Schavan

Annette Schavan hat heute eine persönliche Erklärung des Inhalts abgegeben, dass sie den juristischen Kampf um ihren entzogenen Doktorgrad aufgibt, weil die Gerichte in diesem Lande nicht der Ort sind, an dem eine gewisse Person zu ihrem Wissenschaftsrecht kommt. Ferner macht sie aufschlußreiche, wenn auch nicht unbedingt erstmalige Mitteilungen über die Möglichkeit, alles ganz genau so zu sehen wie sie selbst, oder ersatzweise auch wie die ihr verbundenen Funktionäre und/oder Parteifreunde im politischen Wissenschaftsbetrieb, die nach Kräften versucht haben, die Düsseldorfer Fakultät in die Knie zu zwingen. Dabei haben die Wissenschaftsorganisationen jedoch „schmerzlich erfahren“ müssen, dass ihre dreiste Einmischung zugunsten der Wissenschaftsministerin als dreiste Einmischung zugunsten der Wissenschaftsministerin wahrgenommen wurde. Schavan lässt nochmals den Vorsitzenden des Wissenschaftsrates, Wolfgang Marquardt zu Wort kommen:

Es gibt mittlerweile einen Konsens darüber, dass in den Verfahren, in denen über den Entzug des Doktortitels entschieden wird, Begutachter, Bewerter und Entscheider getrennt sein sollten! Dass es ein Mehraugenprinzip geben sollte, und dass eine Analyse der Arbeit nicht allein über eine formalistische Textanalyse bewertet werden kann. [1]

Womit natürlich auch gleich noch einmal klargestellt ist, dass die Düsseldorfer Textanalyse formalistisch, also ganz unzureichend war. Die kommenden Verfahren würden anders ablaufen als die vergangenen, hat Marquardt ferner versprochen. Allerdings werden die Wissenschaftsorganisationen zuvor wohl noch einzelne Wirrköpfe auf Linie bringen müssen. Wolfgang Löwer zum Beispiel, den Sprecher des Gremiums “Ombudsman für die Wissenschaft” der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Denn ausgerechnet Löwer will partout nicht einsehen, was an dem Düsseldorfer Verfahren auszusetzen sein soll. Ausgerechnet er erklärt, dass die „Regeln guter wissenschaftlicher Praxis“ für derartige Verfahren nichts zu besagen hätten und die verwaltungsrechtlich geregelten Verfahren wissenschaftlichen Standards vollauf genügten. Und ausgerechnet er wendet sich gegen die Behauptung, dass die Frage des Plagiats durch eine simple Textanalyse gar nicht hinreichend geklärt werden könne. [2]

Das sind natürlich denkbar wissenschaftsferne Verirrungen, weshalb Schavan den Herrn Löwer und Seinesgleichen freundlicherweise mit Schweigen übergeht. Sie ist vollständig auf Konsens eingestellt. Und auf Zukunft, auch im Blick auf die Vergangenheit:

Die Arbeit an meiner Dissertation vor über 30 Jahren war für mich eine gute Zeit, in der ich viel gelernt habe. Dafür bin ich meinen damaligen Lehrern sehr dankbar. Die Auseinandersetzung mit Gewissenstheorien, verbunden mit der Frage nach einem pädagogischen Verständnis von Gewissen und Möglichkeiten der Gewissenserziehung hat mich weit über die Zeit der unmittelbaren Arbeit am Thema beschäftigt. Diese Arbeit war und ist für mich wichtig und hat auch mein späteres Handeln geprägt. Sie war für mich mehr als der Abschluss meines Studiums und der Promotion. Handlungsleitend war für mich ein Verständnis vom Menschen, der sich um Gewissenhaftigkeit bemüht, und der verantwortungsbewusst mit seiner Freiheit umgeht. Davon habe ich mich in meiner beruflichen und politischen Arbeit leiten lassen und werde dies auch künftig tun.
Jetzt bereite ich mich auf neue Aufgaben vor und freue mich darauf. [1]

Wir aber freuen uns auf die morgigen Lübecker Peinlichkeits-Festspiele. Darauf sind wir bestens vorbereitet. In unserem Programmheft haben wir beim Punkt „Verleihung der Ehrendoktorwürde an Frau Prof. Dr. h.c. Annette Schavan“ schon mal den Namen des ursprünglich angekündigten Laudators, Heyo K. Kroemer (Göttingen), durchgestrichen. Die Laudatio hält nämlich nun doch der Präsident der Universität Lübeck selbst. Einen kleinen Beitrag zu diesen Festspielen leistet namentlich auch die Band, die für die musikalische Umrahmung sorgt: „Salt Peanuts“. Sie wurde nicht gestrichen, obwohl es wahrlich nicht gerade Peanuts waren, die seinerzeit von der Wissenschaftsministerin zur Rettung der medizinischen Fakultät in Lübeck am Grundgesetz vorbeigeschleust wurden.

Und auch Annette Schavan freut sich und hat sich auf ihren morgigen Ehrentag bestens vorbereitet. Die heute abgegebene Erklärung zeigt das in jeder Zeile. Sie wird Würde ausstrahlen. Selbstsicherheit, wobei gelegentlich ein leichter Anklang des Duldertums mitschwingen darf. Sie wird viel lächeln und mit den Augen blitzen beim freudigen Wiedererkennen von alten Vertrauten, hier und da auch die Augenbrauen in die Höhe schnellen lassen in humorig-intelligentem Einverständnis mit ihrem Gegenüber. Sie wird in der ersten Reihe sitzen unter lauter Wichtigen, und auch in den hinteren Reihen wird es recht gut zu hören sein, wie kommod es da vorne zugeht und wie ganz besonders heftig man sich da gut versteht. Der Lobpreisung ihrer eigenen Person und Verdienste wird sie aufmerksam lauschen und dabei das ein oder andere nickend bestätigen können. Zur Entgegennahme der Ehrung aufgerufen, wird sie sodann mit dieser ganz besonderen, leicht walzenhaften Eiligkeit nach vorne streben, die uns stets deutlich machte, dass dies nun wirklich keinen weiteren Aufschub duldete: Ihre heutige Fastenpredigt, Eröffnung der Betriebskindertagesstätte, Fastenpredigt, Rede über Europa, wo wir im Wissenschaftsinkontinenzkompetenztransfer der Zukunft führend sind, Fastenpredigt, Grußwort beim Fachverband der Bandwurmologen, Fastenpredigt, Ansprache über Gott, der größer ist als wir so meinen, Fastenpredigt, Entgegennahme der Ehrendoktorwürde, Fastenpredigt, Entgegennahme der Ernennungsurkunde als vatikanische Stuhlbotschafterin.

Es wird eine Pracht sein.

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Eine Antwort zu “Schavan

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