Präsident und Nichtwissen. Teil 2: Notorietät oder die zwei Körper der Ministerin

Erhaben war die Stimmung, und sehr gesittet ging es zu, als Annette Schavan an der FU Berlin ihren Vortrag hielt. Das Thema: „Gottesbezug als Freiheitsimpuls“. Studentisches Publikum, an einer Universität bei solcher Gelegenheit ja eher störend, hatte man der Ministerin gar nicht erst zumuten wollen, und so verteilte sich an diesem 4. Mai 2011 vorwiegend feinbetuchte Grauköpfigkeit im Saale. Soeben hatte FU-Präsident Peter-André Alt seine einleitenden Artigkeiten glücklich zu Ende gebracht, und Schavan hatte das Rednerpult schon fast erreicht, als es zu einer kleinen, mit gepflegter Belustigung quittierten Beinahe-Kollision kam. Denn der gleichfalls nach vorne geeilte Sprecher des Dahlem Humanities Center, Joachim Küpper, mochte Schavan noch nicht zu Wort kommen lassen. Er hatte sich nun einmal

vorgenommen, trotz Ihrer Notorietät einige Worte zu Ihrer Person zu sagen, wenn Sie mir zwei Minuten geben, und habe dabei natürlich besonders im Hinterkopf gehabt den Satz unseres Präsidenten, dass Sie heute abend hier nicht als Politikerin sprechen, sondern als Wissenschaftlerin. [1]

Tatsächlich war Schavan ja gewissermaßen als Gast ins eigene Haus gekommen. Nicht die Ministerin, sondern die Wissenschaftlerin würde hier gleich sprechen, die Inhaberin einer Honorarprofessur an der FU. Doch bei der Vorbereitung seiner Hommage war es Küpper

gleichwohl aufgefallen, dass es nicht ganz leicht ist, „the minister’s two bodies“, um mal Kantorowicz zu zitieren, strikt zu separieren. Aber ich will es versuchen. [1]

Ohne weitere Umstände (und, bitte, ohne eine Diskussion des Zitatbegriffs) kommen wir jetzt von Ernst Kantorowicz zur Vita des notorischen Hybridwesens:

Annette Schavan hat studiert: Katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften, und zwar in Bonn und Düsseldorf. Sie hat promoviert in katholischer Theologie im Jahr 1980 mit einer Arbeit, die gedruckt worden ist unter dem Titel „Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung“. [1]

Für das Berliner Publikum mochten diese Mitteilungen durchaus von besonderem Interesse sein. Denn Annette Schavan hatte ihre Studienfächer ja keineswegs in beliebiger Reihenfolge und Gewichtung gewählt und absolviert. Infolge einer nicht ganz gleichmäßigen Wertschätzung dieser Fächer seitens der Ministerin wie wohl auch in weiten Teilen des akademischen und bildungsbürgerlichen Milieus hatte sich hier allerdings seit der Studienzeit eine kleine Korrektur ergeben, und in den Ministerjahren war aus dem Nebenfach Katholische Theologie vorzugsweise das Hauptfach geworden. Auch dass Bonn hier als Studienort an erster Stelle zu nennen war, und nicht etwa das theologiefreie Düsseldorf, verstand sich. Und wie hätte sich an der FU Berlin erklären lassen, dass Schavan keineswegs in Theologie, sondern im Fach Erziehungswissenschaften promoviert worden war? Schließlich hatte man sie hier mit einer Honorarprofessur am Seminar für Katholische Theologie bedacht.

Bei all dem saß diese promovierte Theologin Annette Schavan unmittelbar vor ihrem Laudator, lauschte aufmerksam und zeigte keine Regung. Auch die weiteren Ausführungen Küppers über ihren Lebens- und Karriereweg boten nichts Unerwartetes. Alles ergab sich in schöner Folgerichtigkeit:

Ihre berufliche Karriere hat sie dann begonnen im Rahmen des Cusanuswerks – einige ihrer ehemaligen Schützlinge sind heute abend auch hier anwesend. Sie haben es dort sehr schnell bis ganz an die Spitze gebracht, zur Leiterin des Cusanuswerks. Das war ideale Voraussetzung für das Amt, das Sie im Jahr 1995 übernommen haben. [1]

Als ideale Voraussetzung darf es nämlich gelten, die Begabtenförderung der katholischen Bischofskonferenz geleitet zu haben, wenn man etwa Kultusministerin im Lande Baden-Württemberg werden möchte und der Ministerpräsident gerade Erwin Teufel heißt.

Nach zehnjähriger Amtszeit als Landesministerin wurde Annette Schavan 2005 Bundesministerin für Bildung und Forschung. Auch in Zeiten leerer öffentlicher Kassen bewahrte sie die höheren Bildungseinrichtungen vor herben Sparmaßnahmen. So hätte sie nicht agiert, befand Küpper, wenn sie in all diesen Jahren nur als Politikerin und nicht zugleich stets auch als Wissenschaftlerin tätig gewesen wäre. Und wahrlich staunenswert erschien es ihm, welche Leistungsbilanz die Ministerin auch in dieser ihrer zweiten Kantorowicz’schen Körperlichkeit vorzuweisen hatte. Ein beachtliches wissenschaftliches Oeuvre galt es vorzustellen:

Ich habe doch mit großer Hochachtung gesehen, als ich Ihre Website konsultiert habe, dass Sie neben der Dissertation fünf eigene Bücher veröffentlicht haben, sieben weitere, die Sie in Ko-Autorschaft verfasst haben – teilweise mit großen Fachprominenzen wie Ernst Böckenförde -, und darüber hinaus einige, die Sie herausgegeben haben – allesamt zum Themenbereich Religion, Erziehung und Persönlichkeitsbildung. [1]

Da war sie, die vielbeschworene Exzellenz. Dort vorne saß sie und hörte sich das alles an, nahm ungerührt die Ehrfurcht gebietende bibliographische Bilanz ihrer ungeheuren wissenschaftlichen Schaffenskraft zur Kenntnis, hörte auch, wie stolz man an der FU auf die prominente Honorarprofessorin war. Dann hatte auch Küpper das rettende Ufer gefunden, und nun schritt Annette Schavan selbst ans Rednerpult und hub an und griff weit aus, und das war alles recht gut und gefällig anzuhören.

Über die Maßen brilliant [2] brillant wollte es uns allerdings doch nicht unbedingt scheinen. Teilweise eher von leicht puddinghafter Konsistenz. Auch die Berichterstatterin des „Tagesspiegel“ schien anderntags wohlwollend, aber doch nicht recht enthusiasmiert:

In weiten Teilen ihres Vortrags über die europäische Säkularisierung erwies sich Schavan als fleißige Schülerin des früheren Verfassungsrichters Ernst Wolfgang Böckenförde. [3]

Nach Exzellenz klang das nun nicht gerade.

Als der Akademische Senat der Freien Universität am 22. Oktober 2008 unter dem Vorsitz des Präsidenten Dieter Lenzen beschloss, die Ministerin zur Honorarprofessorin zu ernennen, da war man um eine Begründung nicht verlegen. Mit diesem Schritt sei es gelungen, „eine ausgewiesene Expertin und Persönlichkeit für Forschung und Lehre zu gewinnen“, [4] wobei zunächst offen bleiben konnte, auf welchen speziellen Feldern die ausgewiesene Persönlichkeit zugleich als ausgewiesene Expertin zu gelten hatte. Jedenfalls war zu unterstreichen, dass diese Expertin und Persönlichkeit „in besonderer Weise geisteswissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Präsenz und Wirksamkeit verbindet.“ [4] Das ließ sich an ihrem reichen theologischen Oeuvre aufzeigen:

Mit ihrem wissenschaftlichen Werk in der Moraltheologie und der Praktischen Theologie vertritt sie nicht nur die Öffnung der Theologie zur Welt, sondern begreift diese als Chance für jene. Ihre zahlreichen Publikationen zeigen, dass sie die theologische Reflexion nicht nur beherrscht, sondern auch die Fragen einer Theologie in einer immer mehr nichtchristlichen Gesellschaft vermitteln kann. Durch ihren integrativen und dialogischen Ansatz verbindet Annette Schavan ihre theologischen Untersuchungen mit gesellschaftlich relevanten Themen und leistet damit einen bedeutenden Beitrag für Wissenschaft und Gesellschaft. [4]

Nachdem uns der Vortrag ja doch eher etwas enttäuscht zurückgelassen hat, würden wir nun dieses in Umfang wie Qualität bedeutende wissenschaftliche Schaffenswerk der Exzellenz, das uns bislang so seltsam verborgen geblieben ist, aber doch gern kennenlernen. Die theologischen Untersuchungen vor allem, denn als Professorin der Theologie entfaltet Annette Schavan an der FU ja ihre wissenschaftliche Wirksamkeit in Forschung und Lehre.

Folgen wir also den Hinweisen des Laudators Küpper. Fünf eigene Bücher, abgesehen von der Dissertation, sowie sieben weitere, die sie in Ko-Autorschaft verfasste – damit wollen wir beginnen und die reiche Herausgebertätigkeit erst einmal unbeachtet lassen.

Doch wir finden keine fünf eigenen Bücher, die Annette Schavan neben der Dissertation veröffentlicht hätte. Und keine sieben weiteren, deren Ko-Autorin sie gewesen wäre. Und auf den ersten Blick nichts, was an ein wissenschaftliches Werk, an theologische Untersuchungen denken lassen würde. Das wäre schon recht verwirrend: Eine Wissenschaftsministerin, die zur Honorarprofessorin für Katholische Theologie ernannt wird und die sich an ihrem akademischen Wirkungsort sodann öffentlich als Trägerin eines theologischen Doktortitels vorstellen lässt, den sie nicht erworben hat, und ein umfangreiches Oeuvre beschreiben lässt, das es nicht gibt.

Also erstellen wir hier erst mal eine ordentliche Literaturliste.

1. „Eigene Bücher“

Neben der Dissertation sind drei weitere Bücher unter dem Namen der Autorin Annette Schavan erschienen. Zwei dieser Buchpublikationen sind allerdings unmittelbar ihrem Tätigkeitsfeld als baden-württembergische Kultusministerin zuzuordnen: Schule der Zukunft. Bildungsperspektiven für das 21. Jahrhundert (1998), und
Welche Schule wollen wir? PISA und die Konsequenzen (2002). In beiden Fällen handelt es sich weniger um wissenschaftliche Untersuchungen als um bildungspolitische Denkschriften.
Für die Theologie käme somit allenfalls das dritte Buch in Betracht. Dieses Opus hört jedoch auf den wenig ermutigenden Titel Der Geist weht, wo er will. Christliches Zeugnis in Kirche und Welt (2002). Erschienen ist das Werk im Schwabenverlag, einem anerkannten Spezialverlag für gelebte Frömmigkeit. Sofern man affirmative Erbauungs- und Besinnungsschriften für theologische Wissenschaft halten will, ist diese Aufsatzsammlung tatsächlich das Buch, auf das man anlässlich eines Vortrags der Ministerin Annette Schavan hinzuweisen hat, die man für eine promovierte Theologin hält.
Auf ihrer Website wird der Autorin Annette Schavan noch ein weiteres Buch zugeschrieben: Schulen in Baden-Württemberg. Moderne und historische Bauten zwischen Rhein, Neckar und Bodensee (2001). Doch enthält dieser Bildband kaum Text, und die damalige Kultusministerin des Landes hat ihn lediglich herausgegeben. [5, 6]
Am Ende steht der Zähler aber dann doch immerhin bei „vier“ – wenn man das Folgende für ein „eigenes Buch“ halten will. Auf der Website fehlt nämlich Gott ist größer als wir glauben. Visionen für Kirche und Welt (2010). Das Bändchen erschien im einschlägigen St. Benno Verlag. In Gesprächen mit Volker Resing, Redakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur, breitet die Ministerin hier ihr politisch-religiöses Credo aus.

2. In Ko-Autorschaft verfasste Bücher

In Gestalt von „eigenen Büchern“ oder Monographien ist das reiche und bedeutende Oeuvre der Wissenschaftlerin Annette Schavan also nicht so recht fassbar. Aber noch ist Hoffnung, denn es war ja auch von zahlreichen – exakt: sieben – Werken die Rede, die sie als Ko-Autorin mitverfasst habe. Teilweise mit großen Fachprominenzen wie Ernst Böckenförde.

Aber es gibt diese sieben Bücher der Ko-Autorin Schavan nicht. Nicht sieben, und auch nicht drei, oder auch nur eines. Es sind ganz genau null Bücher, die Annette Schavan gemeinsam mit Ernst-Wolfgang Böckenförde, anderen „großen Fachprominenzen“ oder sonstwem geschrieben hat.

3. Herausgegebene Bücher

Wie steht es dann wenigstens um ihre Eigenschaft als Herausgeberin, in der Schavan „darüber hinaus“ mehrere Bände ans Licht der Welt befördert haben sollte? – Doch, da ist einiges zu melden:

Schon die strebsame und offenbar bereits gut vernetzte Düsseldorfer Doktorandin durfte dermaleinst gemeinsam mit dem angesehenen Freiburger Religionsphilosophen Bernhard Welte einen Sammelband Person und Verantwortung. Zur Bedeutung und Begründung von Personalität (1980) herausgeben. Das ist durchaus bemerkenswert. Der eigene Beitrag, den die junge Mitherausgeberin zu diesem Band leistete, erregte dann in der Plagiatsdebatte um ihre Dissertation allerdings unliebsame Aufmerksamkeit, denn er war weitestgehend identisch mit Teilen der Dissertation und wies dementsprechend auch die in diesen Teilen enthaltenen Plagiate auf. [7] Doch erhebt dieser Band immerhin zweifelsfrei wissenschaftlichen Anspruch.
Anders verhält es sich mit Dialog statt Dialogverweigerung. Impulse für eine zukunftsfähige Kirche (1994), von Annette Schavan herausgegeben in ihrer Eigenschaft als Sprecherin der Kommission „Pastorale Grundfragen“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken, deren Ergebnisse hier in Form eines „Dialogpapiers“ unter dem Titel „Wie in der Kirche miteinander umgehen“ vorgestellt werden. Theologische Wissenschaft ist das wohl weniger, vielmehr ein Memorandum in aktueller Kirchenpolitik.
Dann endlich doch noch: Ernst-Wolfgang Böckenförde. Mit ihm gemeinsam gab Schavan das Werk Salz der Erde. Christliche Spiritualität in der Welt von heute (1999) heraus. Es handelt sich um eine Versammlung von persönlichen Glaubensbekenntnissen mehr oder weniger prominenter Katholiken wie Gesine Schwan, Robert Spaemann,  Ansgar Schmidt (Benediktiner und Abtpräses der Kongregation von der Verkündung der seligen Jungfrau Maria) oder Basina Kloos (Generaloberin des Ordens der Waldbreitbacher Franziskanerinnen). Erschienen ist das Ganze im bereits notorischen Schwabenverlag.
Der du die Zeit in Händen hältst. Reden über eine Zukunft mit Gott (2000) erschien nicht im Schwabenverlag, sondern im Verlag Don Bosco. Als Mitherausgeberin neben Schavan fungierte in diesem Fall Stefanie Aurelia Spendel, Priorin eines Augsburger Dominikanerinnenklosters und Verfasserin recht zahlreicher religiös-erbaulicher Kleinschriften.
Das Bändchen Leben aus Gottes Kraft. Denkanstöße (2004) hat Annette Schavan dagegen allein herausgegeben, ihm half erneut der Schwabenverlag ans Licht. Auch in diesem hilfreichen Werk dürfen mehr oder weniger prominente Autoren zur allgemeinen Glaubensfestigung beitragen. So erklärt der Sportfunktionär Thomas Bach über vier Seiten hinweg: „Jesus fordert Leistung“. Die Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, Magdalena Bogner, lässt sich in einem Beitrag von gleichem Umfang über „Gott, Atem des Lebens – Kraft zum Handeln“ aus. Etwas knapper macht es der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Baden, Ulrich Fischer, mit seiner dreiseitigen Forderung „Lass dir an meiner Gnade genügen“. Wieder etwas länger (vier Seiten) dauert es natürlich mit der „Flaschenpost der Liebe“, die von der Theologin Verena Lenzen auf den Weg gebracht wird. Annette Schavan selbst bietet nicht weniger als „Eine neue Sicht auf die Zukunft“, was sich nach drei Seiten erledigt hat. Dem Vernehmen nach hat all dies in der theologischen Wissenschaft bislang leider, leider noch nicht das Echo gefunden, das es verdient.

Nachzutragen sind in unserer Liste noch zwei weitere von Annette Schavan herausgegebene Bände, die jedoch für die Theologie nicht in Betracht kommen:

Bildung und Erziehung. Perspektiven auf die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen (2004) verdankt sich offenkundig dem damaligen Amt im Land Baden-Württemberg. Ihr eigener Beitrag („Kinder und Jugendliche ernst nehmen“) ist eher unauffällig.
Und schließlich Keine Wissenschaft für sich. Essays zur gesellschaftlichen Relevanz von Forschung (2008). In diesem Fall ist die Herausgeberschaft noch deutlicher aus dem politischen Amt erwachsen. Der eigene Beitrag beschränkt sich auf ein einleitendes Statement „Warum wir Wissenschaft und Forschung brauchen“.

Was an diesen Büchern rechtfertigt nun die Berliner Elogen auf die promovierte und honorarprofessierte Theologin? Wo sind die grundlegenden Werke, in denen theologische Untersuchungen mit gesellschaftlich relevanten Themen verbunden werden? Böse Zungen wollen behaupten, dass am Seminar für Katholische Theologie der FU Berlin Der Geist weht, wo er will ebenso zur Pflichtlektüre erklärt worden sei wie Der du die Zeit in Händen hältst – und zwar auf direkte Anweisung des FU-Präsidenten. Andere wiederum sagen, das Schavan’sche theologische Oeuvre sei in Berlin aus den Regalen geräumt und dem Zugriff der studentischen Leser entzogen worden. Vermutlich stimmt beides.

Annette Schavan hat die Küpper-Kantorowicz’sche Zwei-Körper-Lehre in eigener Sache stets sehr ernst genommen.

Dass jemand, der seit mehr als 30 Berufsjahren fachwissenschaftlich nicht mehr hervorgetreten ist, dennoch als Wissenschaftler figuriert, bezeugt höchstens ein Missverständnis von Bildung und Wissenschaft [8]

meinte der ZEIT-Autor Hermann Horstkotte im Nachgang zu seiner Auseinandersetzung mit einer „Schavan-Debatte voll heißer Luft“. Es ist befremdlich, dass eine Wissenschaftsministerin ein solches Missverständnis pflegen konnte. Noch sehr viel befremdlicher ist es, dass ihr der FU-Präsident Dieter Lenzen und sein Akademischer Senat bei dieser Pflege gefällig zur Hand gehen und sie als bedeutende Wissenschaftlerin an ihre Universität holen mochten.

Doch vermutlich begriffen sie diese als Chance für jene.

Fortsetzung und Schluss

12 Antworten zu “Präsident und Nichtwissen. Teil 2: Notorietät oder die zwei Körper der Ministerin

  1. Offenbar war Frau Schavan seit vielen Jahren nur noch von Höflingen umgeben. Da ist es noch einigermaßen nachvollziehbar, dass sie da einem Selbstbetrug aufgesessen ist, denn Eitelkeit und Geltungsstreben waren ihr nicht fremd. Nicht zu verstehen sind IMHO diese Wissenschaftler, die ihr derartig geschmeichelt haben. Die müssen doch genau gewusst haben was Sache ist, und haben mitgespielt: „Der Ministerin neue Kleider“.

  2. Anna Cerafin Ruiz

    Die FU will diese Blamage offenbar totschweigen oder abwarten ob Schavan ihren Prozess vielleicht doch gewinnt. Nur eine Sache: Am 5.9.11 kam Schavan wirklich gerade aus der Uni. Sie hat erst an der Uni Luxemburg einen Vortrag zum Thema gehalten und dann bei der KAS geredet.

  3. Danke für diesen Blog-Beitrag. Sehr lesenswert!

  4. Schanette Wahn

    Sehr geehrte Frau G.,

    ein vorzüglicher Artikel! Ich bitte jedoch um stillschweigende Korrektur eines kleinen Fehlers
    […]

    (Kommentar nicht zur Veröffentlichung bestimmt)

    Mit besten Grüßen
    Ihre Schanette Wahn

    • Sehr geehrte Frau Wahn,

      doch! Ihren Kommentar veröffentlichen wir. Denn wenn wir uns schon die Mühe machen und in diesen vorzüglichen *hust* Artikel extra noch einen kleinen Aufmerksamkeitsmelder einbauen, und wenn Sie den eingebauten Fehler dann aufmerksam bemerken und melden, dann haben Sie die Prüfung bestanden. Es entspricht unserer Transparency Compliance Policy, sowas dann auch zu veröffentlichen. Glückwunsch!
      Für alle anderen:

      brillant (im Deutschen häufige Falschschreibung „Brilliant“; zu frz. brillant, lat. berillus, griech. bêrillos ‚Beryll‘)

      Falls Sie das genau so jetzt auch in Wikipedia finden: Die plagiieren da hemmungslos.

  5. Pingback: Nichts Neues von Schavan? Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Honorarprofessuren | Erbloggtes

  6. Ich muss mich wundern: Hier hat Causa Schavan nicht gründlich recherchiert. Es wurden zahlreiche wichtige Veröffentlichungen übersehen! Ich nenne nur folgende:

    1983 hat Annette Schavan das Buch „Neuss: Bilder und Gedanken zur Heimat“ herausgegeben. Eindeutig ein Standardwerk der Regionaltheologie. Eine konsequente Fortentwicklung aus den Grundlagen für die Leitlinien ihres theologischen Denkens in der Dissertation.

    1986 erschien „Gott ist Licht“. Zu Lithographien des Neusser Künstlers Boris Fröhlich schrieb Schavan die passenden Texte.

    2000 hat sie mit Hans Joachim Meyer im Don Bosco-Verlag den Band herausgegeben: „Gott und den Menschen verpflichtet: Ansichten zum Katholizismus in Deutschland“. Weitere Bewährung der erwähnten theologischen Leitlinien. Es handelt sich um Beiträge zu einem Symposium des ZKs der deutschen Katholiken.

    2004 wurde veröffentlicht „Das Kirchenjahr in Wort und Bild“. Wieder Illustrationen von Boris Fröhlich, Texte von Annette Schavan und Wilhelm Gössmann.

    2006 ist die CD „Gesänge der Synagoge: Preist ihn seiner Welt zuliebe“ veröffentlicht worden. Gesungen werden die Gesänge aber nicht, sondern es spielt jemand sehr schön Cello, und Annette Schavan liest aus den Psalmen vor. An keiner Stelle behauptet sie, dass sie diese Psalmen geschrieben hätte. Spätestens dadurch hat sie sich die Honorarprofessur für Katholische Theologie redlich verdient.

    • Danke für die fundierte Kritik und substantielle Ergänzung.

      Ko-Autor Wilhelm Gössmann ist interessant. In Schavans Studienzeit war er Prof für Literaturwissenschaft an der PH Neuss, seit 1980 Uni Düsseldorf, und langjähriger Vorsitzender der Heinrich-Heine-Gesellschaft. Er war auch dichterisch ambitioniert, verfasste Texte zu religiösen Themen und solche darüber, wie man meditationstaugliche Blumengestecke anfertigt. Seine Frau ist die feministisch orientierte katholische Theologin Elisabeth Gössmann. Auf der entsprechenden Professur an der PH Neuss saß aber schon Uta Ranke-Heinemann …

      In der Causa Schavan hat Wilhelm Gössmann die Vorwürfe frühzeitig für absurd erklärt. Später hat er sich offenbar direkt an den Promotionsausschuss gewandt, ohne jedoch eine Antwort zu erhalten. Besonders aufschlussreich ist die kritisch gemeinte Feststellung der Rheinischen Post, dass weder der Doktorvater noch Gössmann im Verfahren angehört worden seien.

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