Causa Schavan fordert: Preis für Wissenschaftsjournalismus für Roland Preuß – sofort!

Gemeinsam mit seinem Kollegen Roland Preuß hat der SZ-Redakteur Tanjev Schultz den Plagiatsfall zu Guttenberg medial angestoßen, begleitet und aufbereitet. Im Dezember 2013 wurde Schultz für seine hierbei erworbenen Verdienste mit dem Universitas-Preis für Wissenschaftsjournalismus ausgezeichnet. Den vergibt die Hanns Martin Schleyer-Stiftung. Ort der Veranstaltung: Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach dem Preisträger sprach DFG-Präsident Peter Strohschneider. Als Titel für seine „Anmerkungen zum Wissenschaftsjournalismus in Deutschland“ hatte er eine bündige Zustandsbeschreibung gewählt: „Unter Druck“.

Mit Druck kennt sich der als robust geltende Strohschneider wohl ganz gut aus. In der Affäre Schavan hielt er sich öffentlich zurück, soll aber hinter den Kulissen umso massiver versucht haben, auf die Universität Düsseldorf einzuwirken. Tanjev Schultz dagegen war an diesem nächsten großen Wissenschaftsskandal, der auf den Fall zu Guttenberg folgte, wohl nicht mehr allzu interessiert und berichtete dazu nur gelegentlich und eher unbeteiligt, gewissermaßen vom Seitenaus her. [1] Der Zuerkennung des Universitas-Preises hat diese wissenschaftsjournalistische Abstinenz wohl nicht geschadet. Immerhin saß in der Jury neben Strohschneider mit Jürgen Mlynek zumindest noch ein weiterer prominenter Schavan-Apologet.

Ganz anders Roland Preuß! Dieser Held des Wissenschaftsjournalismus hat sich in die Sache Schavan nachgerade verbissen. Seine regelmäßig kenntnisfrei und meinungsstark zusammengeschriebenen Artikel waren nicht so übel wie die seltsam geifernden Schavaniaden, mit denen Heike Schmoll monatelang die FAZ-Leser traktierte, aber sie waren doch übel genug. So erweckte Preuß im Oktober 2012 den Anschein, dass ihm das Rohrbacher-Gutachten vorlag, und konnte darin nur eine „einzige gravierende Stelle“ ausmachen: Lediglich zur Seite 75/76 der ministeriellen Doktorarbeit sei anzumerken, dass Schavan „den wirklichen Autor […] gar nicht nennt“. [2] Als SZ-Leser wusste man also schon am 16. Oktober 2012, dass es sich um einen veritablen Fall von Peanuts handelte.

Tatsächlich hatte solche Preuß’sche Berichterstattung maßgeblichen Anteil daran, dass der Fall Schavan von interessierter Seite erfolgreich als Grenzfall, als Grauzonen- und Erbsenzählersyndrom verkauft werden konnte. Dieser Verkaufsstrategie leistet bis heute auch eine interaktive Grafik auf den Seiten von SZ Online Vorschub, die vorgaukelt, Einblick in das Rohrbacher-Gutachten zu geben. [3] An solchen journalistischen Unsauberkeiten hat sich Preuß offenbar nie gestört. Auch das Problem der immer deutlicher offenkundig werdenden Interessenverquickungen in Politik und Wissenschaftsbetrieb, die den Fall Schavan überlagerten, bekümmerte ihn wenig. Wozu investigativer Journalismus, wenn es auch ein wenig Empathie für eine sympathische mittelalte Dame tat? Außerdem war das alles ja so fürchterlich umstritten!

Preuß war auch der Erfinder der Düsseldorfer „Wildwest-Version“. Demnach hatte sich der Promotionsausschuss im Januar 2013 von der Auffassung des Ausschuss-Vorsitzenden Stefan Rohrbacher distanziert, der Schavan eine „leitende Täuschungsabsicht“ vorgehalten hatte:

Diese Wildwest-Version ist nun vom Tisch. So viel kriminelle Energie wäre auch eine Überraschung gewesen. [4]

Doch noch drohe Schavan Gefahr, denn womöglich habe sie seinerzeit im Promotionsverfahren unvollständige Angaben gemacht. Etwa indem sie nicht alle benutzten Hilfsmittel angegeben habe:

Ein Plagiat wäre so ein unerlaubtes Hilfsmittel – egal, ob es bewusst eingesetzt wurde oder aus Schlamperei. [4]

Aber selbst von Schlamperei konnte bei Schavan doch eigentlich nicht die Rede sein:

Die wurde in der Debatte zuletzt eher der Universität vorgeworfen, weil jemand den vertraulichen Rohrbacher-Bericht im Oktober an die Presse gegeben hatte. [4]

Dem Wissenschaftsjournalisten Roland Preuß dagegen wurde keine Schlamperei vorgeworfen, weil er haltlose Geschichten in die Welt setzte. Für die Ministerin war diese Geschichtenerstattung, die in kritischer Stunde unter der Überschrift „Kleine Ehrenrettung für Schavan“ erschien, übrigens wohl etwas weniger unangenehm als für die Universität, deren Verfahren auf diese Weise wieder einmal als völlig lächerlich vorgeführt wurde.

Und dann kam es doch zur Aberkennung des Doktorgrades. Die angebliche „Wildwest-Version“ war nie vom Tisch gewesen und wurde nun offiziell als Begründung für den Entzug benannt. Die Entscheidung fiel mit denkbar großer Mehrheit: Kein einziges Mitglied des Fakultätsrats stimmte gegen die Bewertung „Täuschung durch Plagiat“. Doch anderntags wusste Preuß, dass diese Entscheidung „nicht richtig“ war. Denn:

Die Causa Schavan ist ein Grenzfall, das zeigt schon die lange Prüfung durch die Universität. Das Fehlverhalten der heutigen Ministerin liegt mehr als 30 Jahre zurück. All das hätte man berücksichtigen, die Zitierfehler rügen – und es dabei belassen können. [5]

Es bedarf wohl keiner sonderlich langen Prüfung solcher Argumentation, um die Causa Preuß für einen Grenzfall zu halten.


Lange haben wir von Roland Preuß nichts mehr vernommen in wissenschaftsjournalistisch zu begleitenden Plagiatsangelegenheiten. Doch nun ist er zurück. Heute prangt in der Süddeutschen Zeitung ein Beitrag, in dem Roland Preuß den erlahmten Eifer deutscher Universitäten bei der Aufdeckung und Ahndung von Verstößen gegen die wissenschaftliche Redlichkeit nach Kräften anprangert.

„Die Universitäten haben keinen Bock mehr“

ist dieser strenge Artikel betitelt, und es kommt Preuß gar nicht in den Sinn, dass er selbst gehörig dazu beigetragen haben könnte, dass die Universitäten keinen Bock mehr haben: Keinen Bock mehr nämlich, sich von uninformierten und parteilich berichtenden und kommentierenden Journalisten schlechtschreiben zu lassen, wenn sie ihre Pflicht tun. „Prüfverfahren, die sich schier endlos hinziehen“, beklagt Preuß. Lauter Grenzfälle vielleicht? Plagiatsexpertin Debora Weber-Wulff ist sehr ernüchtert:

„Es ist sehr traurig, wie nachlässig einige Universitäten immer noch mit Plagiatsfällen umgehen“, sagt sie. [6]

Und Roland Preuß ist darüber auch sehr traurig:

Vor nun drei Jahren entspann sich die Plagiatsaffäre des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Der CSU-Politiker hatte seine Doktorarbeit dreist zusammengeräubert und ähnlich dreist versucht, das Problem kleinzureden. Nach heftigen Protesten von Wissenschaftlern bis hin zu Unionspolitikern trat er zurück. Mit diesem Präzedenzfall verbindet sich seitdem die Hoffnung, dass die Unis Plagiatsfälle ernster nehmen, ihre Vorschriften verschärfen und dann auch entsprechend Titel entziehen. [6]

Plagiatsvisualisierung (schavanplag)

Ja, und vor nun fast zwei Jahren entspann sich die Plagiatsaffäre der damaligen Wissenschaftsministerin Annette Schavan. Die CDU-Politikerin hatte ihre Doktorarbeit zwar nicht so dummdreist zusammengeräubert wie zu Guttenberg, aber ähnlich dreist versucht, das Problem kleinzureden, und Preuß hatte ihr dabei nach Kräften geholfen. Die Hoffnung, dass die Unis Plagiatsfälle ernster nehmen und dann auch entsprechend Titel entziehen, hatte bei ihm da wohl ein unbedeutendes kleines Zwischentief.

Jetzt aber ist er wieder voll dabei, wenn es gilt, an den Universitäten auf Sauberkeit zu achten. Da muss mal ordentlich Zug in die Butze! Die professoralen Schnarchsäcke müssen endlich mal auf Trab gebracht werden! Die Angelegenheit Schavan erwähnt Preuß in seinem heutigen Beitrag mit keiner Silbe. Eine Fakultät, die ihr Verfahren stur und unbeirrbar durchgezogen hat? Gegen ganz besondere Anfechtungen und wütende Anfeindungen sogar? Kennt Preuß nicht.

Lieber verweist er auf skandalöse Verhältnisse an der Universität Münster. Dort herrschten quasifeudale Zustände, auch ein Professor sei unter Plagiatsverdacht geraten. Trauriger Tiefpunkt:

An der Uni Münster kam der juristische Fachbereich auch noch auf die Idee, trotz offensichtlicher Plagiatsstellen eine Rüge zu erteilen statt den Titel zu entziehen – und schonte damit eine heutige Richterin. Eine Rüge freilich interessiert kaum jemanden. Und sie ist in den Promotionsordnungen der Universitäten gar nicht vorgesehen. [6]

Unerhört, sowas.

Denn das ist nun wirklich ein Plagiat. Und zwar eines der allerschlimmsten Sorte: Gedankendiebstahl! Die Uni Münster hat das dreist aus der Süddeutschen Zeitung zusammengeräubert. Trotz offensichtlicher Plagiatsstellen eine Rüge zu erteilen statt den Titel zu entziehen und damit eine damalige Ministerin zu schonen – exakt dies war ja die Idee des Roland Preuß gewesen! So hätte eine Düsseldorfer Entscheidung aussehen müssen, um von Roland Preuß für richtig gehalten zu werden. Weil eine Rüge kaum jemanden interessiert hätte. Und obwohl sie in den Promotionsordnungen gar nicht vorgesehen war.

Das Leben ist ungerecht zu Roland Preuß. Und deshalb, und wegen seiner Verdienste um den Wissenschaftsjournalismus in Deutschland, fordern wir nun öffentlich einen Preis für Wissenschaftsjournalismus für Roland Preuß.

Sofort!

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2 Antworten zu “Causa Schavan fordert: Preis für Wissenschaftsjournalismus für Roland Preuß – sofort!

  1. Wie passend, ein gelber (Wissenschafts-) Engel für R. Preuß. Wie sehen den die restlichen Platzierungen aus?

  2. Pingback: Die verlorenen Jahre des Martin W. und die Verwirrungen des Zöglings Preuß | Erbloggtes

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