Lammert sagt der Uni ab: Solidarisch mit Plagiatorin Schavan

Der Jubiläumsbeauftragte der Universität Düsseldorf, Ulrich von Alemann, ist kürzlich auf die leicht skurril anmutende Idee verfallen, zum 50jährigen Bestehen der Hochschule als Festredner Norbert Lammert einzuladen. [1] Ausgerechnet den Bundestagspräsidenten, dessen Doktorarbeit gerade so wie die der gewesenen Wissenschaftsministerin Schavan unter öffentlich einsehbarem Plagiatsvorwurf steht. [2, 3] Allerdings hatte der zweite Mann im Staat mehr Glück mit seiner Alma Mater als Annette Schavan: Die Universität Bochum sah sich gar nicht erst veranlasst, ein ordentliches Prüfverfahren einzuleiten, und kehrte die Sache gleich hübsch unter den Teppich. [4]

Nun hat Festredner Lammert der Universität Düsseldorf nach anfänglicher Zusage eine Abfuhr erteilt: Er mag nicht kommen, denn wie die Universität mit der Angelegenheit seiner Kollegin Schavan umgeht, missfällt ihm sehr. Der Sprecher des Parlamentspräsidenten teilte mit, Lammert habe

unterschätzt, welche Bedeutung das Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades der damaligen Wissenschaftsministerin im Selbstverständnis der Hochschule habe. [5]

Sowas geht gar nicht: Hochschule mit Selbstverständnis

Stein des Anstoßes ist offenbar die „demonstrative Auszeichnung“ von Dekan Bruno Bleckmann und Prodekan Stefan Rohrbacher, die von Rektor Hans Michael Piper gerade erst die Universitätsmedaille erhielten: für „beispielhafte akademische Zivilcourage, da sie die Freiheit zur Kritik fehlerhafter wissenschaftlicher Arbeiten in einem Fall großer öffentlicher Einflussnahme mutig verteidigt haben.“ [6] Es ist nur zu verständlich, dass Lammert einer solchen Ehrung und dieser Begründung nichts abgewinnen kann. Obwohl im eigenen Fall ja gar nicht besonders viel öffentliche Einflussnahme nötig war, weil sich die Universität Bochum die Freiheit zur Kritik fehlerhafter wissenschaftlicher Arbeiten gar nicht erst nehmen wollte. Aber in die Situation seiner Kollegin kann er sich gut hineinversetzen. Und jetzt kommt er nicht, und Jubiläumsdirektor von Alemann kann sich einen neuen Festredner suchen. Vielleicht wird er jetzt bei Außenminister Steinmeier anfragen.

Die Rheinische Post, das bewährte Verlautbarungsorgan der Annette Schavan, hält es übrigens für ein „deutliches Signal aus Berlin“, dass Lammert abgesagt hat. Sie teilt nicht mit, was dieses Signal aus Berlin deutlich signalisiert: Angesichts der bisherigen Kommentarerstattung des Blattes im Fall Schavan erübrigt sich Näheres.

Die Ruhr-Universität Bochum ist übrigens 1962 gegründet worden. Der Lehrbetrieb wurde jedoch erst 1965 aufgenommen. Wie wir auf Anfrage von der Rheinischen Post erfahren haben, ist deshalb 2015 nochmals eine große Jubiläumsveranstaltung geplant. Als Festredner ist Norbert Lammert vorgesehen. Ersatzweise Annette Schavan.

 

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4 Antworten zu “Lammert sagt der Uni ab: Solidarisch mit Plagiatorin Schavan

  1. Pingback: Uni Düsseldorf feiert: Lammert kommt doch nicht! | Erbloggtes

  2. Was denn? Ist doch prima: Nobbi hat gemerkt, dass seine Anwesenheit unpassend wäre. Zu so viel Feingefühl ist nicht jeder Politiker in der Lage.

  3. Pingback: Die demonstrative Absage › Regierungsforschung

  4. Pingback: Was Karneval, Schavan und Düsseldorf miteinander zu tun haben | Der Nesselsetzer

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