Es gerüchtet gerade

In der FAZ hat in den letzten Tagen nur Heike Schmoll und niemand sonst über die Causa Schavan, das geleakte Gutachten und den Gutachter geschrieben. Stefan Rohrbacher ist Professor für Jüdische Studien, was Schmoll nie zu erwähnen vergisst. Warum ist das so wichtig?

Es steht bekanntlich der Einwand im Raum, dass nur jemand vom Fach (Erziehungswissenschaft) die Dissertation von Schavan kompetent beurteilen kann. Schmoll will also vielleicht darauf hinweisen, dass die Zugehörigkeit zu einem anderen Fach in dieser Sicht ein Problem darstellt. Das wäre legitim. Aber wie legitim ist eine kaum verhüllte Ausfälligkeit gegen den Gutachter, weil er ein bestimmtes anderes Fach vertritt? So schreibt Schmoll am 15. Oktober: „Der Judaist Stefan Rohrbacher“ habe die Mängel der Dissertation so akribisch dargestellt, „als gehe es darum, einen apokryphen Text des Alten Testaments zu kollationieren.“

Nicht jeder Orientalist ist Orientale. Über den Judaisten Rohrbacher ist wenig bekannt, aber auch wer nicht den SPIEGEL liest, kann sich zusammenreimen, dass er Jude ist. Das tut wohl auch der Leserbriefschreiber, der am 17. Oktober im Münchner Merkur weiterreimt:

Zum wiederholten Male geraten deutsche Spitzenpolitiker ins Visier von merkwürdigen Persönlichkeiten. Was motiviert diese Leute, sich wochenlang mit Dissertationen zu beschäftigen, die bereits Jahrzehnte auf dem Markt sind? Ferner ist es interessant, wer diese Personen finanziert und wer dahinter steckt. Herr Rohrbacher, Professor für Jüdische Studien, hat offensichtlich Zeit genug, um hier nachzuforschen. Könnte es sein das hier versteckte Personen, Lobbyisten oder möglicherweise sogar andere Staaten dahinterstecken, um indirekt und versteckt Einfluss auf die deutsche Politik zu nehmen? Ich bin kein Freund von Frau Schavan, aber die Häufigkeit der Nachforschungen nimmt zu. Das wäre doch mal eine Aufgabe für den BND, hier mal nachzuforschen, Klarheit wäre wünschenswert.

Für die Antisemiten ist aber sowieso schon klar, wer hier finanziert und wer dahinter steckt.

Es bleibt nicht bei kruden Leserbriefen. Als am Mittwoch in Düsseldorf der Promotionsausschuss tagte, haben Medienvertreter in der Uni stundenlang vergeblich auf Informationen gewartet. Während sie sich die Beine in den Bauch standen, vertrieben sich einige die Zeit mit dem Austausch von öden Botschaften („gähn“) über Twitter. Dann verbreitete sich doch noch eine Neuigkeit:

Offiziell äußert sich dazu bislang niemand. Aber es ist wohl mehr als nur ein Gerücht, dass der Vorsitzende der Schavan-Prüfungskommission antisemitisch angefeindet wird. Die Studis wurden inzwischen darüber informiert, dass die Vorlesungen ihres Professors „in diesem Semester leider entfallen müssen„. Gründe wurden nicht angegeben. Aus Düsseldorfer AStA-Kreisen kommen Hinweise auf eine akute Situation. Sogar von Polizeischutz wird gemunkelt.

Yay, kotz in der Tat.

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