Dottoressa Schavan

Von der Università degli Studi di Roma „Tor Vergata“ erfahren wir, dass der Philosophische Doktorgrad in Biochemie und Molekularbiologie großen Anlass zur Freude hat: Er darf  sich heute ehrenhalber der Botschafterin Annette Schavan verleihen. Denn die Botschafterin hatte, als sie noch Ministerin war, eine neue Vision: Sie rief die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung ins Leben und sorgte für reichlichen Geldfluß. Anders als die deutsche ist die italienische Gesundheitsforschung recht ärmlich ausgestattet und wünscht sich deshalb dringend, dass auch ihre Regierung eine neue Vision erlebt – am besten die der dottoressa Schavan. Der philosophische Doktorgrad in Biochemie und Molekularbiologie ehrenhalber folgt einer bewährten Philosophie: Gleich im Anschluss an ihre erneute Promotion soll die dottoressa auf einer Tagung der römischen Universität ihre Vision öffentlich promoten.

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7 Antworten zu “Dottoressa Schavan

  1. „Vision“ … ist das hier auch so ein Fall von Jeanne d’Arc? Oder mehr Lourdes?

  2. Dr. Bernd Dammann

    „Notfallpatientin“

    „Visionen“ gehabt zu haben ist für die obersten Vertreter der katholischen Glaubenslehre im Vatikan in jedem Einzelfall gemeinhin eine unabdingbare Voraussetzung für die Einleitung einer entsprechenden Vorprüfung zur Selig- oder Heiligsprechung. Wenn in diesem speziellen Fall die quasi naturwissenschaftliche Bestätigung eines solchen an sich nachträglich nur schwer zu ermittelnden Befundes „seligmachender Gottesschau“ dann auch noch durch eine italienische medizinische Hochschule bereits als Ergebnis einer ‚Vivisektion‘ festgestellt werden konnte, steht also der Einleitung einer entsprechenden Prozedur zu Lebzeiten der Probandin eigentlich nichts mehr im Wege.

    Der verstorbene Alt-Kanzler Helmut Schmidt („Schmidt-Schnauze“) merkte allerdings in der ihm eigenen Art vor Zeiten pampig und sarkastisch an: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

    In der Menschheitsgeschichte scheint es in diesem Sinne wohl ein einzigartiger Fall zu sein, dass eine an schier unheilbarer Geltungssucht leidende und deswegen permanent gefährdete Notfallpatientin weitsichtig ihre akute medizinische Notfallversorgung zu ihrem ganz persönlichen Prestigeerhalt („symbolisches Kapital“) bereits zuvor aus dem allgemeinen Steueraufkommen vorzufinanzieren vermochte.

  3. Sommer 2007: Der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Jürgen Mlynek, und die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, treiben die Planungen für eine Reorganisation der medizinischen Forschungslandschaft voran. Auf einer Klausurtagung der Bundesregierung wird unter anderem die Gründung eines nationalen Demenz-Zentrums beschlossen.

    März 2008: Als erstes Deutsches Zentrum der Gesundheitsforschung und 16. Zentrum der Helmholtz-Gemeinschaft wird in Bonn das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) gegründet.

    April 2009: Pierluigi Nicotera wird Gründungsdirektor des DZNE. Dessen Finanzierung beläuft sich zunächst auf 40 Millionen Euro pro Jahr, davon kommen 90% aus Mitteln des Bundes.

    März 2018: Ulm wird einer von inzwischen zehn Standorten des DZNE. Bei der feierlichen Vertragsunterzeichnung an der Universität treten gemeinsam auf die Bühne: BW-Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, Universitätspräsident Michael Weber, eine Referatsleiterin aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, DZNE-Vorstand Pierluigi Nicotera – und Botschafterin Annette Schavan.

    Juni 2018: Botschafterin Annette Schavan erhält in Rom an der Universität Rom 2 (Tor Vergata) die Ehrendoktorwürde. Bei der Verleihung treten mit Annette Schavan auf die Bühne: Universitätsrektor Claudio Franchini, der Direktor der molekularbiologischen Abteilung Gerry Melino, und Pierluigi Nicotera.

    • Es geht um nicht weniger als den Versuch, nun durch eine gemeinsame deutsch-italienische Initiative die Etablierung von europäischen Zentren der Gesundheitsforschung in der EU auf den Weg zu bringen. Nach deutschem Muster und mit europäisch dimensioniertem FInanzbedarf. Nachzulesen ist das in Schavans „Lectio magistralis“, die von der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl sofort online gestellt wurde.

      Pierluigi Nicotera, seit 2009 Direktor des vom ehemaligen Schavan-Ministerium alimentierten Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkankungen und nebenbei Gastwissenschaftler an der Università degli Studi die Roma Tor Vergata, gehörte dem Komitee der Universität an, das über die Verleihung des Ehrendoktors entschieden hat. Anders als angekündigt war es auch nicht der Rektor oder der Leiter der Molekularbiologischen Abteilung der Universität, sondern Nicotera, der im vollen Tor-Vergata-Ornat mit Talar und Doktormütze die Laudatio auf die Wohltäterin der Gesundheitsforschung hielt.

  4. Dr. Bernd Dammann

    „Science as Diplomacy of Trust“ (June 2018) – so die wegen arglistiger Täuschung bestandsfest verurteilte Plagiatorin und Botschafterin im Vatikan Annette Schavan

    In dem Soziotop der Mediziner habe man es häufig, so vermerkte schon der Kölner Soziologe und bekannte Korruptionsforscher Erwin K. Scheuch (1928-2003; „Cliquen, Klüngel und Karrieren. Über den Verfall der Politischen Parteien“, Reinbek 1992) mit der speziellen und verbreiteten Erscheinungsform von „gemeinnütziger Korruption“ zugunsten eines Kollektivs zu tun, die zugleich „dem privaten Vorteil“ dient – „sei es durch Abzweigung von Geldern oder durch erhöhtes Ansehen und Beförderung der eigenen Person.“ (zit. aus: Erwin K. Scheuch, Die Mechanismen der Korruption in Politik und Verwaltung, in: Korruption. Netzwerke in Politik, Ämtern und Wirtschaft, hrsg. von Hans Herbert von Arnim, München 2003, S. 31-75, hier: S. 58)

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