Zutiefst wissenschaftsfern: Geschichte ohne Zulassung

Annette Schavan wusste immer, worum es in der Geschichte in Wahrheit ging. Um die Wahrheit jedenfalls nicht. Die Wahrheit aber ist der Endzweck der Wissenschaft, heißt es bei Ernst-Wolfgang Böckenförde. Also ging es in dieser Geschichte nicht um Wissenschaft. “Wissenschaft droht hier für andere Zwecke missbraucht zu werden“, erklärte sie im Januar, [1] und dass sie sich „gerade deshalb“ als Kandidatin für die Wissenschaft Bundestagswahl nominieren lassen musste. Doch in Düsseldorf verhallten ihre warnenden Hinweise ungehört. Und nun war es genug. Jetzt hat sie, noch ganz Ministerin, der Geschichte die Zulassung entzogen.

In Friedrichshafen war soeben Schlossgespräch. Es ging um Resilienz, also um die Fähigkeit, auf Veränderungen, Störungen und Beeinträchtigungen wie ein Stehaufmännchen reagieren zu können. Das war die passende Gelegenheit für Schavan, um öffentlich zu erklären: Der Entzug des Doktorgrades war eine „zutiefst wissenschaftsferne Entscheidung“. [2] Die Universität hatte alles andere als die Wissenschaft im Sinn. Schavan dagegen: Schavan ging es stets um die Integrität, und zwar ganz uneingeschränkt, weshalb sie die Sorge um die Integrität der Wissenschaft persönlich vollständig in die Sorge um die Integrität ihrer Person integriert hat:

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben. Es geht um Integrität und es geht darum, dass man solche Geschichten nicht zulassen darf, weil sie nicht nur der betroffenen Person, sondern der Wissenschaft schaden. [2]

Das war’s dann wohl. Jetzt steht sie ohne Zulassung da, die Geschichte.

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5 Antworten zu “Zutiefst wissenschaftsfern: Geschichte ohne Zulassung

  1. „Eine Bezugsperson sei dennoch das Wichtigste. Das bestätigt auch Annette Schavan, vielleicht mit Blick auf den emeritierten Wissenschaftler, der ihr bestätigt hat, dass die Plagiatsvorwürfe haltlos seien.“

  2. In der Schwäbischen wird auch über die
    Friedrichshafener Veranstaltung berichtet:

    „Im ersten Moment habe sie die Plagiatsvorwürfe für ‚Quatsch
    und Spinnerei‘ gehalten und sei davon ausgegangen, dass
    ‚der Spuk in sechs Wochen vorbei ist‘. Doch nach einem
    Artikel im ‚Spiegel‘ sei ihr klar gewesen, gehen zu müssen.“

    Wenn man ihr die erste Reaktion glauben will, muss ihr
    Arbeitsstil für sie wohl völlig unproblematisch gewesen sein.

  3. Dieses Muster dürfte Uli Honess gefallen: Die Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben. Es geht um Integrität und es geht darum, dass man solche Geschichten nicht zulassen darf, weil sie nicht nur der betroffenen Person, sondern dem Fußball schaden.

  4. Was ich mit dem Honess-Beispiel sagen wollte ist, dass Schavans Argument von Integrität und Schaden an der Wissenschaft usw. ein Scheinargument ist. Schavan geht auf die eigentlichen Vorwürfe nicht ein und versucht ein weiteres Nachdenken über die Vorwürfe durch ein moralisches Argument zu unterbinden.

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