Verlust der Sitte – Was Gleichmacherei und Twitter aus unserem schönen Wissenschaftsstandort gemacht haben

Gastbeitrag von Prof. Dr. Dr. mult. Hein-Schmöke Pufogel, stellv. Vors. der wissenschaftlichen Sauberkeitsstandarten-Allianz (SAUSTALL)

Die jakobinisch gnadenlose Hetzjagd gegen die verehrliche Frau Bundesministerin a.D. Prof. Dr. (s.s.ae.) Dr. h.c. Annette Schavan hat mit dem Schandspruch des Düsseldorfer Verwaltungsgerichtes vom 20. curr. ihren vorläufigen Abschluss gefunden. Der Kampf um die höchsten Güter, welche eine Nation besitzen kann – die geistigen! – ist damit freilich erst in seine entscheidende Phase getreten. Nun gilt es, die besten Kräfte zu sammeln, um den verwerflichen Umtrieben wissenschaftsloser Gesellen in diesem unserem geistigen Vaterlande endlich und endgültig die gebührende Antwort zu erteilen. Die SAUSTALL, die naturgesetzmäßige Verkörperung der Wissenschaft selbst, hat sich zu diesem Behufe bereits mit dem Bund Freiheit der Wissenschaft und den Abordnungen von Schützenbruderschaften aus allen Gauen auf die zuvörderst zu ergreifenden Maßnahmen verständigt.

Wie tief sind wir bereits gesunken, aus welchen Höhen abgestürzt! Wie weit haben wir uns von den hehren Vorstellungen und den Grundüberzeugungen unserer größten Denker entfernt! Vergebens mahnte Peter Sloterdijk die Düsseldorfer, dass der Doktortitel heilig zu halten sei wie die Würde des Priesters: Einmal vergeben, dürfe er nicht mehr durch Zweifel beschmutzt oder gar wieder aberkannt werden. [1] Es ist dieses tiefe Wissen, dass wir alle Priester sind, welches auch die SAUSTALL in ihrem Tun bestimmt.

Die heiligen Säulenhallen der Universität sind bereits dadurch entweiht, dass wir Unbefugten Einblick und Zutritt gewährten. Auch hierin stimmen wir dem Philosophen zu. Allein, es ist längst schon viel weiter gekommen. In dem Wahne, dass auch den Abkömmlingen helotischer Volksschichten die Pforten zu höherer Bildung zu öffnen seien, gaben wir jene von den Vätern tradierten Sitten und Gebräuche preis, welche akademische Zucht im zwiefachen Sinne des Wortes bedeuteten. Erschüttert stehen wir heute vor den Folgen.

Wie weit es bereits gekommen, offenbart ein Blick in die Spalten des Inter-Netzes. Nicht die Häme und die Verwünschungen, welche die Gemeinheit der gänzlich Ungebildeten hervorbringt, müssen uns berühren. Doch wenn die universitas von Subjekten öffentlich entehrt wird, welche unzweifelhaft selbst dem Gelehrtenstande angehören, dann muss dies alle ehrenhaften Mitglieder dieses Standes wachrütteln und sie müssen sich vereinen in dem Rufe: Stoßet sie aus! Stoßet sie aus!

Denn noch gibt es genügend Männer der Ehre in unseren Reihen. Da heißt es nun also wacker zusammengestanden, und hinfort mit jenen Jakobinern und geschworenen Feinden des akademischen Priestertums!

Empörendes vernimmt man aus Münster. An dieser Universität, welche einstmals einen guten Ruf besaß, sollen sich Professoren vor den Augen von Studenten und niederen Bediensteten ihres Institutes unter Freudenrufen förmlich beglückwünscht haben, als sie den Ausgang des Prozesses in Düsseldorf erfuhren. Empörendes auch aus München. Die Exzellenz-Universität hat unter der Führung ihres Präsidenten Bernd Huber, eines wackeren Mannes, Frau Schavan zum Mitglied des Hochschulrates bestimmt. Nach außen hin zeigte sich die Ludwig-Maximilians-Universität bisher geschlossen, doch die Saat der Zwietracht ist bereits gesät. So äußert sich nun ein Münchener Professor zur Berufung von Frau Schavan in den Hochschulrat:

Die Idee war gut, weil in Regierungen, Ministerien und Forschungsföderungsorganisationen Frau Dr., pardon Frau Schavan geschätzt wird. Die Universität, die ihr einen Posten im akademischen Betrieb geben würde, käme also in solchen Kreisen, die für eine Universität zählen, gut an. So haben wir von der LMU gedacht. So haben es auch die Mitglieder unseres Universitätssenats verstanden. Nicht alle an unserer Universität haben es verstanden. An einer Elite-Universität gehören nicht alle zur Elite.

Frau Dr., pardon Frau Schavan im Hochschulrat zu haben, ist für eine Universität viel wert. Natürlich geht es nicht wie mit einem Bankautomat. Regierungen, Ministerien und Forschungsföderungsorganisationen sind bei der Geldvergabe an Hochschulen nie so verlässlich wie Geldautomaten. Niemand kann uns von der LMU also vorwerfen, für die Berufung von Frau Dr., pardon Frau Schavan in unsren Hochschulrat hätten wir uns bezahlen lassen wollen. [2]

So, mit kaum verhohlenem Hohn, äußert sich ein Lehrer der Jugend über die eigene Alma Mater! Man wendet sich mit Grausen ab.

Auch die verdientesten Vorkämpfer unserer Allianz werden mit Häme und Verdächtigung überzogen. In einem der übelsten Blätter der Berliner Journaille ist eine aufhetzende Schmähschrift abgedruckt, deren Schreiberlinge sich nicht entblöden, von der SAUSTALL nach dem Düsseldorfer Richtspruch einen „Kniefall“ vor der dortigen Universität zu erwarten. [3] Unter den Zuschriften der Leser findet man solches Geschmiere:

Schade, dass diese „Allianz“ mit den Vertretern Zöllner und Olbertz nicht wegen Rufschädigung verklagt und zu Schadenersatz verurteilt werden kann. Schade auch, dass die Betrügerin Schavan sich immer noch großartig im Bundestag aufplustern kann. [3]

Sogleich wird sekundiert:

Nicht zu vergessen Herr Mlynek, für dessen größenwahnsinnige Projekte und Wünsche Frau Schavan jederzeit ein offenes Ohr hatte. Zum Beispiel für die Idee, die universitäre Forschung in Verbundprojekten dadurch zu gängeln, dass ihr Helmholtz-Institute wie das HZI und DKFZ übergeordnet wurden, statt sie gleichberechtigt zu beteiligen. Kein Wunder, dass solche Vorteilsempfänger wie Mlynek sich bei ihrer Gönnerin revanchieren wollten. Wirklich schade, dass niemand diese Opportunisten wegen Verstoßes gegen die gute wissenschaftliche Praxis belangt: Vertuschung, Leugnung, Begünstigung von Fehlverhalten war das ja wohl. [3]

Und ein weiterer Schmierant, der unverkennbar gleichfalls aus den Reihen unseres eigenen Standes auf uns feuert, schreibt:

Angesichts der gegebenen Sachlage hatten sich die hier angesprochenen „akademischen Pfauenfedern“ in Sachen „Exzellenz-“ und „Elite-*Forschung*“ ohnehin schon bis auf die Knochen blamiert. Ob aus purem Opportunismus oder aus politischem Kalkül oder aus sonst welchen Gründen, der dabei produzierte Druck auf die Uni Düsseldorf zeugte selber schon von einer Art Kontrollverlust. Bizarr ist geradezu gewesen, wie sehr die betreffenden Herrschaften jene an sich gebotenen wissenschaftlichen Standards plötzlich ins Lächerliche zogen („Verjährung“, „1980 *üblich*“, usw.). Sollten sie diese etwa selber gar nicht beherrschen? Noch gröber waren die geradezu hysterisch zu nennenden aggressiven Ausbrüche und das gewählte Vokabular („Hetzjagd“ u.v.a.m.), von akademischem Abwägen und gebotener Distanz keine Rede mehr.

Ich denke eher, die Betreffenden werden sich in die Etappe verziehen und das weitere Verfahren abwarten, damit sich alles etwas „verläuft“. Gelegentlich noch eine Nebelkerze, beizeiten noch ein kleiner Giftpfeil … Sie werden sonstwas tun, aber die Universität Düsseldorf bestimmt nicht um Entschuldigung bitten. [3]

Solche Zeugnisse einer umsichgreifenden Standesvergessenheit sind schmerzlich. Düsseldorf allerorten! Doch noch ist es nicht zu spät. Jener Schmierant hat Recht: Wir kapitulieren nicht!

Einer Anregung aus dem Morgenlande folgend hat die SAUSTALL dem Wissenschaftsrat heute den Vorschlag unterbreitet, dass in einer ersten Sofortmaßnahme zum Schutze der akademischen Jugend vor Schmutz und Schund der Zugang zu Twitter und Inter-Netz an unseren Universitäten unterbunden wird. Der Wissenschaftsrat hat seine Zustimmung bereits signalisiert.

Nun heißt’s erst recht: ad arma! Vivat academia! Vivat, crescat, floreat!

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4 Antworten zu “Verlust der Sitte – Was Gleichmacherei und Twitter aus unserem schönen Wissenschaftsstandort gemacht haben

  1. Was ist Dr. s.s.ae.?

    • Wir bemühen uns gerade um Kontakt zu Professor Pufogel oder einem anderen autorisierten Vertreter der Standartenträgerallianz, um diese wichtige Frage zu klären. Wie Sie sich wohl vorstellen können, ist das immer etwas schwierig.

    • Der Herr Professor Pufogel scheint den Kontakt mit uns derzeit zu meiden. Er empfindet den Gang der Ereignisse wohl als kränkend.

      Um die Sache dennoch aufzuklären, haben wir unsere bekanntlich hervorragenden Verbindungen zu gewissen Kreisen in den Vorhöfen des Vatikans spielen lassen und sind uns jetzt ziemlich sicher, dass es sich beim Dr. s.s.ae. um einen Doktorgrad sub specie aeternitatis handelt.

  2. Pingback: Stimmen zum Schavan-Urteil | Erbloggtes

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