Das Prinzip Honnefelder

In wenigen Tagen wird vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf die Klage der gewesenen Wissenschaftsministerin Schavan gegen den Entzug ihres Doktorgrades durch die Universität Düsseldorf behandelt werden. Da erscheint ein wenig Kaffeesatzleserei durchaus angebracht. Erbloggtes hat dazu heute schon ein Stück Reim-Prosa abgeliefert. Auf die Anschrift komme es an, liest Erbloggtes vom Boden seiner Tasse:

Vor Gericht könnte es nächste Woche auch genau darum gehen: Was sich die Universität Düsseldorf erlaubt, indem sie einfach so zu Ergebnissen kommt, die denen der erziehungswissenschaftlichen Autoritäten widersprechen. Oder denen der Alten Herren. [1]

Darum geht es jedenfalls gewiss den Recken der Wissenschaft, den wackeren Streitern für die Ehre der heiligmäßigen designierten Stuhlbotschafterin, unter denen wohl keiner so viel Eifer gezeigt hat wie Ludger Honnefelder. Der katholische Theologe, wahlweise auch Philosoph oder Wissenschaftsethiker hat nicht nur maßgeblich am Zustandekommen und an der Formulierung jener Grundsatzerklärung mitgewirkt, mit der im Juni 2012 im Namen der „Wissenschaft selbst“ aller unbefugten Plagiatsjagd ein Ende gemacht werden sollte, sondern später auch mit verschiedenen Papieren unmittelbar auf das Düsseldorfer Verfahren einzuwirken versucht. Auch an der fabelhaften Interdisziplinären Arbeitsgruppe „Zitat und Paraphrase“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die als argumentative Gulaschkanone der Schavan-Truppen funktioniert, ist er beteiligt. Wenn wir unseren Beitrag zur heutigen Kaffeesatzlektüre dem Versuch widmen wollen, die inhaltliche Stoßrichtung der akademischen Schavan-Verteidiger in der kommenden Woche vorherzusagen, dann ist ein honnefelderologischer Ansatz vielleicht nicht völlig verkehrt.

Wir stellen hier ein Schlüsseldokument vor, das tatsächlich nicht nur den wissenschaftlichen Horizont Honnefelders recht vollständig ausleuchtet, sondern auch – ungeachtet des doch etwas andersartigen Genres – in hervorragender Weise die Fundamente aufzeigt, auf denen die wissenschaftliche Verteidigung der Annette Schavan so zuverlässig ruht. Es geht um die Frage, warum Honnefelder glaubt, und warum er so glaubt, wie er glaubt. Also um’s Wesentliche. Da erscheinen Kürzungen nicht angezeigt. Hier also in voller Länge und ganz ohne störende Zwischenkommentare:

„Warum glauben Sie?“

Ich begann, Philosophie zu studieren. Und dann stellte ich fest, dass die Antworten, welche die Philosophie geben konnte, meiner Frage nicht genügten. Und deshalb begann ich, Theologie zu studieren, und die Theologie unterstützte meinen persönlichen Glauben. Und später studierte ich erneut Philosophie, denn um die theologischen Antworten zu verstehen, ist es sehr hilfreich, philosophische Mittel zu haben, und einen philosophischen Horizont.

„Warum glauben Sie also?“

Ich denke, es ist notwendig, Antworten zu erhalten hinsichtlich der grundlegenden, fundamentalen Glaubensvorstellungen und Überzeugungen, die man in seinem Leben hat. Und der Glaube ist der überzeugendste Weg, um die fundamentalen Überzeugungen und die grundlegenden Glaubensvorstellungen zu verstehen, aus denen heraus ein menschliches Leben gelebt werden kann. Und für mich war es persönlich diese Perspektive des Glaubens, die meinen Horizont öffnete, um meine eigene Lebensweise zu verstehen, und auch die Wirklichkeit.

„Warum sind Sie Katholik?“

Meine erste Antwort ist: Weil ich als Mitglied der katholischen Kirche geboren wurde und in der katholischen Kirche getauft bin. Doch später lernte ich, zu verstehen, was die Kirche „katholisch“ macht. Und deshalb bin ich … ich denke, äh, das ist, äh, das ist sehr wichtig, dass die Kirche katholisch ist, und dass es eine sehr umfassende Gemeinschaft ist. Und deshalb denke ich bis heute, dass die katholische Kirche die angemessenste Form ist, um in der Tradition des Glaubens und in der Tradition der biblischen Tradition fortzufahren, auf die Art, dass man die Lebensweise fortsetzt, die Jesus Christus der menschlichen Gemeinschaft eröffnet hat.

Ich denke, dass die Eigenart der katholischen Kirche – die ursprüngliche Botschaft der Kirche auf die angemessenste Art zu formulieren oder fortzusetzen … Es gibt auch andere Arten, die Botschaft der Bibel fortzuführen, doch die katholische ist die angemessenste, die überzeugendste und die umfassendste, denke ich. [2]

Schöner und eindrucksvoller kann man ein vollständig hermetisches Glaubensgebäude, eine Weltwahrnehmung fern jeder Gefahr der Verstörung durch Unbekanntes, Unzugehöriges wohl kaum beschreiben. Hier wird es schon für eine Öffnung des Horizonts gehalten, wenn man sich auf die Suche nach der Bestätigung dessen macht, was bereits in die Wiege gelegt war. Hier beißt sich die theologische Katze einfach immer wieder in den eigenen Schwanz, von dem sie glaubt, er gehöre schon zur Philosophie.

Von dieser Machart ist auch die ständige, penetrante Gesundbeterei, die von Honnefelder und seinesgleichen an der durchgehend und systematisch mit Plagiaten behafteten Doktorarbeit der Annette Schavan betrieben wird. Für alles Abweichende bleibt nur der Exorzismus.

Freuen wir uns also auf die nächste Woche.

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2 Antworten zu “Das Prinzip Honnefelder

  1. Bezeichnend für Honnefelders akademische Qualitäten ist, daß er nach Jahrzehnten als geisteswissenschaftlicher Hochschullehrer immer noch damit überfordert ist, obligatorische Kommata zu setzen, wie man z.B. an den beiden letzten Sätzen in seiner berüchtigten Schavan-Stellungnahme erkennen kann.

  2. Freuen auf die nächste Woche? Das ist ja, als würde sich ein Katholik auf das Jüngste Gericht freuen. Das geht nun wirklich nicht. Bangen, dass alles woran man geglaubt hat, sich als eitel Trug erweist und eine Welt zusammenbricht: Das geht. Und hoffen, dass doch noch alles gut wird. Aber doch nicht freuen!

    Wo kann man hier eine Kerze anzünden und für die Wissenschaft beten?

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