Honnefelder: „Auf gute wissenschaftliche Praxis gut achten!“

„Entwarnung für Annette Schavan“ meldete vor einigen Tagen das Nachrichtenmagazin FOCUS. Denn es gibt ein neues Gutachten, das die Ministerin von den Plagiatsvorwürfen entlastet. Erstellt wurde es von Ludger Honnefelder, und zwar „auf eigene Initiative hin“, wie es im FOCUS heißt.

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Schön war’s damals im Cusanuswerk:
Annette und Ludger haben schon bessere Zeiten gesehen

Bei der WELT fand man diese Formulierung wohl zu merkwürdig. Das feine Sprachgefühl der WELT-Journalisten wies sie darauf hin, dass man eigentlich nichts auf eigene Initiative „hin“ tun kann. In der WELT steht deshalb unter Berufung auf den FOCUS, Honnefelder „habe im Auftrag Schavans eine Expertise erstellt“.

Aber mit Sprachgefühl allein kann man im Journalismus keinen Blumentopf gewinnen. Die Kollegen vom FOCUS sind ganz einfach besser informiert und wissen, wie es sich mit Annette Schavan und Ludger Honnefelder verhält: Nämlich so, dass die Formulierung „auf eigene Initiative hin“ nur als angemessen bezeichnet werden kann.

Der katholische Philosoph Honnefelder und die Ministerin kennen sich seit uralten Zeiten. Unmittelbar nach ihrer Promotion erhielt die junge Annette Schavan 1980 ihre erste Anstellung als Referentin beim Cusanuswerk, dem Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche, dessen Leitung 1982 Honnefelder übernahm. Nach einem dreijährigen Intermezzo als Abteilungsleiterin im Generalvikariat Aachen kehrte Schavan 1988 zum Cusanuswerk zurück, wo sie die Geschäftsführung übernahm. Leiter war nach wie vor Honnefelder – bis 1991, als Schavan seine Nachfolgerin wurde.

Schavan und Honnefelder haben sich nie aus den Augen verloren. Ihre Wege haben sich ständig gekreuzt, zum Beispiel in der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft, die das Ziel verfolgt, „in Bewahrung ihres im katholischen Glauben wurzelnden Gründungsauftrages wissenschaftliches Leben auf den verschiedenen Fachgebieten anzuregen und zu fördern“. Zahlreiche gemeinsame Tagungsaktivitäten und Buchpublikationen zeugen von fortdauernder enger Verbundenheit der beiden.

Honnefelder war schon im Juni 2012 als Mitunterzeichner einer hochtrabend verschwiemelten öffentlichen „Klarstellung“ hervorgetreten, mit der „die Wissenschaft selbst“ dem Treiben der Plagiatssucher ein Ende machen wollte. Inzwischen firmiert „die Wissenschaft selbst“ bekanntlich unter der Adresse „Allianz der Wissenschaftsorganisationen“. Als solche hat sie vor wenigen Tagen in einer öffentlichen Erklärung gefordert, dass das Düsseldorfer Prüfverfahren gefälligst nicht nach den entsprechenden rechtlichen Vorschriften, sondern nach Regeln guter wissenschaftlicher Praxis abzulaufen hat, und hat diese Regeln bei der Gelegenheit freundlicherweise auch gleich neu dazuerfunden.

Nicht nur die Düsseldorfer Uni, sondern auch der bundesweite Philosophische Fakultätentag und der Deutsche Hochschulverband zeigen sich in der Sache momentan noch ausgesprochen bockig. Honnefelder dagegen darf als grundsatztreuer Verfechter der guten wissenschaftlichen Praxis gelten. Auf die muss man gut achten, denn sie ist offenbar in großer Gefahr. Man kann sehr zuversichtlich sein, dass er in seinem Gutachten nicht nur auf seine langjährige Weggefährtin Schavan, sondern auch auf die gute wissenschaftliche Praxis gut achtet. Dieses Gutachten liegt inzwischen auch der Uni Düsseldorf vor. Die hat es aber „bisher nicht öffentlich gemacht“, was der FOCUS offenbar kritikwürdig findet.

Trotzdem dürfen wir jetzt schon von Ludger Honnefelder lernen, was gute wissenschaftliche Praxis ist. Denn während die Universität sein Gutachten zur Doktorarbeit von Annette Schavan unter der Decke hält, hat Honnefelder ein weiteres wichtiges Papier verfasst und öffentlich gemacht: Eine 6 Seiten lange „Stellungnahme zu der Sachverhaltsdarstellung von Prof. Dr. S. Rohrbacher zu den Plagiatsvorwürfen gegenüber der Dissertation von Dr. A. Schavan“. Die Stellungnahme fällt vernichtend aus: Das Gutachten des Düsseldorfer Prüfers taugt nichts. Die Fakultät sollte sich unbedingt auf das ganz hervorragende, „analytisch eingehende und mit wohl erwogenen Gründen argumentierende Fachgutachten“ verlassen, das die Berliner Erziehungswissenschaftler Dietrich Benner und Heinz-Elmar Tenorth schon im Mai 2012 vorgelegt hatten. Zumindest für die überragende Seriosität des Kollegen Tenorth wird sich Honnefelder auch persönlich verbürgen wollen.

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Heinz-Elmar Tenorth (links) und Ludger Honnefelder (rechts) in schmuckem Ambiente beim Bund Freiheit der Wissenschaft, 17.11.2012

Benner und Tenorth waren im laufenden Verfahren der Universität nicht um ein Gutachten gebeten worden, sondern hatten es wohl auf eigene Initiative hin verfasst und in die Frankfurter Allgemeine Zeitung gesetzt. Als Verfechter guter wissenschaftlicher Praxis findet Honnefelder das vorbildlich und tut es ihnen nun mit der Veröffentlichung seiner Stellungnahme nach.

Die Zusammenarbeit mit der Presse ist für Honnefelder überhaupt eine Voraussetzung guter wissenschaftlicher Praxis. Seine Stellungnahme zu der Sachverhaltsdarstellung von Prof. Dr. S. Rohrbacher zu den Plagiatsvorwürfen gegenüber der Dissertation von Dr. A. Schavan zeigt das gleich in den ersten Zeilen. Denn Honnefelder verschweigt seine Quellen nicht. Er verschleiert sie auch nicht. Er sagt gleich zu Anfang und er sagt gleich zweimal, woher er die Sachverhaltsdarstellung kennt, die er gründlich geprüft hat und zu der er dann 6 Seiten lang Stellung nimmt.

Ludger Honnefelder kennt diese von ihm so gründlich geprüfte Sachverhaltsdarstellung „den Pressemitteilungen nach“. Und er beurteilt sie „nach den Pressemitteilungen“.

Das ist in Ordnung so. Fragen Sie Dietrich Benner. Oder Heinz-Elmar Tenorth. Oder fragen Sie doch gleich Annette Schavan.

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Eine Antwort zu “Honnefelder: „Auf gute wissenschaftliche Praxis gut achten!“

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