechseln konnte, riecht weniger nach Leistung und wahrhaftiger Elite, sondern eher nach Vitamin B. Wundern würde ich mich nicht mehr, denn dass im deutschen Wissenschaftsbetrieb vieles im Argen liegt, ist ja schon bekannt. Ich habe da nie mitgemacht, sondern habe meinen Weg im Ausland in unterentwickelten Ländern gemacht. Jetzt im Ruhestand kann ich immerhin noch jeden Morgen in den Spiegel schauen, ohne rot zu werden. Manche dieser selbsternannten „Eliten“ kriegen aus reiner Eitelkeit einfach den Hals nicht voll. Wie armselig ist das denn?!

    • Dr. Bernd Dammann

      Zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung

      Ich habe den Eindruck, werter Herr Emil von Bimshausen, dass Sie die von Ihnen bemühten Begriffe noch zu unscharf verwenden. Ihre berechtigte, um nicht zu sagen vernichtende Kritik richtet sich doch – eingedenk der von Ihnen angesprochenen Gesichtspunkte – zuerst und vor allem gegen wahrscheinlich große Teile der sog. herrschenden ‚politischen Klasse‘, in der sich deren Führungsfiguren in ihrer abgehobenen und wirklichkeitsfernen Selbstwahrnehmung fast ausschließlich nur selbst noch als Teil einer „gesellschaftlichen Elite“ einzustufen und dieser fälschlich zuzurechnen pflegen.

      In der Fremdwahrnehmung durch Dritte (Wissenschaft, Publizistik, Intelligenz, Wahlvolk u.a.) wird von solchen Politikern in vielen Einzelfällen dagegen ein ganz anderes Bild entworfen. Am Beispiel der Katholikin und selbsternannten „Moraltheologin“ Schavan und deren Unterstützerkreis wird doch offenkundig und deutlich, dass diesem sich ‚elitär‘ wähnenden politischen Personal über weite Strecken das Unrechtsbewusstsein ihres eigenen Tuns fehlt, das Voraussetzung dafür wäre, rot zu werden, wenn sie in den Spiegel schauen. Das aber können sie eingedenk eines schleichend fortschreitenden gesamtgesellschaftlichen Sittenverfalls eben nicht mehr, wenn sie morgens in den Spiegel schauen. Vom Gegenteil auszugehen, wäre wahrlich zu viel der Ehre!

    • Lieber Emil, vor so rund dreißig Jahren war der Begriff „Elite“ in Deutschland noch klar definiert: es war eine Marke des Kaufhofs. Ein Schelm, wer nun an Käuflichkeit denkt.

  18. Jahresrückblick: Drama um Schavan

    Im kommenden Frühjahr wäre Schavan aus dem Amt als Botschafterin still und leise in den komfortablen Ruhestand gewechselt, die Erinnerung an ihre Plagiatsaffäre wäre weiter verblasst, die sorgfältig gestreuten Zweifel an der Richtigkeit des Verfahrens wären geblieben. Doch Schavan wollte noch einmal mehr: Die volle Rehabilitierung durch Übernahme einer Machtposition im Überschneidungsbereich von Politik und Wissenschaft. Aber am Ende waren der Füchsin die Trauben zu sauer. Durch ihr misslungenes Manöver hat sie den Skandal um ihre Doktorarbeit wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, ohne diesmal beflissene Fürsprecher aus Politik und Wissenschaft an ihrer Seite zu haben. Im Ergebnis wurde das Plagiat 2017 auch in der Berichterstattung der Medien zur unstrittigen Tatsache.

    Was für ein furchtbares Jahr das für Schavan gewesen ist, zeigt auch der Blick in die Presse zur Weihnachtszeit. Statt dem gewohnten großen Besinnungsaufsatz aus ihrer Feder gab es diesmal nur einen kleinen Artikel in der Lokalpresse: Der Schuster in Ehingen, von dem sie ihre Einlagen bekommt, macht seinen Laden zu. Auch das noch! Wirklich kein gutes Jahr.

  19. Dr. Bernd Dammann

    „Jahresrückblick 2017: Drama um Schavan“ – Teil 2. Eine ganz persönliche Zwischenbilanz zum schadenfrohen Abgesang von ‚C fix‘ auf eine literarische Kunstfigur, zugleich aber auch real existierende Karikatur im wirklichen politischen Leben der BRD

    In der Literatur bestimmt der/die jeweilige Autor/in, so scheint es, über die von ihm//ihr kreierte und mehr oder weniger gekonnte erzählerische Entwicklung und Ausgestaltung seiner/ihrer mit Leben erfüllten Figuren wie auch über die Art und Dauer ihres Wirkens und Fortlebens und deren schließlich wie auch immer geartetes schicksalhaftes Ende – allerdings letztendlich und regelmäßig ziemlich willkürlich. Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft als Bemessungsgrundlage literarisch-fiktionaler Erzählungen ergeben sich deswegen gerade zuerst und vor allem aus der wirklichkeitsnahen sprachlichen Entfaltung und in sich schlüssigen Darstellung des jeweiligen Spannungsverhältnisses von autonomen Handlungsspielräumen und gesellschaftlich induzierten Zwängen, in dem sich die Lebensführung und das Entscheidungshandeln solcher literarisch-fiktional, in unserem Fall satirisch verdichteten Figuren aus dem nachgeahmten wirklichen (und auch politischen) Leben vollziehen.

    Im wirklichen Leben ist das also meist nicht anders als in Romanen von besonderer Güte. Trotz Zufällen, Fügungen und Rückschlägen in der Lebensführung, die vielleicht auch den unergründlichen Ratschlüssen einer höheren Gewalt geschuldet sein können, gilt deren Schöpfern und Autoren immer noch, und zwar als eine Errungenschaft der Menschheitsgeschichte und wenigstens in den hochindustrialisierten Zivilgesellschaften unserer Zeit, der vernunftbegabte und von seinem Verstand angeleitete Mensch für die Folgewirkungen und Resultate seiner Lebensführung als haupt-, zumindest aber als in entscheidender Weise mitverantwortlich. Hier wird das Individuum im Rahmen vorgegebener sozialer, politischer, ökonomischer und kultureller Rahmenbedingungen, Bandbreiten und Handlungszwänge gleichwohl meist und noch immer als subjektiver Gestalter und damit immerhin maßgeblicher „Mitautor“ seiner ureigenen individuellen Lebensgeschichte vorgeführt, in die es eigenverantwortlich verwickelt ist und auch schuldhaft verstrickt sein kann.

    Arno Schmidt (1914-1979), exzentrischer Schriftsteller und gewollter gesellschaftlicher Außenseiter auch im Literaturbetrieb der längst vergangenen alten BRD, brachte dieses Wechselspiel und Beziehungsverhältnis aus der Perspektive seines Verständnisses von Literatur ebenso prägnant wie irritierend auf den Punkt:
    „Die ‚Wirkliche Welt“?: ist, in Wahrheit, nur die Karikatur unsrer Großn Romane!“ (in: „Die Schule der Atheisten“)

    Die literarische Erscheinungsform und Funktion der ‚Realsatire‘ als Zwischending und Scharnier zwischen Leben und Literatur bzw. Wirklichkeit und Fiktion scheint Arno Schmidt dabei allerdings eher nicht im Blick gehabt und bedacht zu haben. Denn unter „Realsatire“ versteht man gemeinhin im allgemeinen Sprachgebrauch die literarische Darstellung und Kennzeichnung von Verhältnissen, Verhaltensweisen und Vorgängen im wirklichen Leben,
    die so absurd erscheinen, „dass selbst ihre nüchterne Beschreibung bereits Züge einer Satire trägt“ und auf die, so ist hinzuzufügen, Schriftsteller in der Regel von sich aus überhaupt nicht gekommen wären.

    Dieser besonders spannungsreichen Konstellation widmen sich Simone G., ‚die geistige Mutter der Kompanie‘, und die ihr zugehörende Redaktion unter der ideenreichen Assistenz der gelegentlich recht eigenwilligen und manchmal sogar ziemlich widerborstigen ‚Mandy von der Grafik‘ durchweg mit großer Bravour.

    Dem beharrlichen, ungeschminkten wie auch überragend kreativen und wendungsreichen, zugleich auch sprachlich-darstellerisch souveränen realsatirischen Umgang mit der zum Generalthema gemachten Hauptfigur verdankt dieser Blog nun seit mehr als 5 Jahren folgerichtig seinen breit gestreuten, aber auch gefürchteten Ruf und selbst von vehementen Kritikern schlussendlich unbestrittenen Ruhm. – Auch das sollte Teil einer Erfolgsbilanz sein, die sich anlässlich eines ‚Jahresrückblicks um das Drama Schavan im Jahr 2017‘ zu schreiben wirklich lohnt.

  20. Offenbar vertraute A.S. auf ihr besonderes Geschick im Umgang mit dem Stoff, was sich nicht nur im Intellektuellen sondern auch an ihrer Kleiderwahl zeigt (siehe o.a.Bild) – und dieses Vertrauen schien ja nahezu ein Leben lang zu halten, wenngleich sie ja implizit gewusst hat, dass sie bloß auf das katholische Milieu vertraute und weniger auf ihre tatsächliche intellektuelle Kraft vertrauen konnte. Und das war schon ein Webfehler, denn als Frau ist man eben nie wirklich in diesem katholischen Milieu, ganz gleich wie geschickt eine sich anstellt.
    Dennoch hat sie es weit bringen können. Wie schmerzlich muss es dann für sie gewesen sein – von so hoher Höhe auf den harten Boden ihrer Tatsachen gestoßen zu werden – hatte sie doch gänzlich vergessen, weil ja so überaus geschickt im Text durch sie verwoben, dass sie es selbst nicht mehr gefunden hätte, wenn es diese Technik nicht ans Licht gebracht hätte. Und sie glaubt es auch bis heute nicht.
    Vielleicht ist dies zur damaligen Zeit die weibliche Art einer wissenschaftlichen Arbeit gewesen: aus Textfragmenten oder -fetzen wird ein Quilt genäht. Es lassen sich die Fragmente noch erkennen und warum sollte man sie kenntlich machen, wenn man sie doch erkennen kann? – aber aus den vielen Fragmenten ist doch etwas eigenes neues entstanden, was die Lücke einer notwendigen Qualifikation hervorragend ersetzen konnte. Wäre sie bei Cusanus geblieben, kein Hahn hätte nach ihr und ihrer Arbeit gekräht.

  21. Dr. Bernd Dammann

    Das katholische Universitätsmilieu als prägende Kraft – eine Realsatire aus dem deutschen akademischen Hochschulalltag der Gegenwart

    Auf eine tolldreiste Köpenickiade aus dem hier angesprochenen universitären, insbesondere auch katholischen Milieu, das die Plagiatorin Schavan so stark beeinflusst und geprägt haben soll, weist jüngst Dr. Klaus Graf hin: http://archivalia.hypotheses.org/69739

    Schon am 22 August 2015 hatte der ‚simplicissimi.blogspot‘ darüber u.a. wie folgt berichtet:

    „Plagiat und Gewissen: der Fall Ch.M. (Göttingen)“
    „Anette Schavan, jene Ex-Bundesforschungsministerin, die wegen einer plagiierten Dissertation Titel und Amt verlor, hatte über ‚Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung‘ promoviert. Nun ist mit dem z. Zt. an der Universität Hildesheim beschäftigten Ch.M. der nächste Gewissensforscher entlarvt worden: Nach einem Bericht des Göttinger Tagblattes ist seine gar preisgekrönte Dissertation mit dem Titel ‚Das Gewissen in politischen Kontexten: Politik des Gewissens als politische Ethik‘ großflächig abgeschrieben. Zudem sind auch sein Lebenslauf und sein Magisterzeugnis gefälscht. Da stellt sich dem geübten Verschwörungstheoretiker natürlich die Frage: Haben Gewissensforscher selbst kein Gewissen?“ –
    https://ansichten-simplicissimi.blogspot.de/2015/08/plagiat-und-gewissen-der-fall-christian.html

    Diese Münchhausen-Geschichte enthält so gut wie fast alle eigentlich jenseits jeglicher Vorstellungskraft liegenden Zutaten einer Realsatire aus dem deutschen Wissenschaftsbetrieb, die das pralle Leben in jüngster Zeit aber wirklich schrieb. Wäre sie nicht tatsächlich passiert, man würde sie nicht für möglich halten:

    http://www.zeit.de/campus/2018/01/universitaet-goettingen-betrug-dozent-professor#comments

    In dem Artikel von Bernd Kramer, auf den Graf hinweist ( ZEIT Campus Nr. 1/2018), ist u.a. zu lesen:
    „Er muss zu dieser Zeit auf die Ausschreibung des Professors gestoßen sein, der bald darauf sein Doktorvater wurde. „Wer Interesse hat, eine Abschlussarbeit oder Dissertation zum Thema Was heißt ‚Gewissen‘ in politischen Kontexten zu verfassen, ist herzlich eingeladen, das an meinem Lehrstuhl zu tun“, steht auf der Website des Seminars für Politikwissenschaft an der Uni Göttingen.“

    „Christian M. reicht zwei Zeugnisse ein, beide aus der Zeit vor dem Kloster: Seinen Magisterabschluss an der Münchner Hochschule für Philosophie, mit Siegel und Unterschrift, Note 1,3, beglaubigt am 21. August 2009 von der Stadt Georgsmarienhütte bei Osnabrück. Später ein Theologie-Diplom der Hochschule St. Georgen, ebenfalls 1,3, unbeglaubigt. Die Uni Göttingen nimmt ihn an, im Herbst 2009 beginnt M. seine Promotion. Bald gibt er auch Seminare. Wahrheit, Moral, Gewissen und Gerechtigkeit in der Politik heißt eines, Krisenethik – Ethikkrisen ein anderes.“

    „Nur einmal wird es brenzlig für M.: Sein Doktorvater schlägt als zusätzliche Gutachterin für die Doktorarbeit von M. die Politikprofessorin Renate Martinsen vor, die an der Uni Duisburg-Essen lehrt. Martinsen hat ein paar Jahre zuvor zum Gewissen in der Politik habilitiert. Eine Expertin für M.s Thema also. Ch.M. macht einen Gegenvorschlag: Er empfiehlt einen Moraltheologen, den er über die katholische Hochschulgemeinde in Osnabrück kennengelernt habe. Der passe besser als noch eine Politikwissenschaftlerin, sagt M., schließlich berühre seine Dissertation auch religiöse Fragen. Sein Doktorvater stimmt zu, der Theologe wird Zweitgutachter, Renate Martinsen wird nicht gefragt. Ein Fehler, wie sich noch zeigen wird.“

    „Die Einser-Abschlüsse, die M. seine Promotion erst ermöglicht haben: Fälschungen. Die Arbeit selbst: ein Plagiat. Gegenüber der Uni Göttingen spricht M. von tiefen Selbstzweifeln und innerer Zerrissenheit. Dem Zweitgutachter, der M.s Arbeit statt Martinsen geprüft hatte, schickt M. eine lange Mail, in der er seinen Betrug bedauert. M. schreibt von Erwartungen, die auf ihm gelastet hätten und denen er nicht mehr habe gerecht werden können, so erinnert sich der Professor. Er selbst habe als Theologe die plagiierten Passagen nicht erkennen können.“ – aber als katholischer Theologie-Professor die ihm vorgelegte Dissertation fachlich beurteilen, das wollte und „konnte“ er in der bei Theologen verbreiteten Selbstüberschätzung schon!

  22. Dr. Bernd Dammann

    Epilog

    Im ‚Rundbrief Nr. 153‘ der ‚Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft‘ vom Herbst 2015 wird im Unterabschnitt ‚Plagiate‘ des Kapitels IV ‚Ethik-Kommission‘ (S. 46-50) u.a. das Folgende mitgeteilt:

    „Frau Prof. Dr. Renate Martinsen hat am 28.7.2015 bei der Ethik-Kommission Anzeige gegen Herrn Chr.M. wegen zwei Plagiatsfällen erstattet: Der Text seiner an der Universität Göttingen eingereichten und im Utz-Verlag München veröffentlichten Dissertation ist mit Ausnahme von 20 S. komplett und wörtlich aus ihrer bei Velbrück erschienenen Habilschrift übernommen; ebenso stammen die von Herrn M. verfassten Teile eines gemeinsamen Aufsatzes mit Walter Reese-Schäfer aus dieser Habilschrift. Der Plagiatsvorwurf trifft voll zu, er war durch den Vergleich der einschlägigen Schriften leicht nachprüfbar.“

    „Darüber hinaus sind der Ethik-Kommission weitere von Herrn M. begangene Plagiate mitgeteilt worden. Sie wurden ebenfalls überprüft und werden nachfolgend aufgelistet.“ Es handelt sich dabei um vier weitere vermeintlich hochkarätige politikwissenschaftliche Beiträge in Aufsätze versammelnden Buchveröffentlichungen, die als Plagiate eingestuft und überführt werden konnten:

    https://www.dvpw.de/fileadmin/docs/Rundbriefe/Rundbrief153.pdf

    Schließlich wird dort auch der ‚Beschluss‘ dokumentiert (S. 49-50), in dem die ‚Ethik-Kommission‘ das Ergebnis ihrer Beschäftigung mit diesem Plagiats- und Betrugsfall schriftlich zusammenfasst. Dem darin empfohlenen Ausschluss aus der ‚DVPW‘ war der Plagiator allerdings durch Austritt inzwischen bereits zuvorgekommen.

    Dass gegen den Doktorvater und den Zweitgutachter dienstrechtlich oder sonst irgendwie disziplinarisch vorgegangen worden sein könnte, ist mir bisher nicht bekannt geworden.

  23. Ruchtraut von Allmendshofen

    In diesen Tagen werden altgediente Parteimitglieder in Baden-Württemberg bei Betrachtung des furchtbaren Scherbenhaufens Landes-CDU erneut an die Ministerin a.D. erinnert. Ihr verdanken wir den Ministerpräsidenten Mappus, Ehemann ihrer Freundin Verweyen, dem es gelungen ist, in 15 Monaten Regierungszeit alles zu ruinieren, was bis dahin noch nicht ruiniert war. Mappus musste unter erschütternden Umständen aus dem Amt und der Parteiführung entfernt werden. Aber nach dem Käswasser kommt selten etwas Gutes, und wozu man sich die Namen all der Strobls und Wolfs und Reinharts und der anderen Kasperln noch merken soll, die sich heute bei uns die Pritschen um die Ohren schlagen, weiß man nicht. Schavan weilt inzwischen in Rom oder reist in katholischen Kirchengemeinden umher, um von der ganz einzigartigen Großartigkeit des Papstes und des Papsttums zu parlieren. Die Interessen des Vatikans sind in der Bundesrepublik also gut vertreten, aber ob es auch jemanden geben muss, der die Interessen der Bundesrepublik gegenüber dem Vatikan vertritt, das weiß man nicht.

  24. Dr. Bernd Dammann

    Heute (5.2.2018) vor 5 Jahren – immer noch unvergessen

    „Am 5. Februar 2013 stellte der Fakultätsrat der Phil.Fak. der HHU Düsseldorf mit 13 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen den „Tatbestand einer vorsätzlichen Täuschung durch Plagiat“ fest:

    „Die Häufung und Konstruktion dieser wörtlichen Übernahmen, auch die Nichterwähnung von Literaturtiteln in Fußnoten oder sogar im Literaturverzeichnis ergeben der Überzeugung des Fakultätsrats nach das Gesamtbild, dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte. Die Entgegnungen von Frau Schavan konnten dieses Bild nicht entkräften.“

    Mit 12:2 Stimmen bei einer Enthaltung erklärte der Fakultätsrat die Promotionsarbeit Schavans für ungültig und sprach die Entziehung des Doktorgrades aus. Der lange Zeitabstand seit der Anfertigung der Arbeit und der Umstand, dass Schavan neben ihrer Promotion über keinen anderen Studienabschluss verfügt, seien bei dieser Entscheidung berücksichtigt worden.

    Schavan erklärte noch am gleichen Tag, an dem der Fakultätsrat der Heinrich-Heine-Universität den „Tatbestand einer vorsätzlichen Täuschung durch Plagiat“ festgestellt hatte, dagegen Anfechtungsklage beim Verwaltungsgericht zu erheben.“ (zit. aus: Wikipedia-Eintrag Annette Schavan)

  25. Dass ich einmal unseren größten Bundeskanzler — frei nach Chr. Markschies — paraphrasieren würde: lasst der Dame doch die Gnade der frühen Geburt. Damals, als Paraphrase noch Zitat war. Oder war es Plagiat noch Zitat?

    • Dr. Bernd Dammann

      Wider das Vergessen statt Ausflucht in die „Gnade der frühen Geburt“ im Fall Schavan

      Mit der Übernahme und Benutzung durch den körperlich groß gewachsenen und gewichtigen Kanzler und Staatsmann Helmut Kohl (d.i der mit den auf Käuflichkeit ausgerichteten ‚schwarzen Kassen‘) wurde die Formulierung von der „Gnade der späten Geburt“ seit den frühen 1980er Jahren mit der Zeit zu einer sprichwörtlich gängigen Redewendung im politischen Diskurs der BRD:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Gnade_der_sp%C3%A4ten_Geburt

      Der ursprüngliche geistige Vater, der darauf nachträglich und nachdrücklich zunächst urheberrechtliche Ansprüche erhob, die er aber gleichwohl gerichtlich nicht geltend machte, geriet dagegen ziemlich schnell wieder in Vergessenheit:

      Diese Eigenart haben griffig in Worte gefasste und schriftlich niedergelegte Lebensweisheiten, Sprichwörter und dergleichen volkstümlich gewordene Redewendungen so an sich. Die Nutzung und der individuelle wie möglicherweise auch kreativ umgestaltende Umgang mit ihnen können also schon in Ermangelung eines sich plagiiert fühlenden Autors im Einzelfall, auch wenn eine schriftliche Ursprungsquelle nachweisbar sein sollte, unter solchen Voraussetzungen keinen geistigen Diebstahl in Form eines Plagiats darstellen. Und in deren Paraphrase oder Umgestaltung vermag man gegebenenfalls vielleicht sogar einen weiterführenden schöpferischen Umgang und damit eine eigenständige geistige Leistung sui generis erkennen.

      Darum ging und geht es allerdings in der theologisch durchwirkten und damit pseudowissenschaftlich gerahmten Qualifikationsarbeit von Frau Dr.h.c.mult. Schavan aus dem Jahr 1980 eben gerade nicht! Deswegen ist auch das Verlangen „lasst der Dame doch die Gnade der frühen Geburt“ (wohl vor allem deswegen, weil sie es damals angeblich nicht hätte besser wissen können) wissenschaftsgeschichtlich absolut unhaltbar wie auch bildungspolitisch wegen ihrer verheerenden Signalwirkung völlig unangebracht!

      Und indem Kau F.Hof mit den Schlüsselbegriffen eines Buchtitels („Zitat, Paraphrase, Plagiat“) launig spielt und den Namen eines seiner beiden Herausgeber beiläufig, aber doch eher ziemlich angestrengt wirkend erwähnt, degradiert er diesen zum ‚Ritter von der traurigen Gestalt‘ und die von diesem verehrte Plagiatorin zu dessen Dulcinea. Über diese von diesem Blog nun wirklich als Zumutung empfundene Absicht, die in dieser Veröffentlichung Gestalt angenommen hat https://causaschavan.wordpress.com/2016/01/01/bericht-von-einer-akademie-teil-2-info-fuer-entwicklungshelfer/ , ,heißt es in der dazu gehörenden Verlagswerbung aus dem Jahr 2015:

      „Wissenschaftliches Fehlverhalten – ein individualethisches Problem? Dass viel mehr dahinter steckt, zeigt die interdisziplinäre Arbeitsgruppe »Zitat und Paraphrase« der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Der Band versammelt Beiträge zur historischen Entwicklung der Belegkultur, zur Frage von Urheberschaft und Originalität in der Wissenschaft sowie zu Problemen des wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Natur- und Geisteswissenschaften.“

      Ein Renner auf dem Buchmarkt scheint diese Aufsatzsammlung wahrlich nicht geworden zu sein, wohl eher ein Flop. Ein damals bereits vollmundig angekündigter Folgeband ist bis heute nicht erschienen, wenn ich das richtig sehe. Die versammelte scientific community im deutschsprachigen Raum, in der das Gros eines potentiellen Käuferkreises zu vermuten wäre, scheint durchsichtig angelegte Rechtfertigungsschriften im Interesse dieser so prominenten Plagiatorin ganz offensichtlich nicht besonders gutzuheißen.

      Zu einem Gnadenakt des Vergessens würde im Übrigen, und zwar als conditio sine qua non, zuerst und vor allem die Einsicht in die Verwerflichkeit des eigenen Fehlverhaltens gehören. Davon sind wir aber im Fall Schavan weit entfernt. Ein Kommentator namens ‚stolperstein‘ brachte es neulich (8.11.17) in einem Leserforum des ‚Tagesspiegel‘ im Zusammenhang mit ihrer Postenjägerei um den Vorstandsvorsitz der KAS treffend auf den Punkt: „denn was bleibt, ist die wissenschaftsverhöhnende Impertinenz, mit der Schavan taktiert.“

      • Ach, so vieles blieb ohne die von uns sehnlichst erhoffte Fortsetzung. Weitere Bände aus der IAG der BBAW sind wohl nicht mehr zu erwarten. ZiPaPla-Tausendsassa Philipp Theisohn arbeitet sich inzwischen lieber an der Literatur der Außerirdischen ab als an der Politur des Unterirdischen. Auch die wissenschaftlich saubere Aufarbeitung des Falles Schavan durch den Theisohn-Kumpel Vincent Kaufmann und seine kongeniale Kollegin Christine Haug bleibt ein Torso. Wo bleibt also das Positive? Immerhin, der Sammelband „Zitat, Paraphrase, Plagiat“ wurde von DFG-Ombudsmann Stephan Rixen sehr lobend besprochen, auch wenn nicht ganz deutlich wurde, was er daran zu loben fand. Und Herausgeber Christoph Markschies wurde, als erster Protestant überhaupt, mit der Ehrendoktorwürde der päpstlichen Lateran-Universität ausgezeichnet. Und wie man hört, wird Hermann Gröhe nun Bildungsminister. Da geht noch was.

      • Hupe Weißkräcker

        Will unsere Redaktionskollegin hier vielleicht andeuten, dass die Verleihung der Ehrendoktorwürde an den Professor und protestantischen Pfarrer Markschies durch die Universität des Papstes als Kollateran-Nutzen seines Schavan-Engagements zu werten ist? Die Botschafterin war in den römischen Tagen ihres treuen Nothelfers jedenfalls eifrige Gastgeberin.

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