Causa Guttenberg

Am 16. Februar 2011 erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Bericht über Plagiatsvorwürfe des Bremer Juristen Andreas Fischer-Lescano gegen die Dissertation des damaligen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. In den folgenden Tagen wurden in verschiedenen Medien und auf der Internet-Plattform GuttenPlag Wiki immer weitere Plagiatsfunde öffentlich gemacht. Unter anderem wurde bekannt, dass Guttenberg verschiedene Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages und weite Teile eines Zeitungsartikels übernommen hatte.

Guttenberg hatte den Plagiatsvorwurf zunächst für „abstrus“ erklärt und betont, es handle sich um seine „eigene Leistung“. Bei der Überprüfung seiner Dissertation durch die zuständige Universität Bayreuth werde er „aktiv mithelfen“. Er wolle vorläufig auf das Führen des Doktortitels verzichten, bis die Universität zu einem Ergebnis gekommen sei.

Am 21. Februar 2011 bat Guttenberg die Universität um die Rücknahme seines Doktorgrades. Wenig später erklärte er, wohl hier und da den Überblick über die Quellen verloren, nicht aber bewusst getäuscht zu haben. Noch in der Fragestunde des Bundestages am 23. Februar 2011 bestand er darauf, seine Dissertation „persönlich geschrieben“ zu haben.

Bereits am selben Tag beschloss jedoch die Promotionskommission der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth die Aberkennung des Doktorgrades.

Die Frage einer Täuschungsabsicht, die von der Promotionskommission zurückgestellt worden war, wurde weiterhin von der universitären Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ geprüft. Forderungen nach seinem Rücktritt lehnte Guttenberg nach wie vor ab. Noch am 28. Februar 2011 erklärte Regierungssprecher Seibert unter Verweis auf das noch laufende Prüfungsverfahren der Universität, Bundeskanzlerin Merkel glaube den Beteuerungen ihres Ministers, nicht vorsätzlich getäuscht zu haben.

Am 1. März 2011 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung ein Interview mit Annette Schavan, in dem die Bundesbildungsministerin erklärte, sie schäme sich nicht nur heimlich für ihren Kabinettskollegen. Am selben Tag erklärte Guttenberg seinen Rücktritt.

Die Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ der Universität Bayreuth gab am 6. Mai 2011 bekannt, die Überprüfung der Arbeit habe schwerwiegende Verstöße gegen die Standards guter wissenschaftlicher Praxis ergeben und den Erweis der vorsätzlichen Täuschung erbracht.

Im März 2011 hatte die Staatsanwaltschaft Hof gegen Guttenberg im Zusammenhang mit den Plagiatsvorwürfen strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Das Ermittlungsverfahren wurde im November 2011 gegen eine Zahlung von 20.000 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Organisation eingestellt.

Nach letztem Stand (April 2011) finden sich auf 94,4% der Textseiten der Dissertation Plagiate.

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