Allianz versichert: Schavan, Koch-Mehrin – Beide Erklärungen sind echt

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen hat jetzt eingeräumt, dass ihr ein grobes Missgeschick unterlaufen ist: Horst Hippler, der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz und zur Zeit Sprecher der Allianz, hatte kürzlich zur Causa Schavan eine gewichtige Grundsatzerklärung abgegeben und dabei den Eindruck erweckt, dass sich die Vertreter der deutschen Spitzenwissenschaft nun gegen die Ministerin stellen. Er hatte jedoch versehentlich zu einer Erklärung der Allianz vom 24. Juni 2011 gegriffen und auch nicht bemerkt, dass sich dieses Papier nicht auf Schavan, sondern auf den Fall der Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin bezog.

hippler

Steht nun doch ganz dicht hinter ihr: Horst Hippler von der Allianz der Geldspritzenspitzenwissenschaftler

Eifrige Assistenten versuchten noch während der Pressekonferenz, Hippler auf seinen Irrtum aufmerksam zu machen. Aber der wackere Verfechter wissenschaftlicher Standards und Prinzipien war am Mikrofon schon heftig in Fahrt geraten:

Wissenschaftlicher Fortschritt und Innovationen, letztlich also der Wohlstand in unserem Land, beruhen maßgeblich auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Redlichkeit und Vertrauen. Erfolgreiche Wissenschaft kann es ohne den sorgfältigen Umgang mit Quellen, ohne die unmissverständliche Unterscheidung fremden und eigenen Wissens, ohne Dokumentation und ohne die kritische Diskussion der eigenen Forschungsergebnisse durch die jeweiligen Fachkolleginnen und -kollegen nicht geben. [1]

Den zunächst diskreten und zunehmend verzweifelten Winken der Helfer im Hintergrund schenkte er in seinem Eifer keine Beachtung und ließ sich schließlich sogar zu einem fatalen Finale hinreißen:

Deshalb hält die Allianz es für nicht akzeptabel, wenn Frau Schavan in der Bundesregierung weiterhin das Ministerium leitet, das für die Wissenschaft in diesem Land zuständig ist.

Den Assistenten blieb nur noch, die aktuelle Erklärung der Allianz zum Fall Schavan zu verteilen. Die Verwirrung war perfekt, denn die beiden Erklärungen könnten kaum widersprüchlicher sein. Im Fall der Ministerin Schavan ist die Allianz nämlich durchaus nicht der Auffassung, dass es

ohne den sorgfältigen Umgang mit Quellen, ohne die unmissverständliche Unterscheidung fremden und eigenen Wissens, ohne Dokumentation und ohne die kritische Diskussion der eigenen Forschungsergebnisse durch die jeweiligen Fachkolleginnen und -kollegen

keine erfolgreiche Wissenschaft geben kann und dass eine Person, die solch strenge Maßstäbe verfehlt, nicht für die Wissenschaft stehen darf. Und im Fall der Silvana Koch-Mehrin wiederum war die Allianz durchaus nicht der Auffassung, dass

das Mehraugen-Prinzip, die Trennung von Begutachten, Bewerten und Entscheiden sowie eine angemessene Berücksichtigung des Entstehungskontextes […], dessen inhaltliche Bewertung nur auf der Basis einschlägiger fachwissenschaftlicher Expertise vorgenommen werden kann [2]

unverzichtbare Voraussetzungen für eine Entscheidung über den Entzug eines Doktorgrades sind, wie sie es jetzt in ihrer aktuellen Erklärung zum Fall Schavan als selbstverständlich voraussetzt.

Inzwischen hat Hipplers Stellvertreter, Prof. Dr. Dr. mult. Hein-Schmöke Pufogel von der Wissenschaftslotto-Stiftung, für Klarstellung gesorgt. Unter Verweis auf das seit 1516 unverändert bestehende Reinheitsgebot der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erklärte er, dass es sich bei der Allianz der Wissenschaftsorganisationen um die naturgesetzmäßige ultimative Verkörperung der Wissenschaft selbst handle. Als solche sei sie über jeden Nachweis ihrer Echtheit, Authentizität oder Autorisation erhaben. Dies gelte auch für ihre Erklärungen, die grundsätzlich für echt, gerechtfertigt und widerspruchsfrei zu halten seien. Auf Nachfrage versicherte Pufogel ausdrücklich, beide Erklärungen seien echt, und fügte noch hinzu:

Die Behauptung, zwischen den Erklärungen der Allianz zu den Fällen Koch-Mehrin und Ministerin Prof. Dr. Schavan bestünden Widersprüche, erweist sich bei angemessener Berücksichtigung des Entstehungskontextes als völlig unbegründet. Erfolgreiche Wissenschaftspolitik kann es ohne die unmissverständliche Unterscheidung zwischen nützlichen Ministerinnen und verzichtbaren Europa-Parlaments-Schnepfen nicht geben.

Die bisher wenig bekannte Allianz der Spitzenwissenschaftsorganisationen hat die Rechtsform einer Ehrenwerten Gesellschaft. Als naturgesetzmäßige Körperschaft des nichtöffentlichen Rechts ist sie von der lästigen Verpflichtung befreit, sich eine Satzung zu geben, Mitgliederversammlungen abzuhalten, einen rechenschaftspflichtigen Vorstand zu wählen. Dieser ganze Schnickschnack entfällt, so dass die Allianz ungestört ihrer wichtigsten Aufgabe nachgehen kann: Der Mehrung des Wohlstands in unserem Land durch wirtschaftlichen Fortschritt und Innovationen [2]. Diese Aufgabe nimmt sie sehr erfolgreich wahr: Gewaltige Summen stellt die Ministerin für Bildung und Forschung den Forschungsorganisationen zur Verfügung, damit diese wirtschaftlichen Fortschritt und Innovationen auf den Weg bringen, damit diese den Wohlstand in unserem Land wachsen lassen.

Das wird auch in Zukunft so weiter gehen. Hoffentlich. Die Allianz versichert, dass dieser Kontext bei der Entstehung ihrer Schavan-Erklärung angemessen berücksichtigt wurde.

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