Schavan zur Weihnacht: „Irres Menschenbild“ – Uni Düsseldorf war falsch verbunden

Alle Jahre wieder erfreut uns die WELT zur Weihnachtszeit mit einem großen Schavan-Interview. Das besorgt regelmäßig Jochen Gaugele, seines Zeichens Nachrichtenchef der WELT-Gruppe. Am 25.12.2011 lautete die Chefnachricht, die aus diesem Interview zu gewinnen war: „Meditation hilft – auch an verhangenen Tagen.“ [1] Vor einem Jahr dann durften wir an Heiligabend erfreut zur Kenntnis nehmen, dass die von der Plagiatsaffäre arg gebeutelte Ministerin ihre Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen erstellt hatte, und dass sie sich „derzeit intensiv“ mit den Plagiatsvorwürfen beschäftigte: Sie sprach „mit jenen, die viel Erfahrung in der Wissenschaft haben“, und ließ sich von ihnen die Haltlosigkeit dieser Vorwürfe bescheinigen. Im Übrigen wollte sie „Ministerin bleiben über die Bundestagswahl hinaus“ und verkündete:

Meine politische Arbeit für Bildung und Wissenschaft macht mir Freude wie nie zuvor und gewinnt in vielerlei Hinsicht an Bedeutung. [2]

Sie selbst drohte allerdings soeben in vielerlei Hinsicht an Bedeutung zu verlieren. Da galt es Kraft zu sammeln für bevorstehende Kämpfe. Die Festtage würde sie im Rheinland verbringen, bei der Familie, bei Mutter, Geschwistern, Nichten, Neffen und Gottesdiensten:

Ich wünsche mir wie selten zuvor Ruhe – und dass die Gottesdienste an Weihnachten zu einer Kraftquelle für das nächste Jahr werden. [2]

Doch die Ruhe, die sich Schavan zu Weihnachten 2012 wünschte wie selten zuvor, sie war ihr nicht vergönnt. Bereits am Zweiten Weihnachtsfeiertag musste sich die Ministerin für Bildung und Forschung – erneut in der WELT – zu einem Kernthema ihres Ressorts äußern, zum geplanten NPD-Verbot nämlich. [3] Tags darauf war von ihr zu erfahren, dass Technik die Pflege Älterer menschlicher machen könne. [4] Für die Pflege älterer Doktorwürden traf dies allerdings weniger zu. Düsseldorfer technizistische Textvergleiche führten schließlich im Februar 2013 zur Aberkennung des Doktorgrades und zum schmerzlichen Verlust des Ministeramtes.

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Das ist lange her – ein langes Jahr war es. Und fast mussten wir schon fürchten, dass die WELT das diesjährige Schavan-Interview zur Weihnacht versäumt haben könnte. Heiligabend verging, der Erste Weihnachtstag – doch dann endlich, am 26.12.2013, erschien das große WELT-Gespräch mit Annette Schavan doch noch und war nun um so schöner.

In der Print-Ausgabe der WELT ist diesem pressegeschichtlichen Ereignis eine Fotografie beigegeben, in der man getrost eine Ikone sehen darf. Zugleich sagt sie wohl mehr über die Fotografierte aus, als ihr in ihrem vorgeblichen Biedersinn lieb sein kann: Wir sehen eine wütende Frau, deren Weste weiß sein mag, vor einem mächtig düsteren Hintergrund jedoch seltsam irisierend wirkt. Ein Schatten – der des Betrachters – malt sich unmittelbar neben ihr groß und bedrohlich an die Wand. Die wütende, dunkel blickende Frau hat die Arme zum Schutz verschränkt, die linke Hand zur Faust geballt und wie zum Schlag leicht erhoben.

Im Interview zeigt sich die Person Annette Schavan heute so unangreifbar in ihrer Selbstgewissheit wie eh und je. Tatsächlich wird von dieser Person überhaupt recht wenig greifbar. Auch das war von jeher ein Markenzeichen Schavan’scher Selbstäußerungen: Sie sprach stets in vorgestanzten Worthülsen, die dann auch vielfach austauschbar waren und sich bei verschiedensten Gelegenheiten wiederverwenden ließen. Dieses Phrasenrecycling, mit dem sie ebenso gut die Zukunfts Zuckunftsfähigkeit der Kirche, der Wissenschaft oder der Runkelrübe abhandeln konnte, dieses schavanspezifische Verbalgleißen, es war eigentlich immer das gleiche Schwenken des Weihrauchfässleins in die eigene Richtung, mit gehöriger Vernebelung. Unerwünschtes ließ sich gegebenenfalls auch mit jenem kaltstählernen Kampflächeln knapp und endgültig abtun, das Annette Schavan beherrschte wie wenige sonst.

So auch heute. Allzu oft muss Annette Schavan dieses Kampflächeln allerdings nicht einsetzen, denn Jochen Gaugele meint es ja nur gut mit ihr. Was empfand sie am Tag der Vereidigung der neuen Minister – sie, die nicht mehr dabei sein durfte? Ach, das war schon nicht ganz leicht. Doch sie hat mit der zurückliegenden Phase ihres Lebens abgeschlossen und strebt nicht mehr nach hohen Ämtern. Die Teilnahme an Pilgerwallfahrten, die Besteigung von Predigtkanzeln verschiedener Konfession, all die innere Einkehr, an der wir im zurückliegenden Jahr dankenswerterweise stets lebhaften Anteil nehmen durften, sie hat längst auch zu einer Abkehr von mancherlei weltlichem Streben geführt. Das barmt die WELT: Wenigstens Ministerpräsidentin könnte sie doch noch werden, und wenn’s in Baden-Württemberg wäre! Denn Ministerpräsidentin war sie doch noch nie! Aber Schavan winkt ab:

Werde ich auch nicht sein. Ich öffne für mich eine neue Lebensphase. Ich kann wirken ohne Amt. [5]

Das klang nicht immer so, [6] aber mittlerweile haben sich die Dinge geklärt. Nicht zuletzt auf dem Wege der Kabinettspostenverteilung. Nun wirkt auch die für ihren brennenden Ehrgeiz bekannte Schavan ganz abgeklärt. Bei der Vereidigung der Minister war sie nur noch Zuschauerin und erlebte mit Wohlgefallen und fand sehr bedeutsam,

dass sämtliche Kabinettsmitglieder den Wunsch „So wahr mir Gott helfe“ ausgesprochen haben. Das ist ein Signal, das weit über die Politik hinausgeht. [5]

Auf ihrer Homepage ist Schavan da allerdings schon ein ganzes Stück weiter. Hier lässt sie die lieben Bürgerinnen und Bürger anlässlich der erfolgten Regierungsbildung wissen:

Die Ministerinnen und Minister der neuen Bundesregierung haben ihren Amtseid abgelegt. Übrigens alle mit dem Wunsch „so wahr mir Gott helfe“. Das ist ein schönes Zeichen für einen Konsens, der weit über die Politik hinausgeht. [7]

Ja, Schavan ist sich wohl treu geblieben in der Art der Textrestverwertung: Es kommt eher auf den gefälligen Wohlklang an, und nicht so sehr auf den genauen Sinngehalt. Und dass es sich bei den Worten „So wahr mir Gott helfe“ keineswegs einfach um einen „Wunsch“, sondern um eine Beteuerungsformel handelt: Für die Ex-Ministerin, die stets als Theologin wahrgenommen werden wollte und diese Formel selbst bei zahlreichen Gelegenheiten gesprochen hat, ist das offenbar kein Begriff.

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Damit wären wir dann bei der Doktorarbeit und dem Plagiatsvorwurf. Schavan empfindet die Aberkennung des Doktorgrades als ein Unrecht. Der ehemaligen Ministerin geht es nicht um den Titel, sondern „um ein Vorgehen, das ich zu hundert Prozent für falsch halte“. [5] Sie selbst erreicht in der eigenen Rückschau aus dem Abstand eines Jahres keine nennenswerte Fehlerquote. Auf die Frage, ob ihr in ihrer Doktorarbeit „einfach Fehler unterlaufen“ seien, kontert sie:

Es ging um Fragen an der Schnittstelle von Theologie, Philosophie und Pädagogik. Dazu gehörte auch, Gewissenstheorien zu referieren und nach ihrer Bedeutung für Gewissensbildung zu fragen. Da finde ich heute auch schwache Stellen, aber es gibt angesichts von 880 Fußnoten keine Zweifel über die Textquellen. Meine Arbeit wurde 30 Jahre lang als ein gutes Buch gesehen. [5]

Bei früherer Gelegenheit war der ärgste Vorwurf, den sie gegen sich selbst gelten lassen wollte, der des nichtpeinlichen „Zitierfehlers“, und:

Ich habe sorgfältig gearbeitet. Hier und da hätte man auch noch sorgfältiger formulieren können. Heute merke ich zum Beispiel, dass ich damals bei Freud noch ziemlich verdruckst war. [8]

Das war dann allerdings auch schon die äußerste, später nie wieder erreichte Konkretisierung der Ergebnisse einer vielfach beschworenen „intensiven Beschäftigung mit dem Text meiner Dissertation“. Als Folge jungmädchenhafter Verdruckstheit war der Plagiatsvorwurf durch die Düsseldorfer Fakultät freilich nicht behandelt worden. Stattdessen hatte man ihr vorsätzliche Täuschung zugeschrieben. Schavan gibt sich abgeklärt, aber sie kann auch im Gespräch nicht verbergen, was auf der Fotografie so offensichtlich ist. „Sie sind wütend“, stellt Gaugele fest und wird in bekannter Schavan’scher Manier beschieden:

Ich bin auf Zuckunft ausgerichtet. Die Geschichte darf in meinem Leben nicht bestimmend sein. Ich bin vor allem nachdenklich, weil ich ein solches Vorgehen nicht für möglich gehalten habe. [5]

Diese Nachdenklichkeit der Annette Schavan richtet sich freilich allein auf die Unsäglichkeiten, die ihr widerfahren sind, die ihr angetan wurden, und keineswegs auf Bedenkliches, das sie selbst zu verantworten hätte. Warum denn auch – wo sie doch nur das Opfer einer Intrige wurde? Denn der Anonymus „Robert Schmidt“, der den Plagiatsvorwurf im Mai 2012 öffentlich machte, hatte es ja auf ihren Sturz abgesehen. Das dürfte ja wohl klar sein. Gaugele fragt:

Ist Ihnen das Motiv des Gutachters, der Ihnen eine „leitende Täuschungsabsicht“ unterstellt, ebenso klar? [5]

Nein, sagt Annette Schavan. Es ist ihr nicht klar, aus welchem Motiv heraus der Düsseldorfer Prodekan Stefan Rohrbacher in seinem verhängnisvollen Gutachten eine „leitende Täuschungsabsicht“ unterstellt hat. Aber mit dieser Frage und der knappen Antwort ist nun auch dem letzten WELT-Leser deutlich geworden, dass der Gutachter unsauber, ja unredlich gearbeitet hat. Rohrbacher muss für seine Unterstellung der vorsätzlichen Täuschung ein Motiv gehabt haben. Vorerst bleibt dieses Motiv leider unbekannt. Vorerst.

Doch vielleicht liegt der Fall ja auch ganz anders. Vielleicht handelt es sich ja um einen Fall von akademischem Rinderwahnsinn. Schavan schaut in einen Abgrund:

Jemandem zu sagen, er habe vor 33 Jahren in seinem Text zum Abschluss des Studiums absichtlich getäuscht, ist mit einem irren Menschenbild verbunden. Das wäre ja glatter Selbstbetrug gewesen und nicht allein Betrug an Doktorvater und Fakultät. Ein Selbstbetrug massiver Art, den man in seinem Leben auch nicht vergessen würde. [5]

Schavan attestiert nicht nur dem Gutachter, sondern auch dem Düsseldorfer Fakultätsrat, der seinem Votum gefolgt ist, menschenbildliches Irresein. Mit einem irren Menschenbild verbunden sind demnach aber auch sämtliche anderen bislang vorgekommenen Aberkennungen von Doktorgraden, denn sie alle setzen ja nicht allein einen Betrug an Doktorvater und Fakultät, sondern auch glatten Selbstbetrug voraus. Mit einem irren Menschenbild sind demnach auch die Entscheidungen von Verwaltungsgerichten verbunden, die solch absurde Willkürmaßnahmen der Universitäten bislang fast ausnahmslos bestätigt haben – auch Jahre und Jahrzehnte nach der Promotion. Irre, einfach irre ist das. Demnächst werden wir Frau Schavan wohl als die Gründungsvorsitzende des gemeinnützigen Vereins Menschenbildlicher Irrsinnsopfer und Akademischer Unschuldslämmer MIAU e.V. erleben dürfen. Weitere Vorstandsmitglieder: Silvana Koch-Mehrin, Margarita Mathiopoulos und Karl-Theodor zu Guttenberg. Für die posthume Ehrenmitgliedschaft wollen wir an dieser Stelle die unvergessene Elisabeth Ströker vorschlagen.

Nein, Betrug und Selbstbetrug in akademischen Abschlussarbeiten sind natürlich grundsätzlich nicht denkbar. So haben ja auch die Erziehungswissenschaftler Heinz-Elmar Tenorth und Helmut Fend in ihrem Verriss des Rohrbacher-Gutachtens völlig zu Recht bemängelt, dass sich

Herr Rohrbach bei der Klärung der konkreten Textgestalt und der zu konstatierenden „Regelwidrigkeiten“ nicht auf den Urheber des Textes, sondern auf seine eigene Methode der Analyse

verlassen habe. [9] Dabei hätte er zur Klärung der Frage, ob getäuscht worden sei, doch einfach die Selbstauskunft der Autorin einholen können! Es ist absurd, wie im akademischen Elfenbeinturm oft die einfachsten Problemlösungen beharrlich übersehen werden. In Schavans eigenem Fall ist die Absurdität freilich noch dadurch erhöht, dass es sich ja um eine Doktorarbeit zu besonderem Thema handelt: Gewissensbildung! Schavan ist fassungslos:

Es ist eine Arbeit über Gewissensbildung gewesen. Die Vorstellung, jemand beschäftigt sich in jungen Jahren mit diesem Thema und erstellt einen Text mit Täuschung als Vorsatz, ist schlicht absurd. [5]

Einmal mehr zeigt sich hier auch die vertrauensvolle menschenbildliche Verbundenheit des betagten Doktorvaters mit seiner einstigen Doktorandin. Schon im Oktober 2012 stellte Gerhard Wehle diese entscheidende Frage:

Wie kann man eine Arbeit über das Gewissen schreiben und dabei täuschen? [10]

Die Antwort liegt auf der Hand: Das geht gar nicht.

absatz

Das große Interview der Annette Schavan zu besinnlicher Zeit war schon recht ertragreich. Es ist auch ein schönes Beispiel dafür, wie viel durch journalistische Selbstbeschränkung zu gewinnen ist. So hätte Jochen Gaugele natürlich auch die Frage stellen können, warum Annette Schavan der Universität Düsseldorf nach wie vor die Offenlegung der Unterlagen des Verfahrens verweigert? Warum sie also nicht will, dass sich die Öffentlichkeit ein eigenes Bild davon machen kann, auf welcher Grundlage und mit welchen konkreten Begründungen die Entscheidung des Fakultätsrats gefallen ist? Welches Interesse sie, die so reinen Gewissens und so fern jeden Selbstbetrugs ist, an fortgesetzten Mutmaßungen haben kann, wo die Universität konkrete und umfassende Information anbietet? Er hätte solche Fragen stellen können. Doch dann wäre die ganze schöne Weihnachtsstimmung sofort perdü gewesen.

Stimmung macht nach dem WELT-Interview der Annette Schavan auch die Rheinische Post. Das Düsseldorfer Qualitätsblatt „für christliche Kultur und Politik“ hatte stets so seine eigenen Vorstellungen von Hintergründen und Ablauf des Plagiatsskandals. Sie trafen sich im Allgemeinen recht genau mit den Vorstellungen von Annette Schavan. Am 27.12.2013 eröffnete Reinhold Michels den Prozeß zur Seligsprechung:

Um die Christdemokratin Annette Schavan (58), die das C im Namen ihrer Partei als Landes- und Bundesministerin in Stuttgart und Berlin stets ernst genommen hat, ist es stiller geworden. Das empfinden nicht wenige als bedauerlich, denn die gebürtige Niederrheinerin (Jüchen), die in Neuss aufwuchs und im dortigen Stadtrat aktiv war, hätte noch vieles zu sagen. [11]

Auch Michels spürt bei Schavan den „Zorn über die (noch nicht rechtskräftige) Aberkennung ihres Doktortitels“, den diese abstreitet („Zuckunft“, „vor allem nachdenklich“). Der angestrebten Beatifikation des heimischen Gewächses (Jüchen! Neuss!!) sollte das aber nicht entgegenstehen. Immerhin durchleidet sie ein Martyrium und ist im Begriff, dieser Welt zu entsagen:

Die unverheiratete Katholikin, die sich täglich in die Stundengebete vertieft, nach dem Rücktritt viel Zuspruch erfuhr und in ihrer persönlichen Krise Kraft aus dem Glauben schöpfte, will auch dann nicht mehr in die erste politische Reihe zurückkehren, sollte das Gericht ihr Recht geben. [11]

Doch so traurig das auch ist, und so sehr wir auch bedauern werden, dass Schavan zwar noch vieles zu sagen hätte, nun aber möglicherweise nicht mehr alles sagen wird: Der böse Feind hat nicht gänzlich gesiegt.

Der Versuch, Schavans akademischen Ruf zu beschädigen, verhinderte nicht, dass die angesehene Frau an der Freien Universität Berlin lehrt. Derzeit leitet sie ein Seminar über christliche Ethik. [11]

Dafür ist die frühere promovierte Erziehungswissenschaftlerin als nunmehr katholisch-theologische Honorarprofessorin bereits durch ein einschlägiges Kapitel ihrer Doktorarbeit bestens ausgewiesen. Es heißt „Das Gewissen in der christlichen Ethik“, erstreckt sich über die Seiten 215 bis 253 und zeichnet sich durch eine besondere Dichte von Textstellen aus, die ohne ausreichenden Nachweis aus fremden Texten übernommen wurden. Mehr als die Hälfte der Seiten dieses Kapitels werden bei schavanplag mit problematischem Befund aufgeführt, nämlich die Seiten 215, 216, 217, 218, 221, 222, 225, 227, 228, 229, 230, 231, 232, 233, 241, 243, 244, 245, 246, 251, 252.

Für eine eingehendere Behandlung im Rahmen eines Ethik-Seminars empfiehlt sich etwa S. 225 der Dissertation der angesehenen Frau. Ein überzeugenderes Beispiel für den Umstand, dass ein Text zahlreiche objektive Anzeichen der Täuschung aufweisen und dennoch von Ethik handeln, also gar nicht auf unethische Weise verfasst worden sein kann, dürfte sich so schnell nicht finden lassen.

8 Antworten zu “Schavan zur Weihnacht: „Irres Menschenbild“ – Uni Düsseldorf war falsch verbunden

  1. Erst am dritten Tage (Heiligabend, 1. Weihnachtstag, 2. …) ist sie — schurrnallistisch — auferstanden und wieder von dieser Welt. Aber nur für allenfalls fünf Minuten eines sehr schalen Ruhms. Vielleicht sollte sie um eine Anschlussverwendung beim Weltwirtschaftsforum in Davos betteln?

    • Annette Schavan bettelt nicht. So konnten auch nur besonders Böswillige ihre große Angela-Merkel-Suada in der WELT vom 26.11.2013 als absichtsvoll gelegte Schleimspur zur persönlichen Wiederverwendung missverstehen.

      Im Interview der Südwest Presse vom 17.9.2013 (kurz vor der Bundestagswahl) erklärt Schavan, dass sie im Ausschuss für Internationale Zusammenarbeit weitermachen werde: „Das weiß sie jetzt schon, schließlich müsse sie sich nicht mehr hinten anstellen. So viel Selbstbewusstsein darf sein.“

      So viel und noch viel mehr.

  2. Leider muss sich eine Annette Schavan in ihren öffentlichen Äußerungen ja immer noch eine gewisse Zurückhaltung auferlegen. „Irres Menschenbild“ ist schon erfrischend mutig. Aber es wäre da ja noch so viel mehr zu sagen … Dankenswerterweise übernehmen das andere, klarsichtige Mitmenschen mit deutlicher Aussprache wie zum Beispiel ein pensionierter Schulleiter aus Jülich. In seinem Blog schrieb er im Februar 2013:
    —————————————————————————
    Beschämende Arroganz der Hochschule
    Späte Erkenntnis von Personen ohne Gewissen

    Wenn Forschern das Augenmaß verloren geht, steht es schlimm um unsere Zukunft. Kapitalverbrechen verjähren nach 30 Jahren, eine vorbereitete Täuschungshandlung im Abitur nach 10 Jahren, eine Nachlässigkeit in einer Dissertation nie? Unerhört im doppelten Wortsinn ist es, den damaligen Doktorvater von Frau Schavan gar nicht anzuhören. Hat er sich nicht im Rigorosum davon überzeugt, dass die eingereichte Dissertation geistiges Eigentum der Autorin war? Demontiert die nachträgliche Feststellung der „Offensichtlichkeit der Täuschung“ nicht auch eben diesen Hochschullehrer? Woher nehmen die Professoren der traditionsarmen Universität die Gewissheit, es liege gar eine „vorsätzliche Täuschung“ vor? Wie rechtfertigen sie eine derart anmaßende Schuldzuweisung ohne Anhörung der so beschuldigten Person? Machen sie sich nicht zu lächerlichen Bütteln von Internet-Intriganten, die sich daran aufgeilen, Menschen öffentlichen Ansehens zu demontieren? Fühlen sie sich dem Mainstream menschenverachtender Grundhaltung so verbunden, dass sie sich dessen nicht einmal schämen? Nährt nicht die spürbare Selbstgefälligkeit und Kaltschnäuzigkeit des Sprechers, der den Fakultätsbeschluss vor den Kameras verkündete, den Verdacht der Voreingenommenheit? Hat eben dieser Sprecher nicht ein erbärmliches Bild von Überheblichkeit und Menschenverachtung fernsehöffentlich gemacht? Durch ihren Beschluss, die Art des Zustandekommens und die Form seiner Mitteilung haben die Fakultätsangehörigen ihr eigenes Nest unsäglich beschmutzt und eines erreicht: Den Verlust der Achtung vor ihnen. Sie haben die Grundvermutung, Forschung und Lehre an Hochschulen seien integer, bschämend widerlegt und damit dem Ansehen unserer Universitäten und unseres Landes noch mehr geschadet als dem Menschen, dem sie den Doktortitel aberkennen.
    Ceterum censeo:
    Offenbar sind jüngere Hochschulen wie Bayreuth und Düsseldorf überfordert, mit Augenmaß verantwortbare Entscheidungen zu treffen. Dann sollte man sie zur Wiedergutmachung verurteilen und ihnen die missbräuchlich verwendeten Rechte entziehen.
    —————————————————————————
    Für diese Tirade hat sich Annette Schavan „mit einer sehr persönlichen E-Mail“ bedankt. Besonders dankbar ist der Hinweis darauf aufzunehmen, dass Gewissheit nur aus Tradition erwachsen kann. Der Dank der soeben noch gewesenen Wissenschaftsministerin erstreckt sich offenbar auch auf die Forderung des älteren gewesenen Schulleiters, jüngeren Hochschulen das Promotionsrecht zu nehmen. Wir stimmen zu und fordern: Schluss mit dem Unsinn des Kooperationsverbots. Die Hochschulen dürfen nicht länger nur Ländersache sein. Es ist doch unerträglich, dass eine Bundeswissenschaftsministerin eine Uni, die ihr blöd kommt, nicht einfach dichtmachen konnte!

  3. Pingback: Neuausgabe der Akte Schavan | Erbloggtes

  4. Irres Artikelbild. Diese Tapete ist unnachahmlich. Inneneinrichtung, Hirsch, alles original. Sogar mit Ehrung für den „General Neunzig“ an der Wand. Causa Schavan ist eindeutig ein Insider-Job. Gebt es zu!

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