Fragen Sie RA Bongartz

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Kostenlose Rechtsberatung / rechtliche Auskunft

Aufgrund vielfältiger anderweitiger Verpflichtungen und aus berufsständisch-ethischen Erwägungen können wir kostenlose Rechtsberatung bzw. rechtliche Auskunft nur in eingeschränktem Ausmaß erteilen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass nur Anfragen von Persönlichkeiten berücksichtigt werden können, die nachweislich im Zusammenhang mit der Causa Schavan hervorgetreten sind oder anderweitig Anspruch auf Prominenz erheben können.  

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11 Antworten zu “Fragen Sie RA Bongartz

  1. Heike Sch. aus F.

    Frau Heike Sch. aus F. fragt uns:

    Es widerspricht den gängigen Verfahrensweisen, dass das Düsseldorfer Gutachten von einem einzigen Wissenschaftler stammt. Das Vier-Augen-Prinzip, das bei der Beurteilung der Dissertation gilt, muss auch bei der Überprüfung von Plagiatsvorwürfen gelten. Zudem wird die Überprüfung der Vorwürfe in dem Gutachten systematisch mit der Überprüfung der Täuschungsabsicht vermischt. Genau das hatte die Universität Bayreuth im Fall Guttenberg bewusst vermieden. Muss all dies nicht die konzentrierte Arbeit der Universität Bayreuth an der Dissertation des Karl-Theodor zu Guttenberg im Nachhinein als geradezu untadelig erscheinen lassen?

    • Sehr verehrte Frau Sch.,

      recht haben Sie – wenn damals das Vieraugenprinzip ausreichend war und außer dem Doktorvater und dem Zweitgutachter niemand bei der Beurteilung der Dissertation mitzureden hatte, dann ist die Einsetzung einer 7- (sage und schreibe: sieben-) köpfigen Kommission für die Beurteilung der Plagiatsvorwürfe doch wohl eine üble Verschwendung von Steuergeldern! Es ist sogar zu befürchten, dass eine solche Kommission mehr als nur einmal tagt. Hier wird ein vollkommen sinnloser Aufwand getrieben. Es ist dringend zu wünschen, dass sich der Landesrechnungshof für derlei Dinge interessiert. Gerade in diesem speziellen Fall hätte man die Kosten nämlich leicht minimieren können – auf nicht mehr als 2,10 Euro: So viel kostete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Sie werden das Blatt vielleicht kennen?) am 24. Mai 2012 an jedem Kiosk der Republik.

      Nicht weniger wichtig ist der juristische Aspekt: Die Anwendung des jetzt praktizierten Vierzehn(!)augenprinzips bedeutet eine erhebliche Schlechterstellung der Betroffenen und dürfte jeden Anlass für die Feststellung von Verfahrensfehlern bieten.

      Die Überprüfung der Frage, ob eine Täuschungsabsicht vorliegt, gehört natürlich nie und nimmer zur Überprüfung der Plagiatsvorwürfe. Eine solche Vermischung verbietet sich aus zeitlichen Gründen, und zwar systematisch. Zu Recht verweisen Sie auf den Promotionsausschuss in Bayreuth, der schon innerhalb einer Woche nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe zu seiner Entscheidung kam. Der Bayreuther Ausschuss hat damals ausdrücklich festgestellt, dass eine Überprüfung dieser Frage in nur sieben Tagen nicht zu schaffen war. Vor allem wollte man unbedingt eine Anhörung des Betroffenen vermeiden, die bei einer Überprüfung dieser Frage unausweichlich gewesen wäre und für die konzentrierte Arbeit natürlich eine erhebliche Verzögerung bedeutet hätte. Diese untadelige, prinzipienfeste Haltung traf in juristischen Fachkreisen allgemein auf euphorische Zustimmung. Das Bayreuther Prüfungsverfahren verdient es übrigens, noch einmal näher dargestellt zu werden.

      Für Ihre weitere Berichterstattung übersende ich alle guten Wünsche und verbleibe

      hochachtungsvoll

      RA Bongartz

  2. Volker K. aus T.

    Herr Volker K. aus T. teilt uns mit:

    Als Jurist bin ich entsetzt über die Art und Weise, wie die Universität in Düsseldorf vorgegangen ist. Hier ist gegen alle Formen verstoßen worden, die es für ein faires Verfahren braucht. Alle an diesem Verfahren Beteiligten sind so eindeutig befangen. Das Verfahren muss so schnell wie möglich beendet werden. Es muss noch einmal an anderer Stelle von Anfang an neu begonnen werden – selbstverständlich auch mit neuen Gutachten.

    • Sehr geehrter Herr Fraktionsvorsitzender, werter Herr Kollege,

      für Ihre so überaus bedeutende Eröffnung bin ich Ihnen zu großem Dank verpflichtet. Bitte teilen Sie mir doch eben noch näher mit, auf welches Vorgehen der Universität Sie sich konkret beziehen und aus welchen bislang unbekannt gebliebenen Umständen sich die Feststellung einer Befangenheit aller am Verfahren beteiligten Personen jeweils konkret herleiten lässt.

      In kollegialer Verbundenheit grüßt Sie

      RA Bongartz

  3. Helmut Sch. aus B.

    Herr Helmut Sch. aus B. fragt uns:

    Ich halte es für sehr seltsam, dass die Person, die das Gutachten abgibt, gleichzeitig den Vorsitz führt in dem Promotionsausschuss und eine führende Position im Fakultätsrat einnimmt. Ist dies nicht eine Konstellation, die man bestenfalls als unglücklich bezeichnen sollte?

    • Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sch.,

      dem Juristen ist es eine geläufige Notwendigkeit, dass ein solches Kollegium eines seiner Mitglieder mit den Vorarbeiten betraut, die für die Beratung eines Falles erforderlich sind. Wir sprechen hier eigentlich nicht von einem Gutachten, sondern von Berichterstattung bzw. von einem Sachbericht. Die Auswahl des Berichterstatters wird sich jeweils an pragmatischen Gründen, an der benötigten spezifischen Expertise u.ä. entscheiden. Ihr einfühlsamer Hinweis darauf, dass das betroffene Mitglied über den besonderen Arbeitsaufwand kaum besonders glücklich sein wird, ist berechtigt – doch was hilft’s? Nur so geht es.

      Die Sache wird dadurch nicht besser, dass die Stimme des Berichterstatters bei den Entscheidungen des Gremiums nicht stärker ins Gewicht fällt als die Stimme jedes anderen Mitglieds. Im Düsseldorfer Fall trifft es den Ausschussvorsitzenden besonders hart, denn er gehört zwar auch dem Fakultätsrat an, der letztlich entscheidet – ist dort jedoch als Prodekan sogar ohne Stimmrecht. Das ist misslich und sollte geändert werden.

      Ich darf vielleicht die Gelegenheit nutzen und Ihnen zu Ihrer wahrhaft imposanten Homepage gratulieren. Ist es eigentlich ein Leopard? Toll, wie Sie den ruhig gekriegt haben.

      Mit dem Ausdruck der vorzüglichen Hochachtung

      RA Bongartz

  4. Herr Kurt B. aus D. fragt uns:

    Frau Schavan hat nicht geschummelt, sie hat auch Sekundärliteratur verwendet. Das hat ihr Doktorvater gebilligt. Ihre Arbeit hat er als korrekt und regelgerecht bezeichnet. Ist es nicht unzulässig, heute Maßstäbe anzuwenden, die vor 32 Jahren nicht gegolten haben?

    • Sehr geehrter Herr Ministerpräsident a.D.,

      die Verwendung von Sekundärliteratur wurde vor 32 Jahren in der Tat noch als zulässig betrachtet, sie war in den Geisteswissenschaften damals noch weithin übliche Praxis. In der Promotionsordnung der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf aus dem Jahr 1977 ist die Verwendung von Sekundärliteratur nicht erwähnt, so dass davon ausgegangen werden darf, dass sie auch dort zumindest als nicht sanktionswürdig geduldet wurde.

      Auch heute noch bleibt die Verwendung von Sekundärliteratur in den meisten Prüfungs- und Promotionsordnungen deutscher Universitäten unerwähnt. Allerdings darf davon ausgegangen werden, dass verantwortungsbewusste Hochschullehrer ihre Studenten und Promovenden mehr und mehr zur ausschließlichen Nutzung von Internetquellen, vor allem Wikipedia, anleiten. Die vor 32 Jahren noch hinnehmbare Praxis der Verwendung gedruckter Literatur gehört hoffentlich bald endgültig der Vergangenheit an.

      Dennoch ist festzuhalten: Weder nach heutiger noch gar nach damaliger Rechtslage kann die Verwendung von Sekundärliteratur zu einer Beanstandung der Dissertationsleistung führen.

      Hochachtungsvoll

      RA Bongartz

  5. Gerhard W. aus D.

    Herr Gerhard W. aus D. schreibt uns:

    Die anonymen Plagiatsjäger haben ebenso wie der Gutachter die wichtigste Textstelle der Dissertation einfach übersehen. Hätten Sie zur Kenntnis genommen, wie der Titel der Arbeit lautet, dann wäre uns diese unselige Diskussion erspart geblieben. Denn wie kann man eine Arbeit über das Gewissen schreiben und dabei täuschen?

    • Sehr geehrter Herr Prof. Dr. W.,

      in der Tat! Haben Sie bereits Ihr ehemaliges Alma Ata hiervon in Kenntnis gesetzt?

      Unbegreiflich muss es auch erscheinen, dass inzwischen vereinzelt sogar schon Dissertationen verdächtigt werden, die an einer Theologischen Fakultät eingereicht wurden. Täuschung und Plagiat sind ja doch ganz und gar auszuschließen, wo akademisches Bemühen unter dem Vorzeichen der Religion steht. Das müsste schon eine nachgerade negative Theologie sein, die zu plagiieren imstande wäre!

      Mit dem Ausdruck dankbarer Verbundenheit

      RA Bongartz

  6. Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

    Die an Herrn Rechtsanwalt Bongartz gestellten Fragen treffen allesamt den Kern der Diskussion und sind fachmännisch beantwortet. Da ich selbst über juristische Grundkenntnisse verfüge, wären meine Antworten ähnlich ausgefallen, doch selbstverständlich ohne diese krude Diktion. Am Ende, das ist meine feste Überzeugung, zählt nur das Ergebnis, und da habe ich meine Zweifel. Ich befürchte, dass es beim gegenwärtigen Eissturm nicht ausreichen wird, wenn sich ein Theologenkollegium geschlossen für ein Schaf stark macht und der Doktorvater mit dünn gewordener Stimme an Eides statt versichert, immer ein gutes Gefühl gehabt zu haben.

    Theo-Ullrich Ludwig von Eichenbach

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