Deutscher Hochschulverband stellt sich gegen „überführte Plagiatorin“ Schavan

Mit außergewöhnlicher Schärfe hat der Deutsche Hochschulverband gegen die Wahl von Annette Schavan in den Hochschulrat der Ludwig-Maximilians-Universität Stellung bezogen. Die Süddeutsche Zeitung zitiert den Pressesprecher des DHV, Matthias Jaroch, mit den Worten:

„Die Berufung von Frau Schavan in ein bedeutendes Leitungsamt einer Exzellenzuniversität widerspricht dem akademischen Comment und ist ein Affront gegenüber den Kollegen der Universität Düsseldorf. Führende Positionen in der Wissenschaft können nur diejenigen übernehmen, deren akademische Integrität außer Zweifel steht.“ Schavan hingegen habe derzeit „den Status einer durch die Universität Düsseldorf überführten Plagiatorin“. [1]

Zugleich macht der DHV deutlich, wie er die Relevanz der noch anhängigen Klage der ehemaligen Wissenschaftsministerin gegen die Entscheidung der Düsseldorfer Fakultät einschätzt: „Innerhalb des akademischen Betriebs“ sei das Verfahren bereits abgeschlossen.

Der Senat der LMU, der am 18. Juli 2013 einstimmig für die Berufung Schavans in den Hochschulrat votiert hatte, war erst im Juni neu gewählt worden. Es ist nicht ohne Pikanterie, dass bis dahin auch der  Physiker Ulrich Schollwöck, Erster Vizepräsident des DHV, dem LMU-Senat angehört hatte.

Die Süddeutsche Zeitung weiß auch von wachsendem Unmut an der Universität zu berichten. So halte der Dekan der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften, Hubertus Kohle, Schavans Wahl in den Hochschulrat

für „ein eigentümliches Signal gegenüber den Studenten“, denen man sauberes wissenschaftliches Arbeiten vermitteln wolle. Wegen des Gerichtsverfahrens wolle er „nicht den Stab über Frau Schavan brechen. Aber wenn sie damit nicht durchkommt, müsste klar sein, dass sie nicht mehr dabei sein kann“. [1]

LMU-Präsident Bernd Huber hatte dagegen erkennen lassen, dass eine solche Konsequenz für ihn keineswegs zwingend sei. Noch vor wenigen Tagen kommentierte er Einwände, dass Schavan den Doktortitel endgültig verlieren könnte und man dann über ihren Sitz im Hochschulrat wohl noch einmal „grundsätzlich reden“ müsse:

Ich will nur daran erinnern, dass das Plagiats-Verfahren bei Frau Schavan, das da an der Universität Düsseldorf stattgefunden hat, alles andere als unumstritten war. [2]

Derzeit weilt Huber auf Dienstreise in Asien. Es mag sein, dass er bei seiner Rückkehr in München eine etwas veränderte Situation vorfindet. Eine Hochschulrätin, die nach der öffentlich vertretenen Auffassung des Deutschen Hochschulverbandes derzeit den Status einer überführten Plagiatorin genießt, könnte bereits jetzt und ganz unabhängig vom Ausgang irgendwelcher Verwaltungsgerichtsverfahren für zu viele Studierende, Mitarbeiter und Professoren als nicht mehr tragbare Belastung für die Universität erscheinen.

An der Klugheit des Präsidiums und des Senats dieser Exzellenzuniversität darf jedenfalls heftig gezweifelt werden.

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14 Antworten zu “Deutscher Hochschulverband stellt sich gegen „überführte Plagiatorin“ Schavan

  1. Was ist denn der „akademische Comment“? War vielleicht der akademische „common sense“ gemeint?

    • Comment pensez-vous?

      • Im Zitat des Pressesprechers des DHVs, Matthias Jaroch.

      • Womöglich hat die Comment-Sprechweise etwas mit Burschenschaften, Duellen, und den Ehrenregeln akademischer Spezialverbindungen zu tun.

      • Zur Einführung sei empfohlen:

        „Dissertatio de norma actionum studiosorum seu Von dem Burschen-Comment, edita ab renommista rerum bursicosarum experientissimo eodem que intrepido horribilique Martiali Schluck Raufenfelsensi“, 1780.

        Das Werk hat immerhin 20 Seiten Umfang und schließt mit einer Fußnote, die auf Tacitus verweist. Das ist mehr, als man von mancher Doktorarbeit aus neuerer Zeit sagen kann.

  2. Pingback: VroniPlag – eine Innenansicht | Erbloggtes

  3. Der von neulich

    Du meine Güte! Was für Zeiten!
    In der Tacitus-Fußnote stimmt die Stellenangabe, paßt der Beleg zum Haupttext und ist nur ein einzelnes, dem Kontext ganz gemäßes Wort aus der Quelle übernommen. Und das alles in einem Spaß-Schriftchen von 1780 …

  4. Pingback: Putsch an der Ludwig-Maximilians-Universität München? Neue Regierungsform “Jubeldemokratie” | Erbloggtes

  5. Pingback: Schavans SchweLMUrks-Netzwerk | Erbloggtes

  6. http://erbloggtes.wordpress.com/?s=barz
    „Entschuldige, aber es konnte nichts gefunden werden. Versuche es mit anderen Schlüsselwörtern erneut.“

    Tja, hier vielleicht etwas OT, aber vielleicht wäre das ja eine Gelegenheit, sich in einem analytischen Beitrag auch mal damit zu beschäftigen:

    http://www.cicero.de/salon/plagiat-plagiatsj%C3%A4ger-schavan-guttenberg-steinmeier-universit%C3%A4t-schluss-mit-der-willkuer-an-hochschulen/56230

    Interessant – neben den gängigen kernig-vormodernen Assoziationen wie „Plagiatsinquisitor“ und „Internetpranger“ (und natürlich fehlt später auch die Verjährungsidee nicht) – ist jedenfalls die Gegenüberstellung des Prozederes bei Guttenberg-Bayreuth und Düsseldorf-Schavan. Ob sich für den Bildungsforscher auch noch irgendwo ein Plätzchen in einer Grafik zu Frau Sch. finden ließe?

  7. Pingback: Schavans Rechtsweg terminiert | Erbloggtes

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